Steiniger Weg: Mutter schildert ihre Erfahrungen mit autistischem Sohn

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Das Buch „Mit Autismus leben“ schildert die Erfahrungen der vergangenen 50 Jahre von Kathleen Wagner-Riddiford mit ihrem Sohn, der autistisch ist.

Die ehemalige Lehrerin Kathleen Wagner-Riddiford schildert in ihrem Buch „Mit Autismus Leben – Wege und Sackgassen" ihre Erfahrungen mit ihrem autistischen Sohn.

Fürstenhagen. Als Mutter ist man normalerweise für das eigene Kind da, ganz gleich was kommt. Vor allem als Mutter eines autistischen Sohnes, weiß man, wie fordernd dies sein kann. Man braucht in Krisen viel Kraft, um die Ruhe zu bewahren. Kathleen Wagner-Riddiford hat zusammen mit ihrem Mann inzwischen 50 Jahre Erfahrungen sammeln können, was es bedeutet, fest an der Seite ihres autistischen Sohnes zu stehen.

Viele Menschen haben schon von Autismus gehört; Berichte in den Medien, Filme wie „Rain Man“ oder „Forest Gump“ haben dazu beigetragen, diese Störung bekannt zu machen. Doch was ist eigentlich Autismus? Es handelt sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in Schweregrad und Ausprägung stark variieren kann. Autistische Menschen haben Schwierigkeiten, die Reize, also die Informationen, die sie aus ihrer Umwelt erhalten, zu verarbeiten. Autismus ist keine Krankheit, es ist eine Störung. In den 60- , 70- und sogar noch in den 80ern fühlten sich Eltern in Deutschland oft allein gelassen.

Weg der Familie führte bis London

Der Weg der Familie führte zuerst zu verschiedenen Medizinern, bzw. Psychiatern – sogar nach London, wo die Familie Wagner die endgültige Diagnose von einer berühmten Autismus-Expertin, Dr. Lorna Wing, erhielt. Mit dieser Gewissheit kehrte sie nach Deutschland zurück; nur war jetzt unsicher, wie die Zukunft für ihren Sohne aussehen würde, denn in Deutschland gab es keine Hilfen. Deswegen gründeten die Wagners zusammen mit anderen Betroffenen den Regionalverband Kassel-Göttingen, der später in RV-Nordhessen umbenannt wurde. Betreuer und Einrichtungen waren meist nur Zwischenstationen, da diese häufig nur mit geistig oder körperlich eingeschränkten Personen zu tun haben.

Die Autorin Kathleen Wagner-Riddiford.

Kathleen Wagner-Riddiford aus Fürstenhagen kennt man vor allem als geduldige Lehrerin. Sie unterrichtete bis zum Jahr 2000 unter anderem Latein an der Freiherr-vom-Stein-Schule. Ihr autistischer Sohn Christopher ist inzwischen 50 Jahre alt. Heute ist er zugänglicher, obwohl er wenig Umgang mit Gleichaltrigen hat. Er arbeitet auf einem Biohof bei Arolsen, hilft seiner Mutter im Haushalt und Garten, in seiner Freizeit malt er gern, fährt viel Fahrrad und spricht fließend Englisch. Über ihre Erfahrungen hat Wagner-Riddiford ein Buch geschrieben: Mit Autismus Leben – Wege und Sackgassen. Im Gegensatz zu anderen Werken befasst sie sich nicht nur mit den autistischen Verhaltensweisen und dem Lebensweg ihres Sohnes, sondern sie berichtet über die verschiedenen Maßnahmen, die ihr Mann und sie unternommen haben, um für ihren Sohn einen geeigneten Schulweg und eine Arbeit zu finden. Vor Allem war es wichtig – und nicht immer leicht – Menschen zu finden, die bereit sind, auf seine autistischen Verhaltensweisen einzugehen.

„Es gib keine Schulen, die mit autistischen Kindern umgehen können. Christophers IQ ist ganz normal. Auf der Gesamtschule sagte man, er sei ein Fall für die Sonderschule und dort sagte man, er sei zu intelligent, er müsse an eine Regelschule“, so Wagner-Riddiford. Trotz der meist unterschiedlichen Interessen, haben Autisten einige Gemeinsamkeiten. Sie haben Probleme mit Kommunikation und sozialem Umgang, auch bei der sprachlichen und nicht-sprachlichen Verständigung gibt es große Hindernisse. Zudem zeichnen sich Menschen mit Autismus dadurch aus, dass sie eingeschränkte, stereotype und sich wiederholende Verhaltensweisen an den Tag legen. Aufgrund ihrer Einschränkungen benötigen die meisten Autisten eine lebenslange Hilfe und Unterstützung.

Keine staatlichen Einrichtungen für autistische Menschen

Überraschenderweise gibt es in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Ländern – keine staatlichen Einrichtungen für autistische Menschen. Daher haben Eltern in allen Bundesländern Regionalverbände gegründet- Hilfe zur Selbsthilfe. Daraus sind zahlreiche Therapie-Institute und Ambulanzen, Heime und andere Einrichtungen entstanden; aber es gibt noch immer Unkenntnisse- besonders auf der Seite von Behörden und anderen Institutionen. Auf diesem, mit vielen Sackgassen versehenen Weg, haben sie auch viele Freunde, Helfer und Unterstützer gefunden, aber ein steiniger Weg war es dennoch, denn Autismus ist immer noch schwer zu verstehen und schwer zu behandeln.

Das Buch, erschienen beim Cogitare Verlag, ISBN 394095415-2, ist erhältlich für 18,90 Euro im Pfarramt „Lichtenau“ (in der Orthopädische Klinik), oder (bis Ende August in der Buchhandling „Carl Heller“ in der Landgrafenstraße in Hessisch Lichtenau oder unter Tel. 05602-1870.

Extra Info: Anzeichen von Autismus

Personen mit Autismus haben meist besondere Verhaltensweisen, die der Gegenüber nicht falsch verstehen sollte. Folgendes Verhalten ist meist bei Autismus zu beobachten:

-Vermeiden von Blickkontakt

-Vermeiden von Körperkontakt

-Wenig Interesse an gemeinschaftlichem Spiel

-Wirkt wie taub

-Auffällige Sprache (z.B. Wiederholung des Gesprochenen)

-Seltsam wirkende Bewegungen

-Schwierigkeiten mit Veränderungen

-Äußerung von Bedürfnissen durch Hinführen

-Wenig Gefahrenbewusstsein

-Anlass für Lachen nicht immer erkennbar

-Begabungen in Teilbereichen

-Vorrangige Beschäftigung mit Lieblingsthemen

(Quelle: Bundesverband Autismus Deutschland e.V.)

Extra Info: Anlaufstellen in Nordhessen

In Nordhessen gibt es inzwischen Anlaufstellen von Vereinen sowie gemeinnützigen GmbHs. In Bad Arolsen, Eschwege, Frankenberg, Fulda und Kassel ist die ATB Autismus Therapie- und Beratungszentrum gemeinnützige GmbH anzutreffen, informationen zum angebot gibt es dabei unter www.atb-kassel.de. Der Verein Landesarbeitsgemeinschaft Hessen Selbsthilfe e.V. hat seinen Sitz in Borken und informiert unter www.lagh-selbsthilfe.de über seine Hilfsangebote.

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