Witzenhausens Bürgermeisterin Angela Fischer dankt ab

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Angela Fischer dankt als Bürgermeisterin von Witzenhausen ab.

Heute Abend dankt Angela Fischer als Bürgermeisterin von Witzenhausen ab

Witzenhausen. Nach zwei Amtszeiten als Bürgermeisterin der Stadt Witzenhausen verlässt die 60-jährige Angela Fischer zum ersten April den Chefsessel des Rathauses und übergibt ihn an Daniel Herz. Nach zwölf Jahren öffentlichem Leben freut sie sich auf mehr Privatssphäre und auf ihre neuen Freiheiten und Freizeiten.

Die langjährige Bürgermeisterin ist bekannt als Optimistin, selbst in den schwersten Zeiten. Sie hat 2006 die Wahl gewonnen, um dann mit den Mitbewerbern als Erstem Stadtrat und dem Leiter der Hauptverwaltung zusammen zu arbeiten.

Das war eine Herausforderung. Sie hatte im Wahlkampf für ein bürgerfreundliches Rathaus geworben und setzte vieles nach und nach in die Tat um. Das neu strukturierte Bürgerbüro zeugt davon ebenso wie die Einrichtung „Runder Tisch“ zu verschiedenen Aufgabenfeldern oder auch die Bürgerbeteiligung im Rahmen der Dorfentwicklung und des Stadtumbauprogrammes.

Dankbar für die Zeit

„Ich finde Menschen spannend und bin dankbar, dass ich während meiner Zeit als Bürgermeisterin die Vielfalt der Menschen kennenlernen durfte“, hebt sie hervor. „Menschen, die mit mir gemeinsam etwas nach vorne gebracht haben“, erzählt sie strahlend. Sie erinnert sich nur zu gut an ihren ersten Tag im Rathaus. Sie kannte die Räumlichkeiten, Stadtverordneten und einige Mitarbeiter der Verwaltung schon aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende, allerdings war sie überrascht und schätzte die offenen Arme und Ohren der Mitarbeiter, die ihr von der ersten Sekunde an das Gefühl gegeben haben, sie als neue Chefin zu unterstützen.

„Diesen Respekt weiß ich bis heute zu schätzen“, sagt sie. Diese Zusammenarbeit habe ihr in der finanziell schweren ersten Amtszeit viel Mut gegeben. 2009 hätte die Stadt, wäre sie keine Stadt, sondern ein gewerbliches Unternehmen gewesen, Insolvenz anmelden müssen. Die Kassenkredite drohten wegen der steigenden Zinsen durch die Weltwirtschaftskrise bis auf 36 Millionen Euro anzuwachsen. „Das war eine große Herausforderung“, berichtet sie.

Zweite Amtszeit

2012 hat das Land Hessen den kommunalen Schutzschirm ins Leben gerufen. Im gleichen Jahr standen auch wieder die Bürgermeisterwahlen an und Fischer ließ sich erneut mit dem klar formulierten Ziel, als Stadt dem Schutzschirm beizutreten, aufstellen.

Sie sah es als Chance aus der seit 2009 schlechten finanziellen Lage herauszukommen und wurde erneut für eine zweite Amtszeit als Bürgermeisterin gewählt. Die SPD sei vor der Wahl noch dagegen gewesen, hat jedoch nach der Wahl auf konstruktive Zusammenarbeit gesetzt. Sie bildete ein fraktionsübergreifendes Gremium zur Aufstellung der Haushalte und zum Planen der Umsetzung der Schutzschirm-Maßnahmen.

Kräfte bündeln 

„Dadurch konnte ich in dieser Zeit glücklicherweise auf eine breite politische Mehrheit zurückgreifen, die die finanziellen Einsparungen, ebenso wie ich, so wenig wie möglich zu Lasten der Bürger ausrichten wollten. Zum Beispiel die Aufwendungen für Kitas und die Dorfgemeinschaftshäuser sind nicht gekürzt worden“, erwähnt sie stolz. An das „Sparjahr“ 2014 erinnert sich vermutlich nicht nur Fischer besonders zurück, sondern auch alle Bürger.

Durch notwendige Rückstellungen fehlten im Haushalt zirka 1,4 Millionen Euro. Daraufhin beratschlagten sich die Stadtverordneten und die Verwaltung im Rathaus darüber, wie diese Lücke überhaupt zu schließen sei, um den Schutzschirmvertrag nicht zu gefährden.

Es wurde alles gekürzt, wozu die Stadt nicht vertraglich verpflichtet war – auch im Bereich der Feuerwehren oder der Jugendarbeit. „In diesem Jahr wurde ich von vielen Bürgern auf der Straße gefragt, wo das hinführen soll und jedem habe ich gesagt, dass diese Budgetkürzungen nur in diesem schwierigen Jahr anfallen würden und so war es auch.“

Das sei ein Grund dafür gewesen, weshalb die Stadt bereits Ende des vergangenen Jahres den Schutzschirm schon verlassen konnte. „Unter dem Strich sind wir weitergekommen, die Verschuldungsspirale konnte gestoppt und der Weg für Entscheidungsspielräume zumindest eingeschlagen werden“, fasst die Bürgermeisterin sachlich zusammen. Sie wünscht der Entwicklung der Stadt, dass sie weiterhin so viel Platz für Vielseitigkeit und zugleich für Respekt bietet.

Respekt und Vielseitigkeit

„Ich wünsche mir, dass Witzenhausen so spannend, jung, weltoffen und bunt bleibt. Das zeichnet Witzenhausen aus“, sagt sie abschließend. Sie hoffe außerdem weiterhin auf so eine tolle Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden, wie sie sie erfahren habe und so viele Ehrenamtliche mit Herzensangelegenheiten, die die Stadt bereichern.

Dass so ein Bürgermeisteramt auf Zeit ist, war ihr im Vorfeld klar. Deshalb geht sie gefasst damit um, nun nach zwölf Jahren aus dem Rathaus auszuziehen und das Leben als Bürgermeisterin der Kirschenstadt hinter sich zu lassen. Auch dass sie begonnene Projekte von ihrem Vorgänger übernommen hat und ebenso unfertige an Daniel Herz übergeben wird, falle ihr nicht schwer

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