Anwohner in Kleinalmerode von zu schnellen Fahrzeugen genervt

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Yvonne Steinhauer zeigt den Unfallschaden an ihrem Fahrzeug, der von der Polizei auf 3.000 Euro geschätzt wurde. Das beschädigte Rad wurde durch die Reserve ersetzt, damit der Wagen fahrtüchtig ist.

Unfallflucht ist trauriger Höhepunkt - Die Anwohner in Kleinalmerode sind genervt von zu schnellen Fahrzeugen

Kleinalmerode. Am frühen Morgen des 14. November lässt ein lauter Knall vor dem Haus Yvonne Steinhauer zusammenfahren. Sie sieht nach was passiert ist und entdeckt einen Unfallschaden an ihrem Wagen, dass sie auf der Kasseler Straße geparkt hatte. Ein anderes Fahrzeug hatte im Vorbeifahren den Skoda-Kombi gestreift und beschädigt.

Das Resultat: Die Stoßstange ist demoliert, das Rücklicht gesplittert und die hintere Stahlfelge hat eine deutliche Beule abbekommen und ist nicht mehr zu gebrauchen. Die hinzugezogene Polizei schätzt den Schaden auf insgesamt 3.000 Euro. Schlimmer noch: Der Verursacher ist flüchtig. „Da wir für das Fahrzeug nur eine Teilkaskoversicherung besitzen, werden wir auf dem Schaden sitzen bleiben“, erklärt die zweifache Mutter und atmet tief aus.

Die Familie sei auf den Wagen angewiesen, würde zunächst das nötigste reparieren lassen, um ihn wieder nutzen zu können.

Wie ihre Vermieterin Tanja Mingebach-Schwarz schildert, sei dieser Unfall an genau dieser Stelle nicht der erste gewesen.

„Wir und auch andere Nachbarn parken hier unsere Autos auf der Straße, um den Verkehr etwas zu beruhigen. Doch viele Fahrer sind schneller als die erlaubten 50 km/h unterwegs. Meist fahren sie auch bei Gegenverkehr munter drauf los und zwängen sich an den parkenden Autos vorbei.

Für drei Spuren ist die Straße aber viel zu schmal. So wurden schon Spiegel abgefahren, Lack zerkratzt und sogar unser Garten wurde schon einmal umgefahren.“ Die wenigsten, selbst Kleinalmeröder, würde sich an die innerorts geltende Geschwindigkeit halten. Die Lage, nicht mal 50 Meter vom Ortsschild entfernt, verleite die meisten Verkehrsteilnehmer in Richtung Ortsausgang bergauf verfrüht zu beschleunigen und in Richtung Ortskern, bergab, ihr Fahrzeug großzügig ausrollen zu lassen.

Noch gravierender sei die Situation bei einem erhöhten Verkehrsaufkommen bei einer gesperrten A7. Dann wäre der „Umschwang“, der über Nieste nach Kassel führt, hoffnungslos überfrachtet. „Fenster öffne ich im Sommer über Nacht schon gar nicht mehr. Da sitzt man regelmäßig aufrecht im Bett, wenn die ersten zur Arbeit fahren. Die brettern alle einfach hier durch“, schildert Mingebach-Schwarz die Lage.

Wie viele Katzen sie bereits „von der Straße gekratzt“ habe, könne sie schon gar nicht mehr zählen. Sorgen macht sie sich aber am meisten um die schwächsten Verkehrsteilnehmer, die Kinder. Etwa ein Dutzend würde in dem Bereich um die Ortseinfahrt wohnen: „Ein schlechtes Gefühl, dass etwas passieren könnte, hat man immer im Hinterkopf.“

Um eine Entschärfung der Situation habe sie bereits bei Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz gebeten. Ihre Idee: Das Ortsschild versetzen, um somit die 50er Zone zu verlängern und Geschwindigkeitsmessungen vornehmen zu können. Ohnehin müsse das Schild in naher Zukunft versetzt werden, da sich angrenzend ein ausgewiesenes Baugebiet befindet. Nur eine Frage der Zeit, bis dort die ersten Häuser entstehen würden.

Bürgermeister Daniel Herz teilt dem MARKTSPIEGEL auf Anfrage mit, dass seit über einem Jahr Beschwerden bei der Stadt vorlägen und dass man dazu auch schon im regen Austausch stand.

„Bei der Straße handelt es sich nicht um eine Gemeindestraße, sondern um die L3237. Wir haben beim Kreis die Versetzung des Ortsschildes in Richtung Sportplatz beantragt. Dieser Antrag wurde durch die zuständige Behörde geprüft und abgelehnt, da die rechtlichen Voraussetzungen leider nicht erfüllt sind“, so Herz. Die Wohnbebauung sei über einer Stichstraße entlang der Landesstraße erschlossen und liegt nicht direkt daran. Um ein Ortsschild zu versetzen, müsse aber Wohnbebauung an der Straße sein.

„Wir als Stadt Witzenhausen bedauern diese rechtliche Fessel sehr, da hier das Wohl, die Ruhe und Sicherheit der Anwohnern leider im entsprechenden Recht nicht berücksichtigt wird“, sagt der Bürgermeister. Auch Hessen Mobil teilt mit, dass die Anordnung der Straßenverkehrsbehörde Witzenhausen zur Versetzung der Ortstafel ihrer Einschätzung nach gegen die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung verstoße.

Auch die Verkehrsbehörde des Werra-Meißner-Kreises und die Obere Verkehrsbehörde des Regierungspräsidiums Kassel sind der Auffassung, dass „die Anordnung zur Versetzung der Ortstafel nicht mit geltendem Recht in Einklang zu bringen ist“, so Pressesprecher Jörg Klinge.

Eine Möglichkeit: Die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkung am Ortseingang durch die Stadt Witzenhausen zu überwachen. „Sollte sich dabei zeigen, dass Bedarf an geschwindigkeitsbegrenzenden Maßnahmen besteht, kann der Bürgermeister mit dem Bauträger HessenMobil über Maßnahmen beraten, die zur Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkung führen könnten“, heißt es seitens des Kreises.

Eine einfache Versetzung des Ortseingangsschildes scheide dabei allerdings aus.

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