„Babylotsen" für psychosoziale Hilfe: Werra-Meißner-Kreis und Klinikum schließen Kooperationsvertrag

+
Elisabeth Hallmann (links) und Bettina Vaterrodt vom Werra-Meißner-Kreis sind die beiden Babylotsen.

Der Kreis hat eine Kooperation geschlossen – mit der Geburtsklinik am Klinikum Werra-Meißner in Eschwege. Das Babylotsen-Projekt soll frühestmögliche Hilfsangebote für Familien mit hohen psychosozialen Belastungen koordinieren.

Eschwege. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung von jungen Familien wächst. Das ist auch dem Werra-Meißner-Kreis bewusst, der daher auch bereits seit 13 Jahren das Projekt „Frühe Hilfen” anbietet. Dabei handelt es sich um präventive, niederschwellige Unterstützungsangebote für Schwangere und Familien mit Kindern im Alter bis drei Jahren. Im Rahmen dieses Angebotes sind bereits vier Familienhebammen und drei Kinderkrankenschwestern aktiv. Nun hat der Kreis eine neue Kooperation geschlossen – mit der Geburtsklinik am Klinikum Werra-Meißner in Eschwege. Das Babylotsen-Projekt soll frühestmögliche Hilfsangebote für Familien mit hohen psychosozialen Belastungen koordinieren (siehe Extra-Info) und die Lücke zwischen den Angeboten der Frühen Hilfe und der Gesundheitshilfe der Geburtsstation schließen.

Dr. Claudia Fremder (links, Klinikum Werra-Meißner) und Heidi Bevern-Kümmel (Leitung des Fachbereichs 4 – Jugend, Familie, Senioren, Soziales – beim Werra-Meißner-Kreis) unterzeichen im Beisein von Dr. Achim Fischer (Chefarzt der Abteilung Gynäkologie) den Kooperationsvertrag.

Die sensible Zeit rund um Schwangerschaft und Geburt sei eine gute Möglichkeit, Zugang zu betroffenen Familien zu finden. „Der Bedarf, Familien früher abzuholen, ist da”, sagte Heidi Bevern-Kümmel, die den Kooperationsvertrag gemeinsam mit Dr. Claudia Fremder, Geschäftsführerin des Klinikums, unterzeichnete. Auch sie ist vom Programm überzeugt. „Fälle, in denen die Familienstrukturen nicht gut funktionieren, treten vermehrt auf. Diese Phänomene sehen wir an vielen Stellen in der Gesellschaft”, so Fremder. So könne man, auch wenn man vorbereitet ist, am Anfang einer jungen Mutterschaft verzweifeln. „Da ist dann ein kleiner Mensch, für den man verantwortlich ist. Das lernt man auch an keiner Schule oder Uni.” Mit den Babylotsen könne man durch frühes Eingreifen den Kindern, aber auch den Familien, Leid ersparen. „Das Projekt ist für uns alle etwas Gutes. Durch das Anbieten frühzeitiger Hilfe werden nicht nur die Eltern entlastet, sondern auch unsere Mitarbeiter. Damit bieten wir unseren werdenden und gewordenen Eltern eine ganzheitliche, über die medizinische Versorgung hinausgehende Betreuung an”, sagt Dr. Armin Fischer, Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe.

(V.li.) Babylotsin Elisabeth Hallmann, Dr. Friederike Kloß (Oberärztin), Esther Franz (Hebamme), Susanne Gude (Stationsleitung), Dr. Armin Fischer (Chefarzt), Elke Ebel-Fuchs (Hebamme) und Babylotsin Bettina Vaterrodt.

Das Angebot können alle freiwillig annehmen, die in der Klinik entbinden. Das Thema Datenschutz ist dabei sehr wichtig, so werden vom Klinikum keine persönlichen Daten an die Babylotsen weitergeben, sondern die Familien nur auf das Programm hingewiesen. Diese kommen dann letztendlich mit den Familien persönlich in Kontakt und unterliegen der Schweigepflicht. „Unser Angebot ist freiwillig und geht nur mit der Bereitschaft der Eltern”, sagen Elisabeth Hallmann und Bettina Vaterrodt, die beiden Babylotsen. Sie bieten, parallel zur Hebammensprechstunde des Klinikums, dienstags und freitags von 11 bis 13 Uhr eine Babylotsen-Sprechstunde an.

Extra-Info: Die Babylotsen

Für die Babylotsen gilt: Beraten, informieren und vermitteln. Ob Fragen zu finanziellen Aspekten, Hebammensuche oder Eltern-Kind-Angebote, Bewältigung von Alltagsproblemen oder Lösung von Konfliktsituationen – die sozialpädagogischen Fachkräfte des Babylotsen-Projekts leiten besonders belastete Eltern an, sich selbst zu helfen und lotsen sie passgenau in bereits bestehende Angebote des Netzwerks Frühe Hilfe im Werra-Meißner-Kreis. Das von der Stiftung See You ins Leben gerufene Programm Babylotse startete 2007 in Hamburg und ist mittlerweile in 30 Kliniken in sieben Bundesländern aktiv.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Großalmerodes Videothek bleibt bestehen - sie hat mehr als ein Standbein

Die Firma Reiß verleiht seit über 30 Jahren Filme in Großalmerode. Inzwischen hat man mehrere Geschäftszweige
Großalmerodes Videothek bleibt bestehen - sie hat mehr als ein Standbein

Werra-Meißner-Kreis: Probleme mit Sendern des Hessischen Rundfunks am Mittwoch

Radio- und TV-Programme des Hessischen Rundfunks am Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr gestört
Werra-Meißner-Kreis: Probleme mit Sendern des Hessischen Rundfunks am Mittwoch

Schwerer Verkehrsunfall im „Höllental": Motorradfahrer stirbt noch an Unfallstelle

Zwischen Albungen und Berkatal hat sich ein schwerer Verkehrsunfall ereignet.
Schwerer Verkehrsunfall im „Höllental": Motorradfahrer stirbt noch an Unfallstelle

Unbekannte Täter überfallen 83-Jährige in ihrem Wohnhaus in Fürstenhagen

Am Samstagmorgen haben zwei unbekannte Personen eine 83-jährige Frau in ihrem Wohnhaus in Fürstenhagen überfallen, nachdem die Personen vorgaben, mal telefonieren zu …
Unbekannte Täter überfallen 83-Jährige in ihrem Wohnhaus in Fürstenhagen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.