Landrat Reuß: Mit Grund zur Zuversicht ins Jubiläumsjahr des Kreises

+

Werra-Meißner. Es ist schon gute Tradition, dass sich Landrat Stefan Reuß kurz vorm Jahreswechsel an die Bürger des Kreises richtet.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

kurz vor Weihnachten und dem Jahreswechsel möchte ich Rückschau auf das zu Ende gehende Jahr halten und

zugleich den Blick auf das neue Jahr 2014 richten. Das kommende Jahr ist für unseren Kreis ein ganz besonderes. Unser Kreis kann dann auf eine 40-jährige Geschichte zurückblicken. am 1. Januar 1974 kam die Gebietsreform in unserem Kreis zum Abschluss, und der Werra-Meißner-Kreis mit seinen 16 Kommunen wurde in seiner heutigen Form geschaffen. Der Weg dahin und das Gewöhnen an die neuen kommunalen Einheiten waren nicht ohne Probleme. Doch heute gibt es ganz ohne Zweifel in den Kommunen und unserem Kreis ein gewachsenes "Wir-Gefühl" und wir alle können mit einem gewissen Stolz auf die erfolgreiche Geschichte unseres Kreises zurückschauen.

Wir können aber auch auf 25 Jahre Grenzöffnung und damit Wiedervereinigung unseres Landes zurückblicken.

Natürlich wollen wir diese Jubiläen zum Anlass nehmen, ein wenig zurückzuschauen und im Rahmen eines Werra-Meißner-Tages gemeinsam zu feiern. Dazu später mehr.

Zunächst möchte ich an dieser Stelle jedoch einen Bogen von den Herausforderungen, die bei der Gründung des Kreises vor den Verantwortlichen standen bis hin zu den Dingen, die uns heute und auch in Zukunft beschäftigen, schlagen.

Als das Land Hessen in den frühen siebziger Jahren vorschlug, die beiden Kreise Eschwege und Witzenhausen zu vereinigen, waren diese Gedanken von dem Ziel getragen, den Zonenrandbereich zu stärken. Schließlich waren beide Landkreise massiv von der Abriegelung der DDR betroffen, somit finanziell und wirtschaftlich erheblich benachteiligt und es bedurfte einer besonderen Förderung, um diese schweren Standortnachteile zu lindern. Fast ganze 16 Jahre lang war diese besondere Situation noch Alltag im Werra-Meißner-Kreis. Trotz großer Bemühungen konnten niemals alle Nachteile, die die Teilung mit sich brachte, vollständig kompensiert werden.

Umso größer war die Freude, als im Herbst 1989 diese schmerzliche Teilung überwunden werden konnte. Ein ganz neues Kapitel in der Geschichte unseres Kreises konnte aufgeschlagen werden. Auch wenn wirtschaftliche Hemmnisse der Teilung sich nicht von heute auf morgen beseitigen ließen, so kann man doch heute feststellen, dass die Wunde der Teilung geheilt ist und wir mit unseren Freunden in Thüringen wieder auf das Engste verbunden sind. Die Grenzregionen auf beiden Seiten des ehemals "Eisernen Vorhangs" haben sich entsprechend positiv entwickelt.

Doch Geschichte und gesellschaftliche Entwicklungen kennen keinen Endpunkt, sie stellen uns alle immer wieder vor neue Herausforderungen. Auch unsere Region, in der Mitte Deutschlands und Europas, findet sich einer neuen Entwicklung gegenüber, die ähnlich wie die Deutsche Teilung, besondere Anstrengungen erfordert.

Der Demografische Wandel ist für uns schon lange kein Fremdwort mehr. Wir haben die Folgen dieser gesellschaftlichen Veränderung sogar als eine der ersten Kreise in unserem Land für uns zum Thema gemacht und uns den Fragen gestellt, die in diesem Zusammenhang auf uns zukommen. Deshalb müssen wir diese Veränderungen auch nicht mit Schrecken beobachten, vielmehr sind wir bereit, diese zu gestalten.

Wir haben uns frühzeitig darauf eingestellt, dass unser Gemeinwesen kleiner, älter, aber auch bunter wird. Wir wollen diese Veränderung aktiv begleiten und vor allem auch so gestalten, dass sich auch zukünftig alle Generationen und auch Menschen mit Behinderungen oder unterschiedlichster Herkunft bei uns zu Hause fühlen.

Im kommenden Jahr werden wir voraussichtlich bei der Bevölkerungszahl erstmals unter die 100.000 Einwohnerzahl rutschen. Dies ist kein Grund zu Pessimismus, bestätigt dies doch nur die bekannten Projektionen. Wichtig ist für uns vielmehr, dass zuletzt wieder mehr Menschen in unseren Kreis gezogen sind als ihn verlassen haben. Das zeigt, unsere Anstrengungen, unsere Region attraktiv zu machen und zu halten, fruchten.

Allein im zu Ende gehenden Jahr haben wir es geschafft, in drei Bereichen erneut Modellregion zu sein. Bei der Inklusion behinderter Menschen haben wir mit unserem vielbeachteten Masterplan erneut Maßstäbe gesetzt, und erst vor wenigen Tagen haben wir erneut einen Zuschlag vom Land Hessen bekommen und sind somit auch Modellregion für die Schaffung eines kreisweiten Gesundheitsnetzes. Und bei der Zukunft des Nahverkehrs erproben wir nun schon seit einem halben Jahr das Konzept Mobilfalt.

Der Werra-Meißner-Kreis steht inzwischen eben nicht als eine Region da, die vom Demografischen Wandel betroffen ist. Nein, sie wird wahrgenommen als eine Region, die diesen gestaltet. Kreis sowie Städte und Gemeinden haben, wie schon zu Zeiten der Deutschen Teilung, die Herausforderung angenommen und entschieden, diese zu meistern. Darauf können wir zu Recht stolz sein!

Die Veränderung unserer Gesellschaft ist aber nicht der einzige Punkt, der unserer Anstrengungen bedarf. Kreis und auch die Mehrzahl der Kommunen des Kreises haben sich auf den nicht leichten Weg der Haushaltkonsolidierung begeben. Dabei ist Sparen kein Selbstzweck für uns und wir müssen streng darauf achten, nicht in eine Spirale des "Kaputt-Sparens" zu geraten. Auch ist es den vielen ehrenamtlich Tätigen nicht zuzumuten, immer mehr kommunale bzw. staatliche Aufgaben zu übernehmen.

Aber klar ist auch, der Ausgleich der kommunalen Haushalte ist dringend nötig, um die Handlungsfähigkeit des Kreises und der Kommunen zu wahren. Auch hier haben sich alle Beteiligten der Herausforderung mit großem Verantwortungsbewusstsein gestellt. Wir sind uns vor Ort einig, dass wir - soweit möglich - unseren Beitrag dazu leisten wollen, dass unsere Haushalte saniert werden können.

So hat es in diesem Jahr auch in der Kreisverwaltung wieder Veränderungen gegeben, die helfen sollen, die knappen finanziellen Mittel noch effektiver zu verwenden. Diese gilt beispielsweise für die Reintegration des Eigenbetriebes Gebäudemanagement in die Kreisverwaltung oder auch die Neuorganisation des Volkshochschulwesens.

Doch klar bleibt auch: Bund und Land müssen den Kommunen die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um die Aufgaben, die ihnen von dort zugewiesen werden, auch zu erfüllen. Wir werden dies weiterhin deutlich einfordern!

Auch drängen wir weiterhin darauf, dass die zur Stärkung unserer Infrastruktur so wichtige A44 nun schnell zu Ende gebaut wird. Nachdem auch in diesem Jahr eine Klage des BUND erfolglos blieb und eine weitere zurückgezogen wurde, ist es nun am Land, hier zügig weiterzubauen und die noch ausstehenden Planfeststellungsbeschlüsse vorzulegen.

Dies ist wichtig für unsere wirtschaftliche Entwicklung und die Stärkung des Wohnstandortes Werra-Meißner. Die Signale aus der Wirtschaft sind auch durchaus positiv und die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Kreis ist ausgesprochen stabil, doch die Entwicklung der Infrastruktur auf der Straße hinkt nach wie vor hinterher. Unser Ziel bleibt die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die schon guten Arbeitsmarktdaten noch besser werden und die Arbeitslosigkeit weiter reduziert wird.

Dass sich gemeinsame Anstrengungen von Bund und Land zusammen mit den Kommunen lohnen, zeigen unsere Erfolge bei der Betreuung der unter Dreijährigen. Hier nimmt unser Kreis mit einer Versorgungsquote von 41,3 Prozent eine Spitzenstellung ein. Ebenso engagieren wir uns weiterhin bei der Schulkinderbetreuung, der Schulsozialarbeit und der Förderung von Familien sowie bei der Modernisierung unserer Schulen.

Die Zukunftsfähigkeit unseres Kreises gilt es aber auch beim Breitbandausbau zu sichern. Wir machen deutlich Fortschritte dabei, zusammen mit den Kommunen im Kreis dafür zu sorgen, dass die Versorgung mit schnellen Internetzugängen durch den Aufbau eines Glasfasernetzes vorankommt. Die Vorrausetzungen, dass in 5 Jahren alle Orte über Breitbandanschlüsse verfügen, sind erfüllt.

Auch die Energiepolitik hat in diesem Jahr eine große Rolle gespielt. Die Energiewende macht es notwendig, die Potentiale der Windkraft stärker zu nutzen, dies ist nicht immer konfliktfrei möglich. Ich bin aber froh darüber, dass bei allen Auseinandersetzungen in diesem Bereich ein fairer Umgang der Beteiligten untereinander die Regel ist und Meinungsverschiedenheiten rechtlich sauber geklärt werden.

Eine wichtige Entscheidung für den Kreis war in diesem Zusammenhang auch die Teilnahme am Projekt der Rekommunalisierung der E.ON Mitte. Der Kreistag hat sich mit großer Mehrheit dazu entschieden, dass sich der Werra-Meißner-Kreis hieran beteiligt und somit wurden die Weichen für einen starken regionalen Energieversorger gestellt, bei dem regionale Wertschöpfung und Einfluss auf eine sichere und ökologische Energieversorgung gesichert sind.

Wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie ist und wie groß die Potentiale des Energiesparens sind, wird durch die Werratal Energie- und Umweltgesellschaft in vielen öffentlichen Veranstaltungen verdeutlicht. Auch hierin sehen wir einen wichtigen Teil der Energiewende.

Das Hochwasser in diesem Jahr hat uns auch erneut vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dem Klimawandel entgegenzuwirken, das unterstreicht die Notwendigkeit der Energiewende. Macht aber auch deutlich, dass Vorsorge hier ebenso unverzichtbar ist. Danken möchte ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihren tagelangen schwierigen Einsatz!

Aber die Natur beschert uns auch viele positive Effekte, so können wir - gestützt auf unsere schöne Landschaft - im Tourismus auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die gewachsene Zahl der Premiumwanderwege, der neue Werra-Burgen-Steig-Hessen und das Grimm-Jahr 2013 haben erneut das Interesse vieler Besucherinnen und Besucher an unserer Region geweckt.

Wie viele Menschen sich in unserem Kreis ehrenamtlich engagieren haben, wir vor wenigen Wochen erst wieder bei der Verleihung des Sozialpreises des Kreises erleben können. Unzählige Menschen bringen sich in allen Bereichen unserer Gesellschaft ein, um mit und für ihre Mitmenschen da zu sein oder etwas gemeinsam zu schaffen; auch der Freiwilligentag hat diese wieder eindrucksvoll bewiesen.

Allen, die sich so vorbildlich engagieren, gilt mein besonderer Dank! Wir werden diese ehrenamtliche Arbeit auch in Zukunft unterstützen und deshalb Veranstaltungen wie den Ehrenamtscard-Empfang und unsere Wellnesstage für pflegende Angehörige sowie die Verleihung des Sozialpreises fortsetzen.

Freudig soll es auf unserem Kreisfest anlässlich des 40–jährigen Jubiläums zugehen. Ich lade Sie dazu ein, auf dem Werra-Meißner-Tag am 3. Oktober 2014 - zusammen mit vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern des Kreises - das Jubiläum zu feiern. Neben diesem Fest ist für das kommende Jahr auch noch die Veröffentlichung einer Sonderbriefmarke und einer Chronik geplant.

Es würde mich freuen, wenn Sie im kommenden Jahr den Weg zu einer dieser Veranstaltungen finden würden!

Zum Schluss möchte ich Ihnen allen ein friedliches und schönes Weihnachtsfest und viel Glück und Gesundheit für das Jahr 2014 wünschen.

Ihr Stefan G. Reuß, Landrat

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen feiern gemeinsam das Jubiläum zum Mauerfall

Bis zum 18. November 1989, 6 Uhr, waren Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen durch eine Grenze getrennt. Dieses 30-jährige Jubiläum will man nun gemeinsam feiern.
Bad Sooden-Allendorf und Wahlhausen feiern gemeinsam das Jubiläum zum Mauerfall

Am Werratalsee in Eschwege soll eine „Deutsche Einheitsallee" entstehen

In diesem Jahr liegt der Mauerfall 30 Jahre zurück. Zu diesem besonderen Anlass möchte die Kreisstadt Eschwege gemeinsam mit der Kreisstadt Mühlhausen und dem …
Am Werratalsee in Eschwege soll eine „Deutsche Einheitsallee" entstehen

18.000 Euro Schaden und zwei verletzte Personen nach einem Unfall bei Sontra

Der Fahrer eines PKW übersah von Hornel kommend auf der B27 einen vorfahrtberechtigten PKW und stieß mit diesem zusammen.
18.000 Euro Schaden und zwei verletzte Personen nach einem Unfall bei Sontra

Anschließend noch mehr Diebesgut sichergestellt: Trio erbeutete vier iPhones im Eschweger Geschäft

Am gestrigen Nachmittag, um 14.29 Uhr, betraten zwei Täter den Telekom-Laden in der Eschweger Innenstadt und entwendeten dort vier Apple-IPhones im Wert von ca. 4300 …
Anschließend noch mehr Diebesgut sichergestellt: Trio erbeutete vier iPhones im Eschweger Geschäft

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.