"Bitte nicht füttern und streicheln" - Schäfer werben um mehr Verständnis für Herdenschutzhunde

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Burkhard Ernst von der Schäferei Gut Giesenhagen setzt seine beiden Herdenschutzhunde Kreta und Ludwig seit rund zwei Jahren ein. Er appelliert an die Passanten, die Hinweisschilder an den Weiden zu beachten.

Die Angst vor dem Wolf breitet sich nun auch unter den nordhessischen Schafszüchtern aus. Einer von ihnen ist Burkhard Ernst. Um seine Herden zu schützen, setzt er seit rund zwei Jahren seine beiden Herdenschutzhunde Ludwig und Kreta ein. Jetzt leistet Ernst auch Aufklärungsarbeit.

Witzenhausen/Großalmerode. Für Ludwig und Kreta gehört es zu ihren Aufgaben, ihre Herde zu beschützen. Jeder, der sich ihren Schützlingen nähert, wird mit lautem Bellen empfangen. Die beiden Pyrenäenberghunde gehören Burkard Ernst. Seit über zwei Jahren bewachen sie als Herdenschutzhunde auf Weiden rund um Großalmerode Schafsherden der Schäferei Gut Giesenhagen. Manchmal zum Leid der Anwohner im Ort.

Jedes Geräusch wird verbellt

„Sobald sie ein Geräusch hören, sei es ein Rascheln in der Dunkelheit, das Zuschlagen einer Tür oder das Ausgehen einer Laterne, verbellen sie es“, berichtet der Schäfer. Bei vielen Anwohnern sorge das Bellen der beiden Herdenschutzhunde für Unverständnis, weiß Ernst aus seiner Erfahrung. Herdenschutzhunde wie Ludwig und Kreta seien in unserer Region weitestgehend unbekannt. Doch sie seien schon heute für viele Schäfer wichtige Helfer, um die Herden vor allem vor Luchsen und Wölfen zu schützen. Die ersten wildlebenden Wölfe würden jetzt schon ab und an wieder durch Hessen streifen und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis sie auch in den Werra-Meißner-Kreis vorgedrungen sind, so die Einschätzung der Schäfer aus der Region. Als Reaktion darauf setzen Ernst und einige weitere Schäfer darauf, die Herden durch Herdenschutzhunde zu bewachen und zu verteidigen.

Schutz vor dem Wolf

Um über die Bedeutung der Herdenschutzhunde für die Schafzüchter aufzuklären und über den Umgang mit den Hunden, die rund um die Uhr mit der Herde leben, zu informieren, hatte der Großalmeröder eine Informationsveranstaltung angeregt. „Damit wir unsere Herden künftig vor dem Wolf beschützen können, brauchen wir zum einen die Akzeptanz der Bevölkerung für unsere Schutzhunde, zum anderen aber auch den richtigen Umgang der Menschen mit ihnen“, erläutert Ernst die Hintergründe seines Engagements.

Bei dem Vortrag, zu dem der Schäferverein Werra-Meißner-Kreis, der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung und die Jugendbildungsstätte Ludwigstein mit Unterstützung durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen vergangene Woche eingeladen hatten, berichtete Ortrun Humpert, selbst Hundezüchterin und Schäferin, über Zucht, Ausbildung und Haltung von Herdenschutzhunden. „Viele Menschen stören sich daran, dass die Tiere ohne Betreuung frei über die Weiden laufen“, sagte die Expertin. Die Unwissenheit über die Hintergründe der Herdenhundhaltung sorge für Konflikte – nicht nur aufgrund des Bellens und der imposanten Körperhaltung der Hunde gegenüber Passanten.

Kein Streichelzoo

Oft komme es auch vor, dass Spaziergänger die Herdenschutzhunde streicheln oder gar füttern. Dies sei für den Einsatz der Hunde kontraproduktiv, so Ernst, der an die Bevölkerung appelliert, die Hinweisschilder an den Weiden zu befolgen und die Herdenschutzhunde und ihr Gebell einfach zu ignorieren. Die meisten meinen es gut, weiß Ernst, doch für seine Hunde kann die Zuwendung schlimme Folgen haben. Wenn die Hunde sich zu sehr an den Menschen gewöhnen, werden sie für die Aufgabe als Herdenschutzhund unbrauchbar und landen dann im Extremfall im Tierheim.

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