„Können uns keine Ärzte backen“ - Landkreis ohne Arzt? Möglichkeiten gibt’s, Patentrezepte gibt’s nicht

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Bad Sooden-Allendorf/Werra-Meißner. Die Problematik ist klar: Dem Werra-Meißner-Kreis droht ein Arzt- und Facharztmangel. Unklar sind hingegen noch

Bad Sooden-Allendorf/Werra-Meißner. Die Problematik ist klar: Dem Werra-Meißner-Kreis droht ein Arzt- und Facharztmangel. Unklar sind hingegen noch die Gegenmaßnahmen.Immer mehr Ärzte im Werra-Meißner-Kreis verabschieden sich nämlich in den Ruhestand. Laut Landrat Stefan Reuß werden das bis 2015, von den 77 niedergelassenen Hausärzten, rund neun sein. Nachfolger sind dann aber immer häufiger Mangelware. So zeigte es sich auch bei dem Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Dr. Hans-Joachim Kaiser in Eschwege. Sogar geschenkt, inklusive Mitarbeitern, Patientenkartei und Praxisinventar, wollte keiner seine Praxis haben. "Leider bin ich das lebende Beispiel wie es nicht laufen soll", sagte Kaiser.

So thematisierte der Werra-Meißner-Kreis und der Verein für Regionalentwicklung beim 5. Fachvortrag mit Podiumsdiskussion in den Balzerborn Kliniken Bad Sooden-Allendorf die angespannte Situation. "Wir können uns keine Ärzte backen, wenn keine nachkommen", ist sich Reuß bewusst. Mögliche Strategien im Umgang mit dieser Situation und schon eingeleitete Gegenmaßnahmen wurden bei der Podiumsdiskussion von Experten besprochen.

Über- oder Unterversorgung?

"Erst mal geht es immer um die gefühlte Unterversorgung und die damit verbundene Bedarfsplanung zur Ausstattung ländlicher Regionen mit Hausärzten", so Jörg Osmers, vom Hessischen Sozialministerium. Grundlage der Bedarfsplanung in Deutschland ist das Verhältnis der Zahl der niedergelassenen Ärzte bezogen auf die Zahl der Einwohner in einem bestimmten Planungsbereich.

Im Werra-Meißner-Kreis bedeutet das momentan eine 120 prozentige Überversorgung. Rein rechnerisch wie Reuß berichtete, denn: "Bei uns ist die eingeschränkte Mobilität und der Altersdurchschnitt, der der höchste aller hessischen Kreise ist, das große Problem." Mit dem Auto käme man im Kreis noch innerhalb von 15 Minuten zu einem Arzt, aber mit Linienbussen, die an den Schulverkehr gekoppelt sind, sei es mit über 45 Minuten schon kritisch. Abhilfe soll das im Oktober startende ,Mobilfalt’-Modellprojekt schaffen (der Marktspiegel berichtete). "Ein Allheilmittel ist das natürlich nicht", so Reuß weiter.

Eine ganze Menge Möglichkeiten

Zweitpraxen, finanzielle Anreize für Ärzte-Neuansiedlung, unentgeltlich zur Verfügung gestellte Räumlichkeiten oder veränderte Bereitschaftsdienstpläne sind als Vorschläge, um dem "Aussterben" der Landärzte im Kreis entgegen zu wirken, genannt wurden. "Wie geeignet diese Ansätze für mehr Ärzte im Werra-Meißner-Kreis sind, muss noch geprüft werden", sagte Reuß.

Das Projekt AGnES sei allerding ein erfolgsversprechendes, das die Arbeit von Hausärzten erleichtern soll. "Das Projekt lief wirklich gut. Der Selektivvertrag mit der Krankenkasse Barmer ist aber leider ausgelaufen und wir suchen einen neuen Partner", berichtete Dr. Klaudia Ress (Ärztebund Werra-Meißner). Speziell qualifizierte Arzthelferinnen wurden bei AGnES mit einer standardisierten Checkliste auf Hausbesuche zu ihnen bekannten Patienten geschickt. Ärztliche Routinearbeiten wie das Messen von Puls und Blutdruck oder Blutabnahme wurde so dem behandelnden Arzt abgenommen.

Individuelle Lösungen

Im Rahmen des Projekts "Region schafft Zukunft" wurde auch schon ein Masterplan erstellt, der den Ist-Zustand analysiert und in einem Zukunftsszenario Standortprioritäten zur Wiederbesetzung von Hausarztpraxen beschreibt. "Wir werden unseren Beitrag leisten und auch gern Verantwortung übernehmen, aber wir möchten nicht nur das ausführende Organ sein, sondern bei Entscheidungen auch mitreden. Wir haben eine ganze Menge Know-how, das wir einbringen können", so Reuß.

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