Büffeln für den Tierschutz: Exotische Rinder in Nordhessen

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Neugierig kommen die Wasserbüffel an den Zaun ihrer Weide, lassen sich sogar das borstige Haupt streicheln.

Weil einige seiner Wiesen für die Schafhaltung zu feucht sind, entschied sich Öko-Landwirt Burkhard Ernst für eine in unseren Breiten recht exotische Art: Wasserbüffel weiden nun bei Großalmerode. „Vorbildlich” sei die Haltung dort, befanden Mitarbeiter des Regierungspräsidiums bei einer Exkursion vor Ort.

Großalmerode.  Neugierig stapft der schwarze Riese dem Zaun entgegen. Erdbrocken hängen an seinen gewaltigen Hörnern und lassen ihn noch respekteinflößender erscheinen. Dann geschieht wundersames: Der stattliche Bulle lässt sich genüsslich den borstigen Schädel kraulen während seine 17 Artgenossen etwas abseits auf waldumsäumten Weide vor sich hin kauen.

Heute wird die Herde nicht nur von Öko-Landwirt Burkhard Ernst und seinem Sohn Lasse aufmerksam beobachtet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Veterinärdezernats des Kasseler Regierungspräsidiums sind zum Gut Giesenhagen gereist, um von Büffelexpertin Dr. Isabelle Kordian Wissenswertes zu Art und Haltung von Wasserbüffeln zu erfahren. Denn diese sieht man nun immer häufiger auch hierzulande.

Öko-Landwirt Burkhard Ernst mit Sohn Lasse und Wasserbüffelexpertin Dr. Isabelle Kordian.

 „Inzwischen sind zwölf Haltungen von Wasserbüffeln im Regierungsbezirk bekannt“, informiert RP-Sprecher Michael Conrad. „Aufgabe der bei den Landkreisen / kreisfreien Städte angestellten Tiergesundheitsaufseher/innen ist es, dafür zu sorgen, dass alle Tiere tierschutzgerecht gehalten werden. Doch dafür bedarf es umfassender Kenntnisse zu den Haltungsbedingungen aller Tierarten“, erklärt Ilka Riemenschneider vom RP Kassel den Hintergrund der jährlichen Fortbildungsveranstaltung.

Die exotisch wirkende Rinderart zog bei Landwirt Burhard Ernst im Jahr 2012 ein. Der Grund: „Schwerpunkt unseres Betriebes ist die Schäferei. Doch auf den feuchten Wiesen besteht die Gefahr, dass sich die Tiere den Zwischenklauenspalt entzünden – die Vorstufe zur gefürchteten ,Moder-Hinke‘. Um aber auch diese Wiesen landschaftspflegerisch und wirtschaftlich zu nutzen, kamen wir auf Wasserbüffel“, erklärt Ernst. Nun weiden die Schafe auf den trockenen Flächen. Während die Wasserbüffel ganzjährig Nässe und Schlamm genießen. „Nur wenn der Winter sehr feucht ist, stallen wir die Tiere auf“, sagt Ernst. 19 Wasserbüffel zählt beim Ortstermin die Herde, am Tag zuvor noch waren es 18. „Sieben weitere Kälber erwarten wir noch dieses Jahr“, freut sich Ernst.

Sanfte Riesen: Bis zu 1200 Kilogramm bringen ausgewachsene Bullen auf die Waage. Die weiblichen Tiere sind bis zu 700 Kilogramm schwer.

Die Weiden für die Büffel liegen jeweils an Bachläufen. Diese stauen die Tiere an und bauen sich dort eigene Suhlen. „Wenn man sie dann manchmal sieht, bis zum Kopf im Schlamm fragt man sich schon wie die da wieder rauskommen“, begeistert sich Bauer Ernst für seine besonderen Tiere. „Die Haltung hier ist vorbildlich“, so das Urteil der Expertin. Die auf Wasserbüffel spezialisierte Tierärztin fordert eine Anpassung des Tierschutzrecht – eine Haltung ohne Schlamm-Wasser-Suhle zur Abkühlung sei nicht artgerecht.

Bei aller Liebe zu den sanften Riesen – sie dienen doch der Fleischproduktion. Vor dem Weg zum Schlachter stehen allerdings drei wundervolle Jahre auf saftigen Wiesen. „Dadurch, dass sie so lange wachsen dürfen ist auch das Fleisch besonders“, sagt der Bauer. Es erinnere im Geschmack an Wild, sei äußerst fettarm. Bekannt sei auch die Verwendung der Milch für die Mozzarella-Herstellung. „Leider gibt es für das besonders dicke Leder in Deutschland kaum mehr Maschinen zur Verarbeitung“, bedauert Ernst.

Fleischpakete bietet die Familie Ernst in ihrem Hofladen an und vertreibt sie in Kassel über den Bio-Markt Greger (Wilhelmshöhe) sowie über die Bio-Metzgerei Armbröster (Markthalle und Bebelplatz).

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