Der Luchs als Haustier

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Wie viel Mensch vertragen Luchs, Wildkatze und Co? Reichensachsen/Werra-Meißner. "Hessenweit gibt es Konflikte mit Mountainbikern", machte

Wie viel Mensch vertragen Luchs, Wildkatze und Co?

Reichensachsen/Werra-Meißner. "Hessenweit gibt es Konflikte mit Mountainbikern", machte Dietrich Möller, Präsident des Landesjagsverbandes Hessen e.V. auf ein Problem aufmerksam, das insbesondere den wildlebenden Tieren auf die Nerven geht. "Aber schimpfen allein bringt nichts", so Möller weiter, der weiß, dass hier eher die Aufklärung der Sportler passieren muss, damit Luchs, Wildkatze und Rotwild ungestört die Wälder durchstreifen können. "Wo die Hirsche von häufiger Beunruhigung durch Touristen und Freizeitsportler verschont bleiben, siedeln sich auch wieder seltene Tierarten wie Luchs und Wildkatze an." Dieses Fazit zog Möller und stellte gleichzeitig die Ergebnisse des neuen Lebensraumkonzeptes für den rund 400 Quadratkilometer großen Rotwildbezirk Meißner-Kaufunger Wald vor, das die örtlichen Jäger und Förster bereits 2010 in der regionalen Rotwildhegegemeinschaft beschlossen haben.

"Mit Hessen-Forst, Jägern, Naturpark Meißner-Kaufunger Wald und Werratal Tourismus Marketing GmbH haben unterschiedliche Interessengruppen gemeinsam die Störungen der freilebenden Tiere reduziert, ohne die wirtschaftliche Entwicklung der Region durch den Fremdenverkehr außer Acht zu lassen", sagte Möller. Insgesamt seien die Lebensbedingungen für Rotwild, Luchs und Wildkatze erheblich verbessert und Wildschäden am Wald deutlich verringert worden.

Soldaten halten Luchse als Haustiere

Insgesamt gibt es in der Mittelgebirgsregion derzeit ein Vorkommen an 1.000 Rothirschen und weiblichen Tieren sowie die größte Wildkatzenpopulation Hessens. Der Luchs sei laut der Arbeitsgemeinschaft "Hessen-Luchs" im Werra-Meißner-Kreis ganze 89 Mal gemeldet worden sein. "Es handelt sich hierbei allerdings nicht immer um freilebende Tiere", machte Möller auf ein weiteres Problem aufmerksam, das insbesondere den hier stationierten amerikanischen Soldaten zu verschulden sei. "Viele Amerikaner halten sich Luchse oder Wildkatzen als Haustiere und wenn ihr Einsatz vorbei ist und sie zurückkehren in die Heimat, dann lassen sie ihre Tiere einfach wieder frei", so Möller weiter, der somit auch die Zutraulichkeit mancher Tiere erklärte.

Das Forstamt Hessisch-Lichtenau hat 2010 im Wald zwei insgesamt 225 Hektar große "Wildruhezonen" eingerichtet, in denen das Wild fast ganzjährig nicht bejagt wird. Und auch auf dem Platau des Hohen Meißner gäbe es laut Forstamtsleiter Matthias Dumm ein solches Gebiet.

Die Leitung des rund 930 Quadratkilometer großen Naturparks nimmt bei der Ausweisung von Wanderwegen und Mountainbike-Routen ebenfalls Rücksicht auf das besondere Ruhebedürfnis der Wildtiere. "Tourismus als Wertschöpfung ohne Menschen gibt es nicht", sagte der Naturpark-Geschäftsführer Marco Lenarduzzi. Deshalb müsse die touristische Infrakstruktur "Menschen in unsere Region lenken". "Wir versuchen grundsätzlich, die Besucherströme ganzjährig umweltschonend zu lenken", so die Geschäftsführerin der Werratal Tourismus Marketing GmbH, Daniela Sperling, zum eigenen Konzept. Touristen und Freizeitsportler wrüden deshalb ständig gebeten, auf den Wegen oder Loipen zu bleiben und die freilebenden Tiere nicht zu stören. Naturnähe, Wald und Artenreichtum machten die besondere Attraktivität der Region aus und dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden. Das Gebiet des Rotwildbezirks Meißner-Kaufunger Wald weist nach Angaben der Hegegemeinschaft rund 485 Kilometer Wanderwege sowie 420 Kilometer Radwege und Mountainbike-Strecken aus.

Nachts ruht die Flinte

"Jäger und Förster hingegen verzichten auf die nächtliche Bejagung des Rotwildes im Wald, damit die Tiere ungestört Nahrung aufnehmen können", erläutert Möller den Beitrag der Grünröcke, die das Lebensraumkonzept gemeimsam erarbeitet haben.

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