Baumhaus-Hotel bei Witzenhausen in Existenz bedroht – Spendenaktion gestartet

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Peter Becker (35), geboren und aufgewachsen in Gertenbach, ist mit der Gründung des Baumhaus-Hotels wieder an seine Wurzeln zurückgekehrt. Doch nun steht er vor der bislang größten Herusforderung in der Projekt-Geschichte.

Seit 2014 begeistert das originelle Baumhaushotel seine Gäste. Durch die aktuelle Corona-Pandemie ist die Existenz von Robins Nest Baumhaushotel jedoch gefährdet.Daher fehlen den Betreibern nun existentielle monatliche Einnahmen, um die Fixkosten zu decken. Diese liegen jeden Monat bei 15.000 Euro. Auch die staatliche Unterstützung könne dieses Defizit bisher nicht ausgleichen. Um die Krise zu meistern, haben die Baumhaushotelmacher eine Solidaritätskampagne gestartet

Witzenhausen. Im Jahr 2011 ersann Peter Becker einen kühnen Plan: Mit einem Baumhaus-Hotel wollte er naturnahes Übernachten anbieten. Drei Jahre später kamen die ersten Gäste in die „Robins Nest“ getauften Herbergen im Wald Nahe von Schloss Berlepsch bei Witzenhausen. Der weit über die Grenzen Nordhessens hinaus einzigartige Übernachtungs- und Erlebnisort mauserte sich in den Folgejahren zu einem Besuchermagnet.

 Doch nun steht Ideengeber und Gründer Peter Becker mit seinem Team ernste Sorgen: Wird Robins Nest die Corona-Zeit überstehen? Die Baumhäuser können nicht vermietet werden, das Restaurant wurde geschlossen, es finden keine Wissensworkshops mehr statt und auch andere kulturelle Events fallen aus. Daher fehlen den Betreibern nun existenzielle monatliche Einnahmen, um die Fixkosten zu decken. Diese liegen jeden Monat bei 15.000 Euro. Auch die staatliche Unterstützung könne dieses Defizit bisher nicht ausgleichen.

Robins Nest ist ein Baumhaushotel, wie es sein soll. In schönster Natur gelegen, mit ökologischem Anspruch und Recycling-Konzept, sympathisch geführt und für Abenteuer ist auch gesorgt.

Um die Krise zu meistern, haben die Baumhaushotelmacher eine Solidaritätskampagne auf www.gofunndme.comgestartet. „Nur mit eurer Hilfe können wir das schaffen,“ schreiben sie.

Wir sprachen mit Peter Becker über die aktuelle Situation und die Zukunft.

EXTRA TIP: Wann hat der letzte Gast in einem der Baumhäuser übernachtet?

Vom 30. Oktober auf den 1. November hatten wir unsere letzte Buchung.

Konnte man wenigstens im Sommer vom Heimaturlaub-Trend profitieren?

Anderthalb Monate vom ersten Lockdown ist bei uns Hauptsaison – die beginnt im April. Von April bis zum 15. Mai 2020 war der Betrieb von der Regierung geschlossen. Im September 2020 hatten wir dann acht mehr Buchungen als 2019. Wir sind im Sommer, in der Hauptferien zeit immer sehr gut gebucht, so dass dort kein Unterschied festgestellt werden kann.

Baumhaus im Winter? Wie gefragt sind die Häuser in normaler Saison in den kalten Monaten?

Der Winter ist für uns sehr hart, ein schweres Geschäft wie für viele Hotels und Gastronomen, die nicht an Skigebieten liegen. Die Buchungen fallen in dem Maße aus, dass wir betrieblich von Sonntag bis Dienstag geschlossen haben und nur von Mittwoch bis Sonntag öffnen, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Dazu haben wir günstigere Preise im Winter. Die Betriebskosten bleiben aber die gleichen oder werden sogar noch höher, weil mehr geheizt wird. Die Baumhäuser werden in dieser zeit mehr von Pärchen gebucht und nicht von Familien und Gruppen – das bedeutet es sind deutlich weniger Gäste im Hotel.

Welche Arbeiten fallen auch ohne Gäste jeden Tag an?

Das Areal muss in Ordnung gehalten werden. Laub, Wege, Totholz, Parkplatz, etc. Die Rezeption/Büro muss besetzt bleiben, dies ist in der Lockdown Zeit sehr wichtig, Gäste wollen ihr Geld zurück oder im besten Fall umbuchen oder einen Gutschein.

Die Kosten von 15.000 Euro pro Monat erscheinen sehr hoch für Baumhäuser. Wie schlüsseln die sich auf Personal, Pacht, etc)?

Die Kosten sind auf ein Minimum heruntergebrochen: in der Hauptsaison haben wir Kosten von 35.000 Euro im Monat. Wir sind ein junges Unternehmen und haben noch einen Berg an Schulden: Darlehensverträge, Leasing, etc.. laufen weiter ….

Welche staatlichen Unterstützungen konnten bislang in Anspruch genommen werden?

Die Soforthilfe vom 1. Lockdown: 18.000 Euro – ein Tropfen auf den heißen Stein! Aber natürlich sind wir sehr froh und dankbar. In anderen Ländern gibt es gar nichts von der Regierung.

Was passiert, wenn die Spendensumme nicht zusammenkommt?

... dann suchen wir nach neuen Alternativen …

Gibt es Robins Nest auch 2021 noch?

Das ist eine gute Frage, die ich mir im ruhigen Moment auch schon gestellt habe. Ich hoffe, dass die Spendenaktion erfolgreich läuft. Die Regierung macht sich schon jetzt Gedanken wie kleine Hotels im Lockdown, der sicher nicht Ende November aufgehoben wird, überleben sollen.

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