1.100 Hektar Waldfläche der Graburg und Plesse sollen stillgelegt werden

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Die Karte zeigt die Waldflächen, die in der Gemarkung Wanfried stillgelegt werden sollen.

Drei Bürgermeister haben ihre Argumente gegen die Stilllegung von staatlichen Waldflächen in ihrem Gemeindegebiet formuliert. Denn Hessen Forst hat Waldflächen in den Gemeinden Ringgau, Wanfried und Weißenborn zur Stilllegung vorgesehen.

Wanfried/Ringgau/Weißenborn. In Wanfried, Ringgau und Weißenborn formiert sich heftiger Widerstand gegen die geplante Stilllegung von Staatswaldflächen. In einer Informationsveranstaltung Mitte Februar im Forstamt Wehretal wurden die drei Bürgermeister Wilhelm Gebhard, Klaus Fissmann, Thomas Mäurer und weitere Interessierte und Betroffene erstmals offiziell von den Stilllegungsplänen des Landes informiert. Es sollen 6.400 Hektar Staatswaldfläche, insgesamt zehn Prozent der hessischen. Staatswaldfläche, stillgelegt werden, wovon allein im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Wehretal etwa 1.100 Hektar betroffen sind. Davon sind 880 Hektar in der Gemarkung der Stadt Wanfried und mit rund 230 Hektar auf den Bereich der Graburg zwischen Ringgau und Weißenborn. Die Stilllegungsfläche umfasst die Kernstadt Wanfried in drei Himmelsrichtungen.

Bereits im Herbst 2018 verdichteten sich Gerüchte um die Stilllegungspläne. Im November wandte sich die Stadt Wanfried dann schriftlich an das hessische Umweltministerium, um eine Auskunft zu den Stilllegungsplänen zu erhalten. „Sehr zögerlich trudelte erst vier Wochen später und kurz vor Weihnachten das Antwortschreiben der hessischen Umweltministerin im Wanfrieder Rathaus ein, mit dem sie die geplante Flächenstilllegung bestätigte und die Folgen des Vorhabens für die betroffene Stadt herunterspielt“, wie Gebhard das Schreiben bewertet. Besonders hart treffe es das ortsansässige Sägewerk Ruhlandt, dem vor der Haustür der zur Produktion benötigte Rohstoff entzogen wird. Das Sägewerk muss nun weitere Transportwege und damit verbundene höhere Kosten in Kauf nehmen. Unterstützung erfahren die Kommunen und das Sägewerk Ruhlandt auch von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Viele offenen Fragen

Weitere Fragen beschäftigen die betroffenen Kommunen. „Dürfen Selbstwerber noch Holz aufarbeiten, um die Bevölkerung mit Brennmaterial zu versorgen? Wer ist für die Verkehrssicherung bei den Wanderwegen zuständig, wer trägt dafür welche Kosten? Welche Wirtschaftswege bleiben in einem unbewirtschafteten Wald erhalten? Welche Auswirkungen haben die Pläne auf die Landwirtschaft hinsichtlich eines zu erwartenden Anstiegs von Wildschäden?

Kritik am Vorgehen

Bei allem Für und Wider kritisieren die drei Bürgermeister jedoch besonders scharf das Vorgehen der Verantwortlichen, insbesondere das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Betroffene Kommunen wurden Mitte Februar erstmals offiziell über die Pläne informiert. Mögliche Einwendungen sollten bereits bis Ende Februar an die Landesbetriebsplanung von Hessen Forst gerichtet werden. „So geht man nicht miteinander um“, bewerten Gebhard, Mäurer und Fissmann das Vorgehen. Besondere Verärgerung löst bei den Verwaltungschefs aus, dass mögliche Einwendungen eigentlich nur den Naturschutzverbänden vorbehalten sind, die von Anfang an in die Stilllegungspläne eingebunden waren und zum Teil auch die Vorschläge für die Flächen erarbeitet haben, auch das alles ohne Beteiligung der betroffenen Kommunen.

„Die Kommunen wussten von alledem nichts“, so die Bürgermeister. Betroffene Betriebe wie das der Familie Ruhlandt wurden bei der Flächenauswahl erst gar nicht berücksichtigt, wie Hessen Forst bei der Informationsveranstaltung zugeben musste. Die Bürgermeister kündigen an, dass man so nicht mit sich umgehen lasse. Rechtliche Schritte gegen die Flächenstilllegung werden geprüft. Darüber hinaus wird diese Thematik auch in den Gremien der betroffenen Kommunen beraten.

Alle Beteiligten fordern das Ministerium und Hessen Forst auf, in einen transparenten Dialog über das Vorhaben einzutreten, und das, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden. „Der ländliche Raum wird mit solchen Planungen erneut benachteiligt“, so die feste Überzeugung der Bürgermeister. „Während der eigene Landesbetrieb für den mit der Stilllegung verbundene Erlösausfall aus Steuergeldern entschädigt werden soll, geht die betroffene Privatwirtschaft hinsichtlich der höheren Kosten leer aus“, ergänzt Ruhlandt.

Das sagt Hessen Forst

Der Pressesprecher der Landesbetriebsleitung von Hessen Forst in Kassel, André Schulenberg, zu den Plänen:

Was ist die Grundlage für die Entscheidung der Flächenstilllegungen allgemein? 

Die Bundesregierung hat 2007 eine Nationale Biodiversitätsstrategie beschlossen, in der u. a. die Stilllegung von 10 Prozent der Wälder der öffentlichen Hand vorgesehen ist. Ziel ist es, dem Artensterben entgegen zu wirken und die biologische Vielfalt zu erhöhen. Hessen hat dieses Ziel in der Hessischen Biodiversitätsstrategie (2016) übernommen. Die Landesregierung hat 2018 beschlossen, dass zu den vorhandenen Waldflächen mit natürlicher Entwicklung (8 Prozent) weitere 2 Prozent hinzu kommen sollen um das 10 Prozent-Ziel zu erreichen.

Wie kam es zu der konkreten Entscheidung für diese Flächen?

Der Landesbetrieb HessenForst wurde beauftragt, eine Flächenauswahl vorzuschlagen. Dazu wurden vom Umweltministerium mehrere Auswahlkriterien vorgegeben. Die wichtigsten sind: Naturschutzfachliche Wertigkeit, Lage in FFH-Gebieten, Mindestgröße 50 Hektar, betriebswirtschaftliche Abwägungen. Aufgrund der hohen naturschutzfachlichen Wertigkeit, der Großflächigkeit, der Lage in FFH-Gebieten und wegen vergleichsweise nicht allzu hoher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit wurden u. a. die Gebiete „Plesse/Konstein“ und „Graburg“ ausgewählt.

Wird die Nutzung der Wanderwege, Wege zu Ausflugszielen durch die Flächen eingeschränkt?

Ausgewiesene Wanderwege werden erhalten bleiben. Auch innerhalb dieser Flächen werden entlang von geschotterten Waldwegen und ausgewiesenen Wanderwegen Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt.

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