Beutezug durch Region: Luchs aus dem Harz tötete zwei Schafe in Fürstenhagen

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Seltene Aufnahme: Dieses Foto zeigt einen Luchs beziehungsweise seinen Kopf. Diese ungewöhnliche Perspektive entstand, weil die Fotofalle sehr früh auslöste, normalerweise ist eher der Körper des Tieres zu sehen.

Ein Luchs hat in den vergangenen Tagen für einiges Aufsehen im Werra-Meißner-Kreis gesorgt.

Werra-Meißner. Bereits die erste Sichtung am Dienstag vergangener Woche bei Fürstenhagen hatte es in sich. Der Luchs hatte offenbar in der Nacht zuvor zwei Quessant-Schafe von der Weide des Hobby-Schafhalters Mike-Patrick Heinemann gerissen, von einem der beiden Tiere blieben nur noch Kopf, Beine, Skelett und Innereien übrig. Laut Gerhard Scholz, Luchsbeauftragter für den Werra-Meißner-Kreis sei dies eindeutiges Indiz dafür, dass es sich um einen Luchs handeln muss.

Zweifel schnell verflogen

Doch jegliche Zweifel waren ohnehin schnell verflogen, denn das Fellohr wurde am nächsten Tag gesichtet und fotografiert – von Schafhalter Mike-Patrick Heinemann, der reichlich verdutzt, aber geistesgegenwärtig sein Handy zückte und die Begegnung dokumentierte. Nicht nur dafür erhielt der Fürstenhagener Lob, auch seine besonnene Reaktion im Bezug auf die gerissenen Schafe nötigte dem Luchsbeauftragten eine gehörige Portion Respekt ab. „Ich ärgere mich nicht. Das ist halt Natur, ein Luchs hat auch Hunger,“ sagt Heinemann zur ungewöhnlichen Begegnung. Diese Reaktion sei laut Scholz aber ein gutes Beispiel dafür, dass es für besorgte Bürger keinen Grund zur Panik gebe. Denn der Luchs habe sich sonst eher auf Dammtiere spezialisiert, die Wahrscheinlichkeit von gerissenen Schafen liege deutlich unter zehn Prozent.

Dem Pinselohr auf der Spur: Luchsbeauftragter Gerhard Scholz bei der Überprüfung einer Fotofalle im Revier Wendershausen.

Der Luchsbeauftragte kann sich aber auch bezüglich eines durch einen Luchs getöteten Dammtieres nur an einen Fall erinnern, der einige Jahre zurück liegt und sich im Wildpark Meißner ereignete. Überhaupt ist die Population der Luchse in Nordhessen und Südniedersachsen deutlich zurückgegangen, momentan befindet sich nur noch der eine gesichtete Luchs mit dem Namen „M9“ in der Region. Gründe dafür seien laut Scholz die fehlende Anzahl von Weibchen und die Räude (Krankheit bei Wildtieren), die einige männliche Tiere dahin raffte oder dafür sorgte, dass sie weiterzogen.

Mit Sender ausgestattet

Der besenderte und wahrscheinlich einzige Luchs unserer Region zog nach der Schaf-Attacke weiter in Richtung Reinhardswald. Nahe Hann. Münden hatte er ein Reh gerissen und dann aus Norden kommend die Weser überquert, berichtete Ole Anders, Koordinator des Luchs-Projektes im Nationalpark Harz. Der Luchs trägt einen Sender des Luchsprojektes. Deswegen können seine Wege nachverfolgt werden. Dann sei er entlang der Bundesstraße in Richtung Hann. Münden gelaufen. Dort wurde er unter anderem von der Luchsbeauftragten des Forstamtes Reinhardshagen, Petra Walter, beobachtet. Das Tier bewachte sein gerissenes Reh. Während in unserer Region die Population deutlich gesunken ist, sind die Luchse im Harz weiter auf dem Vormarsch. Anders geht davon aus, dass sich derzeit insgesamt 90 Raubtiere im Mittelgebirge aufhalten. Des Weiteren glaubt der Experte, dass sich einige derzeit noch von ihren Müttern behütete Jungtiere im Frühjahr aufmachen und sich neue Reviere suchen. „Die überlebenden Jungtiere werden abwandern“, sagte Anders. Er gehe davon aus, dass sie zunehmend auch Reviere für sich erobern müssen, die nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Harz liegen. Es bleibt also abzuwarten, ob sich der Luchsbestand in Nordhessen und Südniedersachsen spürbar verändert. Für Scholz bedeuten die jüngsten Sichtungen im Werra-Meißner-Kreis und bei Hann. Münden allerdings auch: „Der sonst so scheue Luchs, ist gar nicht so scheu.“

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