Kirschbäume in zehn Jahren nur noch Deko

Jetzt dauert es nur noch zwei bis drei Wochen bis die ersten Kirschen geerntet werden. Foto: Apel
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Jetzt dauert es nur noch zwei bis drei Wochen bis die ersten Kirschen geerntet werden. Foto: Apel

Witzenhausen. Schon sehnsüchtig wurde sie von hunderten von Touristen aus Nah und Fern erwartet – die Kirschblüte. Zum traditionellen Kirschblüte

Witzenhausen. Schon sehnsüchtig wurde sie von hunderten von Touristen aus Nah und Fern erwartet – die Kirschblüte. Zum traditionellen Kirschblütenwalking hatte es noch nicht geklappt, aber dafür nun zu den Werra-Meißner Feuerwehrtagen.

Für Armin Kindervatter, Kirschenanbauer in der dritten Generation, kommt die Kirschblüte pünktlich: "In den vergangenen Jahren war die Blüte einfach viel zu früh. Um den 1. Mai ist die Blüte normal." Es gab die weiße Pracht aber auch schon Mitte April oder Ende Mai. "Das Wetter ist dabei der Hauptfaktor. Ob zum Start oder zur Ernte", erklärt Kindervatter, der mit zwei anderen Anbauern die größte geschlossene Plantage mit 2.800 Bäumen im Werra-Meißner-Kreis bewirtschaftet.

Zwei Monate Erntezeit

Frühlingshafte Temperaturen spielen bei der Kirschblüte aber eine besondere Rolle. Ab 13 Grad fangen erst die Insekten an zu fliegen, die die Arbeit der Bestäubung der Blüten übernehmen. Ohne Insekten gibt es später auch keine Kirschen.

"Wenn die Wetterprognosen so bleiben, werden wir in zwei bis drei Wochen bereits mit der ersten Ernte anfangen können", so Kindervatter. Mit der "Burlat", einer Süßkirschsorte, wird dann begonnen. "Die schmeckt nicht nur gut, die sieht auch noch gut aus", verspricht der Kirschenexperte.

Durch zirka 30 verschiedene Baumsorten, die alle unterschiedlich früh oder spät Früchte tragen, wird die Erntezeit rund zwei Monate betragen. "Wir werden in diesem Jahre zirka vom 15. Juni bis 15. August Kirschen verkaufen können. So genau kann ich das prognostizieren, weil es 1980 im Geburtsjahr meiner Tochter ähnlich war", erinnert sich der Gastronom, der zusammen mit seiner Familie das beliebte Ausflugs-ziel "Hof Kindervatter" am Rande der Kirschenstadt betreibt.

Noch zehn Jahre

Für den Kirschenanbau-Standort Witzenhausen prognostiziert Kindervatter aber eher keiner rosige Zukunft: "In zirka zehn Jahren werden die Plantagen nur noch zur Deko da sein. Die großen Kirschzeiten sind leider schon seit Jahren vorbei." Nachweislich werden seit 400 Jahren Kirschen in und um Witzenhausen angebaut. Rund 30 Prozent der Haushalte haben damals vom Anbau gelebt. Heute seien es noch maximal zwölf Familien, die über Selbstvermarktung und im Nebenerwerb die Kirschen anbauen und anbieten.

Kein Interesse seitens der Industrie

"Die Industrie ist nicht mehr an diesem Zweig interessiert. Spritzmittel werden nicht mehr produziert und in Zukunft werden die Kirschen durch Sortiermaschinen laufen. Damit können die Großhändler genormte Ware anbieten. Die Vermarktung an der Straße wird in den nächsten Jahrzehnten aussterben."

Dann kommen die Anbaugebiete, wie in der Türkei, ins Spiel. Dort würden schon seit Jahren die Sortiermaschinen eingesetzt, um riesen Mengen an Großhändler zu verkaufen. "Das lohnt sich hier in der Region natürlich nicht", ist sich der Witzenhäuser bewusst.

Die Sauerkirsche wird es bald auch nur noch in privaten Gärten geben. "Jahrelang wollte keiner welche kaufen. Jetzt werden sie nicht mehr oder nur noch selten angebaut. Zum Schluss hatte man noch nicht mal mehr die Pflückerkosten raus", berichtet Kindervatter.

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