Kiffen verboten

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Werra-Meißner. Die Legalisierung von Marihuana ist zur Zeit kein Thema in Deutschland – Nolte warnt vor Risiken und Überkonsum

Werra-Meißner. Die Zeit der illegalen Deals in dunklen Gassen ist vorbei – zumindest in Colorado und Washington. Denn hier wird zum ersten Mal in der Geschichte der USA der Verkauf und Genuss von Marihuana zu nicht-medizinischen Zwecken erlaubt. Voraussetzung ist, dass die Konsumenten älter als 21 Jahre alt sind.

Bislang war in 20 US-Bundesstaaten der Marihuana-Konsum zu medizinischen Zwecken gestattet. US-Präsident Barack Obama steht der Legalisierung insgesamt sehr offen gegenüber und sagt: "Kiffen ist nicht gefährlicher als Alkohol!"

Im Dezember legalisierte Uruguay als weltweit erster Staat den Anbau und Verkauf von Marihuana. Doch wie sieht es in Deutschland aus? lokalo24.de sprach mit Harald Nolte von der Fachstelle für Suchthilfe und Suchtprävention in Eschwege.

lokalo24.de Herr Nolte, wie Sie sicherlich auch in den Medien verfolgt haben, ist ab 2014 in zwei US-Bundesstaaten der Erwerb und der Konsum von Marihuana legal. Wäre es für Deutschland auch denkbar Marihuana zu legalisieren?

Nolte: Eine Legalisierung ist nur per Änderung des Betäubungsmittelgesetzes durch die jeweilige Bundesregierung möglich. Im neuen Koalitionsvertrag gibt es m.E. dazu keine Aussagen. Daher ist die Legalisierung auch nicht zu erwarten. Ein anderes Thema ist der Einsatz von Cannabisinhaltsstoffen in der Medizin. Es ist das Anliegen der Drogenbeauftragten und der Bundesregierung, die Versorgung mit cannabishaltigen Fertigarzneimitteln zu verbessern und schwerkranken Patienten Zugang zu diesen zu ermöglichen. Dies regelt der §3 des Betäubungsmittelgesetzes. Danach können in Ausnahmefällen, besonders in der Palliativmedizin und bei besonders schweren Krankheiten, diese Medikamente ärztlich verordnet werden.

lokalo24.de Welche Risiken/Vorteile bringt die Legalisierung von Marihuana mit sich?

Nolte: Wir als diakonische Beratungsstelle sind grundsätzlich gegen eine Legalisierung und können eigentlich nur Risiken erkennen. Der THC-Gehalt in heutigen Cannabisprodukten ist deutlich höher als früher und meist von den Konsumenten nicht einschätzbar, daher ist auch die Gefahr für Schäden, die durch einen regelmäßigen Konsum hervorgerufen werden können, zunehmend unberechenbar. Nachweislich können durch dauerhaften Konsum Angstzustände, Panikattacken und schwere Psychosen hervorgerufen werden. Außerdem ist die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit gegeben. Da Cannabis in der Regel geraucht wird, kommen alle Gefährdungen hinzu, die durch Tabakrauch verursacht werden.

lokalo24.de: Würde sich das Konsumverhalten von Jugendlichen durch die Legalisierung verändern?

Nolte: Natürlich. Es würde vermutlich mehr und früher konsumiert werden. Das beste Beispiel ist Alkohol – eine legale Droge. Welche Probleme dort auftreten, selbst schon bei jüngeren Jugendlichen, die ihn eigentlich noch nicht konsumieren dürfen, wissen wir hier im Werra-Meißner-Kreis nur zu eindrücklich. Das gleiche würde unserer Ansicht nach bei einer Legalisierung von Cannabis auftreten.

lokalo24.de Alles, was erlaubt ist, ist gleich viel uninteressanter. Wenn man nun davon ausgehen würde, dass Marihuana legal ist, würden Jugendliche dann eventuell auch andere, härtere Drogen umswitchen, die illegal sind?

Nolte: Diese Logik ist nicht nachvollziehbar. Jugendliche konsumieren neben Cannabisprodukten auch heute schon andere illegale Drogen in nicht unbeträchtlichen Maßen. Beispiele dafür sind Amphetamine wie Speed, Methamphetamine wie chrystal meth oder die neuen sog. research chemicals, bekannt als legal highs.

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