Geplante Rekultivierung der Grube Braunrod stößt auf Gegenwind

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Sie sorgen sich um das Braunrod-Biotop: (v.li.) Helge Frank (Braunrod-Ranch), Andreas Heine und Bernd Hiddemann (beide Amphibienschutzinitiative), Rainer Stelzner (Jagdverein Hubertus) sowie die Grebendorfer Jagdpächter Walter Oehl und Wolfgang Wagner.

Um dem Bergrecht genüge zu leisten, will die Firma Oppermann die ehemalige Sandgrube Braunrod mit Boden verfüllen. Dagegen laufen Anwohner und Naturschützer Sturm.

Meinhard. Jahrzehntelang hat die Firma Oppermann in Braunrod, kurz vor der thüringischen Grenze zwischen Grebendorf und Kella, Sand abgebaut. Seit acht Jahren liegt die Grube brach. In dieser Zeit hat die Natur das Areal zurückerobert. Entstanden ist ein Biotop, das zahlreiche Amphibien, Vögel und sogar eine Wildkatze beheimatet.

Nun soll die Grube mit schadstofffreiem Boden verfüllt werden, der an einer A44-Baustelle bei Waldkappel anfällt. Ob es dazu kommt, sei allerdings noch offen, sagt Kurt Koppetsch, Prokurist der Firma Oppermann: „Die Ausschreibung läuft noch.“

Dennoch hat sich bereits breiter Widerstand formiert. Naturschützer bangen um die Fauna, und Anwohner haben Sorge, dass die Lkw in Meinhard für Verkehrsgefährdungen sorgen und die Straßen in Mitleidenschaft ziehen. Setze sich das Unternehmen bei der Ausschreibung durch, würden voraussichtlich 15.000 Kubikmeter in rund 30 Tagen angeliefert, informiert Koppetsch. Dafür wären sechs Lkw pro Stunde unterwegs, acht Stunden am Tag.

Rodungsarbeiten sind erfolgt

Publik wurden die Pläne nachdem dem Grebendorfer Jagdpächter Wolfgang Wagner die Abholzarbeiten auf dem Areal ins Auge gefallen waren – sie dienten als Vorbereitung für die Verfüllung der Grube. Die Jägerschaft beklagt ebenso wie Anwohner und Naturschützer mangelnde Informationen seitens des Unternehmens.

Koppetsch hingegen verweist darauf, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei. Den Termin der Rodungsarbeiten begründet er mit dem nahenden Beginn der Vegetationszeit.

Die Jägerschaft stehe der Rekultivierung der Grube zwiespältig gegenüber, sagt der Vorsitzende des Jagdvereins Hubertus, Rainer Stelzner. „Wir bedauern, dass das Biotop in seiner jetzigen Form zerstört wird, wissen jedoch auch um die Pflicht der Firma, die Grube zu rekultivieren.

Denn die steht unter Bergrecht, und der Abschlussbetriebsplan sieht die Sicherung der steilen Böschungen vor. Dafür sei die Verfüllung unerlässlich, betont Koppetsch. Zudem werde das Areal anschließend renaturiert.

Naturschützer schlagen Alarm

Für die Amphibienschutzinitiative Grebendorf ist das ein schwacher Trost. „Amphibien suchen die Grube im Winter und Sommer sowie zum Laichen auf“, macht Bernd Hiddemann deutlich. Selbst der vorübergehende Verlust dieses Lebensraums bedeute schwere Einbußen für die Natur.

Er und seine Mitstreiter hoffen nun, dass sich seltene Gelbbauchunken oder Kammmolche auf dem Areal nachweisen lassen, um die Verfüllung zu verhindern. Sie seien dort bereits gesichtet worden, sagt Andreas Heine.

Zumindest das Vorkommen des Kammmolchs bezeugt der Fotograf Michael König. Er habe 2012 oder 2013 Exemplare der Art triturus christatus entdeckt, schreibt König in einer E-Mail an die Obere Naturschutzbehörde. Darin kündigt er an, in der kommenden Woche, „auf die Jagd“ zu gehen, um einen fotografischen Nachweis zu liefern.

König war seinerzeit bei der Betreiberin der Braunrod-Ranch, Babett Hohl, zu Gast. Sie gehört ebenfalls zu den Gegnern der geplanten Verfüllung. Zum einen sorgt sich die 2. Vorsitzende des Heimat- und Wandervereins Kella um die Tiere und zum anderen befürchtet sie wirtschaftliche Einbußen für ihre Reitschule.

Ob sich die Rekultivierung der Grube mit den 15.000 Kubikmetern A44-Aushub abschließen ließe, ist übrigens nicht klar. „Das wird sich erst am Ende zeigen“, sagt Koppetsch. Der Abschlussbetriebsplan sieht 50.000 Kubikmeter Boden zur Hangsicherung vor.

EXTRA-INFO: Informationsveranstaltung

Die Gemeinde Meinhard lädt für Dienstag, 28. Februar, um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Bürgerhaus Grebendorf ein.

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