Aktion ,Urinale' soll Glyphosat-Vergiftung aufdecken

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Eine Initiative in Witzenhausen schließt sich der deutschlandweiten Aktion ,Urinale' an, die Glyphosat-Vergiftungen aufdecken will

Witzenhausen. Witzige Aktion, ernste Absicht: Urinproben von tausenden Menschen sollen gesammelt werden, um sie auf das Breitbandherbizid Glyphosat zu untersuchen. Die Aktion "Urinale" findet zur Zeit in vielen deutschen Städten statt. Auch in Witzenhausen: Hier kann am kommenden Samstag, 31. Oktober, um 18 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus Gertenbach, Mündener Straße 12, gepinkelt werden.Anlass der Aktion ist die Erkenntnis aus stichprobenartigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die aufzeigen, dass ein hoher Anteil der Bevölkerung Deutschlands mit dem Pestizid "Glyphosat" – auch bekannt als "Round­up" – belastet ist. Dabei sind Wohnort und Essgewohnheiten unerheblich. Glyphosat steht im Verdacht, Missbildungen bei Neugeborenen zu verursachen, sowie steigende Krebsraten zu verursachen.

Am Samstag Info-Veranstaltung in Gertenbach

Stefanie Möller, Mitorganisatorin der Veranstaltung, weist auf die Ursachen der weiten Verbreitung des Umweltgiftes hin: "Glyphosat ist überall im Handel erhältlich und wird von Hobby-Gärtnern und Landwirten gleichermaßen eingesetzt.Damit Äcker, Straßen und Gärten unkrautfrei bleiben, wird die Gesundheit nicht nur der Anwohner aufs Spiel gesetzt, denn der Wirkstoff verbreitet sich über das Grundwasser weit über dessen Einsatzbereich hinaus."100 Urinale können gefüllt werden

Gemeinsam mit Transition Town Witzenhausen, dem Aktionsbündnis "Kulturlandschaft erhalten" und vielen Ehrenamtlichen hat sich Stefanie Möller deshalb entschieden, in ihrem Heimatort Gertenbach eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Experten aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft zu organisieren, um damit Bewuss­t­sein zu schaffen und eine längerfristige Reduzierung des Glyphosats herbeizuführen. Vortragende sind Günther Keller, Landwirt aus Gertenbach sowie Sandra Nickels vom Öko-Zertifizierungsunternehmen "Agreco" aus Gertenbach. "Es stehen 100 Fläschchen für Urinproben bereit", kündigt Gualter Baptista von Transition Town an. "Jeder kann hier mitmachen und seine Urinprobe verschicken lassen."

Glyphosat, besser bekannt als ,Roundup', soll verboten werden

Der Effekt der "Urinale" soll aber nicht nur auf lokaler Ebene wirken: Die Neuzulassung von Glyphosat in der Landwirtschaft, die zum Jahresende geplant war, wird nun erst Mitte 2016 erfolgen. Dann wird endgültig darüber entschieden, ob der Wirkstoff vom Markt genommen werden muss oder nicht."Bis dahin allerdings können wir Einiges bewirken: Je mehr Glyphosat in den Proben gefunden wird, desto mehr können wir den Druck auf Politik und Behörden erhöhen, die entsprechenden Produkte aus dem Verkehr zu ziehen", unterstreichen die Veranstalter die Wichtigkeit der ungewöhnlichen Veranstaltung.Auch wenn einem vielleicht dabei etwas der Appetit vergehen kann: Getränke und ein Imbiss in Bioqualität runden den Austausch- und Diskussionsabend ab.

Giftverbot in Eschwege?

In der Stadtverordnetenversammlung beantragten die Grünen in Esch­wege den Verzicht der Stadt Eschwege auf die Verwendung von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat, unter dem Markennamen ,Roundup’ bekannt – möglichst noch ab dem 1. November.

Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation habe Glyphosat im März diesen Jahres als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft. In Hessen und einigen anderen Bundesländern sind bereits strikte Einschränkungen zur Anwendung von Glyphosat im öffentlichen Raum erlassen worden.

"Die Stadt Eschwege sollte sich dieses Handeln zum Vorbild nehmen. Ausnahmegenehmigungen für die Anwendung solcher Mittel auf Nichtkulturflächen werden ab sofort nicht mehr bei den Landesbehörden beantragt", forderte Armin Jung, der unter anderem auch private Unternehmen, die Aufträge von der Stadt Eschwege zur Pflege von Grün-, Sport- und Verkehrsflächen erhalten, vertraglich an den Glyphosatverzicht binden möchte.

Auch private Haushalte sollten auf die Vermeidung des Herbizids hingewiesen werden.Der Antrag wurde zur Beratung in den Bau- und Planungsausschuss verwiesen.

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