Laufen mit den Augen des Anderen

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Meinhard. Zwei an einem Band: Kurt Schäfer ist ausgebildeter Lauftrainer für blinde und sehbehinderte Menschen

Meinhard. "Es war eine riesige Anspannung und eine große Herausforderung", sagt Kurt Schäfer. Und damit meint der Grebendörfer nicht etwa einen seiner vielen Marathons, die er bestritten hat. Oder, dass er die Alpen mehrfach mit dem Mountainbike überquert hat.

Nein, Kurt Schäfer meint einen kurzen lockeren Lauf durch Basel. Allerdings "blind", ohne zu sehen, alles nur schwarz vor Augen, die lichtundurchlässig abgedeckt waren. Und nur durch ein schwarzes Band verbunden mit seinem Laufguide, seinem Lauftrainer, der ihn mit Zurufen durch die Stadt lotste. Auf Autos, Hunde, Bordsteine aufmerksam machte.

Diese Erfahrung, dieses komplette Einlassen, dieses totale Vertrauen war ein Bestandteil der Ausbildung zum Lauftrainer und -führer für blinde und sehbehinderte Menschen, die Kurt Schäfer in der Schweiz absolvierte. "Hier in Deutschland wird solch eine Ausbildung gar nicht angeboten", sagt der 61-Jährige.

Der Ausdauerportler durch und durch, der bis vor kurzem als Fahrer von Landrat Reuß beim Kreis angestellt war, will die neugewonnene Freizeit seit seiner Pensionierung dazu nutzen, auch sehbehinderten Menschen das Laufen in Stadt und Natur zu ermöglichen.

"Auf die Idee bin ich durch den Skisport gekommen. Ich habe immer bewundert, wie groß dieses Vertrauen zwischen blindem Fahrer und seinem Begleiter sein muss. Im wahrsten Sinne des Wortes blindes Vertrauen", so Schäfer.

Beim Laufen bedeutet das, dass jeder wechselnde Untergrundbelag, Asphalt, Waldboden oder Feldweg genauso angesagt werden muss wie das richtige Anlaufen eines Bordsteins oder der Hinweis auf Hunde. "Stellen Sie sich vor, sie sehen nichts und plötzlich bellt ein Hund neben ihnen – da würde jeder von uns aber richtig zusammenzucken", so Schäfer.

Und je trainierter der sehbehinderte Läufer sei, je schneller er laufen könne, umso schwieriger werde es für den Laufguide. "Das entscheidende ist, dass die Hinweise von mir rechtzeitig erfolgen", so Schäfer. Dabei könne sich ein von Geburt an Blinder natürlich wesentlich weniger vorstellen als ein später Erblindeter. All das müsse der Guide berücksichtigen. "Man lernt sich aber vor dem Laufen erst einmal intensiv kennen, das ist ganz wichtig, denn ohne Kennenlernen kein Vertrauen", sagt Schäfer.

Für den Grebendörfer, der mit über 50 Jahren die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern in drei Stunden und elf Minuten absolvierte, wäre es eine große Freude, wenn sich sehbehinderte Menschen, die gerne anfangen wollen zu joggen oder bereits Lauferfahrung haben, bei ihm melden würden. "Ich möchte sehr gerne helfen", sagt Schäfer und hat die orangenen Warnwestren mit den Symbolen für den sehbehinderten Läufer und seinen Guide schon parat liegen. Und auch das schwarze Band, das zwei Menschen zu einer Einheit werden lässt.

Kontakt: Kurt Schäfer, Tel.: 0170/5717198

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