Kritik am "statischen Begabungsmodell"

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Hann. Münden. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Lepanto-Saal, als in der vergangenen Woche Prof. Dr. Hermann Veith auf Einladung des Stadtelt

Hann. Münden. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Lepanto-Saal, als in der vergangenen Woche Prof. Dr. Hermann Veith auf Einladung des Stadtelternrates den Vortrag: "Was soll und was kann die Gesamtschule leisten" hielt.Veith legte Wert darauf, dass auch andere Schulformen gute Arbeit leisten können, sofern die Lehrer nicht jeder für sich, sondern konstruktiv im Team zusammenarbeiten. Er belegte dies beispielhaft an Schulen, die wie die Integrierte Gesamtschule Göttingen, den Deutschen Schulpreis gewonnen haben.Niedersachsen in Sachen Durchlässigkeit Schlusslicht

Leider gehört ausgerechnet Niedersachsen zu den Schlusslichtern, was die Durchlässigkeit des Schulsystems angeht: Nach jüngsten Erhebungen über "Chancengleichheit" kommen auf ein Kind, das innerhalb der Schulformen Hauptschule - Realschule - Gymnasium eine Stufe nach oben steigt, gleich zwölf Kinder, die absteigen. Die Chancen, im alten Schulsystem aufzusteigen, sind also denkbar gering.Diese Problematik kennen Integrierte Gesamtschulen nicht, hier werden alle Kinder gemeinsam unterrichtet, niemand muss die Schule wechseln, alle Abschlüsse können an dieser Schule erworben werden. Und die Abschlüsse sind oft höher, als von der Schulempfehlung vorgesehen. Der Referent kritisierte das dem dreigliedrigen Schulsystem zugrunde liegende statische Begabungsmodell, das Kinder in drei Begabungsstufen einteilt: Dieses Modell wurde im 19. Jahrhundert geschaffen, um den Bevölkerungsschichten adäquate Schulformen zuzuweisen: Hauptschule für die Unterschicht, Realschule für die Mittelschicht und Gymnasium für die Oberschicht. Diese These der drei Begabungsstufen ist wissenschaftlich gesehen unsinnig. Die Pädagogik geht heute von einer dynamischen Begabung aus: Jedes Kind kommt hochbegabt zur Welt und entfaltet dann durch Anregungen von Eltern und Umfeld eigene Begabungen. Das Konzept der Gesamtschule beruht auf dem dynamischen Begabungsbegriff und berück­sichtigt daher den aktuellen Forschungsstand. Veith sieht eine Schullandschaft als optimal, bei der eine starke Gesamtschule mit einem Gymnasium kooperiert, ähnlich dem erfolgreichen thüringer Modell.Bei der angeregten Diskussion befürchtete eine Mutter, dass in der neuen Gesamtschule Münden die heutigen Lehrer weiter unterrichten könnten, dass also nur die Schilder getauscht würden. Ihr wurde versichert, dass bei der Einrichtung der Schule, wie in vergleichbaren Fällen auch, eine Kommission von Schulamt und Landkreis die Lehrer sehr sorgfältig nach ihrem Engagement auswählen wird. Ein weiterer Teilnehmer beklagte die hohe Zahl von 469 Schülern, die täglich Münden verlassen, um außerhalb eine weiterführende Schule zu besuchen. Münden müsse wieder ein attraktiver Schulstandort werden. Die Diskussionsleiterin Dr. Karin Gille-Linne beschloss den Abend mit einem Dank an Prof. Veith, der kurzfristig für diesen Vortrag eingesprungen war und bat alle Eltern von Grund­schulkindern, sich an der für Mündens Zukunftsfähigkeit so bedeutenden Abstimmung zu beteiligen.Eltern informieren Eltern

Ende September werden im gesamten Landkreis die Eltern von Grundschulkindern befragt, ob sie ihr Kind später auf eine neu zu gründende Integrierte Gesamtschule (IGS) in Hann. Münden schicken wollen. Da viele Eltern sich hierzu bisher kaum Gedanken machen konnten, bietet der Kreiselternrat des Landkreises Göttingen ihnen die Gelegenheit, sich jetzt über das Thema Gesamtschule aus erster Hand zu informieren.Eltern von Gesamtschulkindern werden allen interessierten Eltern in Hann. Münden am Samstag, 22. September, 10 bis 14 Uhr, im Hesse-Haus, Ziegelstraße 18,  Rede und Antwort stehen. So können sie authentisch erfahren, wie das Schulleben an einer Gesamtschule läuft. Auch Lehrer verschiedener Gesamtschulen aus der Umgebung stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.Und damit es den Kindern nicht langweilig wird, wird der IGS-Kinderzirkus "Halt die Luft an" im Bereich zwischen Rathaus und Blasius-Kirche für Unterhaltung sorgen.Weitere Informationen unter www.kreiselternrat-goettingen.de  oder  www.stadtelternrat-muenden.de

Kreisverwaltung informiert Eltern

Hann. Münden. Im Vorfeld der Elternbefragung  zur Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule in Hann. Münden lädt der Landkreis Göttingen zu einer Informationsveranstaltung ein. Diese Veranstaltung findet am Donnerstag, dem 20. September, 19 Uhr, im Rittersaal des Welfenschlosses Hann. Münden, unter Beteiligung der Niedersächsischen Landesschulbehörde statt. Alle interessierten Erziehungsberechtigten sind herzlich eingeladen. Der Kreistag hatte die Verwaltung am 11. Juli beauftragt, eine Elternbefragung zu organisieren. In der Zeit vom 24. September bis 5. Oktober werden kreisweit die Fragebögen verteilt. Bei allen Eltern der Schülerinnen und Schüler in den Klassen 1 bis 4 der Grundschulen soll das Interesse an einer Gesamtschule in Hann. Münden abgefragt werden. Die kreisweite Befragung ist mit der Landesschulbehörde abgestimmt.Anträge auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule müssen der Landesschulbehörde in der Regel bis zum 31. Oktober vorliegen. Der Kreistag hatte bereits beschlossen, im Falle des Bedarfes die neue Schulform in Hann. Münden zu beantragen. Dafür muss die Befragung ergeben, dass die neue  Integrierte Gesamtschule mindestens 120 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang über mindestens 10 Jahre erreichen kann.

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