ALDI plant neuen und größeren Markt in Witzenhausen

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Um 200 Quadratmeter soll der neue Aldi-Markt vergrößert werden. Insgesamt stehen elf verschiedene Varianten zur Diskussion, denen sich die Projektentwickler nun annehmen werden. Favorisiert wird der Standort am Laubenweg – die Existenz des Festplatzes darf jedoch nicht in Gefahr sein. Foto: Archiv

Aldi in Witzenhausen möchte sich vergrößern und sucht dafür einen neuen Standort. Elf Vorschläge gibt es.

Von SILVIA HABLE

Witzenhausen. Der jetzige Aldi-Markt an der Bohlenbrücke soll größer werden und in dem Zuge wird auch ein neuer Standort gesucht – so jedenfalls sehen die Pläne der Unternehmensgruppe Aldi Nord aus. Um diese zu konkretisieren, sprachen vergangene Woche die Projektentwickler Dr. Ewald Plaisier und Marc Kampermann vor dem Bauauschuss der Stadt vor.Letzlich sind es 200 Quadratmeter,  die der Markt erweitert werden soll. Kampermann führt aus, dass keine Sortimentserweiterung geplant sei, lediglich ein Backautomat solle hinzukommen. "Wir möchten die Flure verbreitern, um mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen." Er bezog sich dabei auf den demographischen Wandel. "Es gibt immer mehr ältere Menschen, die noch mobil sind und das ist auch gut so".  Mit Rollatoren seien die 1,50 Meter breiteren Gänge dann besser befahrbar, die Regale würden niedriger angebracht und seien besser erreichbar.Ein Neubau der " neuen Generation eines Aldi-Marktes" soll auch der Energieeffizienz Rechnung tragen. Solarkollektoren sollen tagsüber Kühlanlagen und Ladeninnenbeleuchtung mit Strom versorgen, der Markt soll ingesamt lichtdurchfluteter werden.

Aldi legte bisher elf Planungsvarianten vor

Plaisier verwies in seiner Rede auf eine Veranstaltung, die vor gut einem Jahr stattgefunden hätte. Damals schon habe er der Stadt verschiedene Szenarien für eine mögliche Standortverlegung vorgestellt, und er erläuterte anhand einer Präsentation verschiedene Problemkonstellationen, die sich aus dem Planungsprozess bislang ergeben hätten. Nun habe Aldi elf verschiedene Varianten erarbeitet, die dem Bauauschuss als Beschlussvorlagen vorlagen.Davon befinden sich die meisten Varianten auf dem jetzigen Gelände von Tegut und Aldi oder dem Festplatz (Joseph-Pott-Platz), angrenzend an den Laubenweg. In einer Variante soll der Laubenweg teilüberbaut und somit zu einer Sackgasse werden. Andere Varianten sehen einen Neubau am Kreisel Richtung Weinberge oder am Standort des Autohauses Bernhardt vor.Im Rahmen der angeregten Debatte, die folgte, fragt sich nicht nur Jürgen Vogelei (FDP), was mit städtischen Festen passieren würde, wenn der Festplatz in Zukunft zur Hälfte überbaut worden sei. Dazu hatte der Bauausschuss auch extra den Erntefestausschuss eingeladen. Axel Behnke vom Festausschuss gab an, dass Nutzungsvarienten auf dem Festplatz selbstverständlich nicht gerne gesehen würden.  Die Projektentwickler gaben zwar zu Protokoll, den Parkplatz der dann für den neuen Aldimarkt dort mit mindestens 80 Parkplätzen entstehen würde, für städtische Feste freizugeben. Behnke meinte allerdings, dass das in Anbetracht von schweren Fahrzeugen von Schaustellern, zu Schäden führen könnte.

Barbara Schröter (FWG) wandte ein, dass eine weitere Bebauung im Bereich des Festplatzes aufgrund klimatologischer Verschlechterungen für den Innenstadtbereich zu vermeiden seien. Schon von der Bebauung des ehemaligen Festplatzes, wo jetzt Aldi und Tegut seien, wurde im Regionalplan des Jahres 2000 abgeraten. Es sei wichtig, dass die Frischluftschneise vom Sandwald Richtung Kernstadt bestehen bleibe, um den nötigen Luftaustausch zu gewährleisten.Heidi Rettberg (Die Linke), merkte an, dass bei einer Überbauung des Laubenwegs die jetzige Bushaltestelle wegfallen und insgesamt das Verkehrsaufkommen am Kreisel unnötig steigen würde.Peter Schill (SPD) meinte, dass es Standortvarianten gäbe, zu denen der Grundstücksbesitzer eingeladen hätte werden müssen, auf dem sich derzeit Tegut und Aldi befinden, denn nur mit ihm zusammen hätte man herausfinden können, in wie weit er überhaupt bereit ist, einem Neubau dort zuzustimmen. Es sei nicht Aufgabe der Stadt zwischen Eigentümer und Aldi zu vermitteln.

Dr. Christian Platner (AfW) regte an, eher den Einzelhandel in der Innenstadt zu stärken, anstatt einen Discounter dabei zu unterstützen, neu zu bauen. Rettberg und Platner unterstützen daher die Variante, wenn überhaupt, den Altstandort zu vergrößern.

Sorge um Nachnutzung des alten Aldi-Standortes

Im Allgemeinen sorgten sich die Ausschussmitglieder um die Nachnutzung der jetzigen Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern. Bauamtsleiter Bernd Westermann wies ausdrücklich darauf hin, dass eine Entscheidung für eine Verlagerung nur dann getroffen werden könne, wenn die Einzelhandelsstudie von 2012, die für die Erweiterung des Aldistandortes angefertigt wurde, berücksichtigt werde.

Das Kaufvolumen liege in Witzenhausen unter Bundesdurchschnitt, daher könnten auf der Fläche nur nicht innenstadtrelevante Produkte vertrieben werden, alles andere würde den Rahmen des Mittelzentrums sprengen. Kampermann gab an, dass es einen Interessenten gäbe, der kein Innenstadtprodukt verkaufe, aber er dürfe keine weiteren Informationen geben.Dr. Rita Weber-Wied (Grüne) stellte fest, dass erst die Frage eines Brückenneubaus im Bereich des Festplatzes geklärt werden müsse, bevor Entscheidungen getroffen werden können.

Dieser Meinung schoss sich auch Bürgermeisterin Angela Fischer (CDU) an, und bat die Projektentwickler um Geduld bis zum nächsten Frühjahr, wenn andere städtebauliche Entscheidungen feststünden.

Varianten am Laubenweg werden favorisiert

Letzlich entschied der Bauausschuss einstimmig, dass die Synergieeffekte zwischen dem Vollsortimenter Tegut und Discounter beibehalten werden sollten. Daher seien die Varianten am Laubenweg zu favorisieren. Dort dürfe aber nur geplant werden, wenn die Existenz des Festplatzes unter Beachtung aller derzeitigen Nutzungsansprüche nicht in Frage gestellt werden würde.Außerdem muss eine Nachfolgenutzung für den jetzigen Aldi gefunden und planungsrechtlich festgesetzt werden, bei der geeignete und nicht-innenstadtrelavante Sortimente angeboten werden.

Diese Beschlussvorlage wurde dann in der Stadtverordnetenversammlung vergangenen Dienstag erneut in größerer Runde diskutiert. Auch hier zeichnete sich kein klares Bild für eine der Standortvarianten ab.

Schröter versuchte, ein neues Klimaschutzgutachten für die jetzigen Bauvorhaben zu beantragen. Dieses wurde von der Mehrheit der SVV abgelehnt. Der Projektträger selbst müsse sich darum kümmern, wenn es tatsächlich zu einem Neubau kommen wird, war der Tenor.Die AfW scheiterte mit ihrem Antrag das Thema nochmals im Bauauschuss zu verhandeln, und diesmal klimaschutzrechtliche Aspekte mehr einzubeziehen.

Letzlich wurde der Vorlage, unter deren Bedingungen die Projektträger nun weiterplanen dürfen, mit 20 Ja-Stimmen und 4-Nein Stimmen, zugestimmt.

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