Capitol-Macher in Interview: „Das Kino hat bislang 
alle Krisen gemeistert“

Umbau im Capitol Kino Witzenhausen
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Der Eingangsbereich des Capitol Kinos Witzenhausen wird derzeit neu gestaltet. 

Witzenhausen. Auch 2021 war kein leichtes Jahr für Kino-Betreiber. Lockdowns und Hygienevorschriften haben dazu geführt, dass die Plätze vor den Leinwänden der Republik spärlich besetzt waren - wenn es überhaupt erlaubt war. In Witzenhausen entwickelten die Macher des Capitol Kinos deshalb ein Open-Air-Kino. Wir sprachen mit Geschäftführer Wolfgang Würker.

Marktspiegel: Herr Würker, großes Kino im Hof des Wilhelmitenklosters: Wie sieht Ihr Fazit aus für die Open-Air-Kino-Saison 2021?

Würker: Wir haben mit dem Innenhof des Alten Klosters einen wunderschönen Ort gefunden, Filme im Freien anzuschauen. Anfang Juni hatten wir gleich zu Beginn mehr als hundert Zuschauer, es waren Filmemacher aus Heiligenstadt mit ihrem Film „Verplant“ zu uns gekommen. In den Wochen darauf war die Resonanz unterschiedlich. Zu kleinen, ausgefallenen Filmen kamen manchmal nur zehn Besucher, bei einem Film wie „Der Rausch“ waren es sechzig. Nach der pandemiebedingten Schließung war es unterm Strich ein Erfolg. Zugleich hatten wir das Gefühl, dass die Menschen angesichts des Virus noch immer vorsichtig mit den kulturellen Angeboten umgehen. Und wir hatten häufig schlechtes Wetter und so fehlte die sommerliche Atmosphäre. Der Aufwand, das alles jeden Abend auf- und wieder abzubauen, war riesig. Ohne Unterstützung vom Land Hessen und vom Hessischen Filmbüro wäre es nicht möglich gewesen.

Kann man also davon ausgehen, dass es im kommenden Jahr kein Open-Air-Kino in Witzenhausen mehr geben wird?

Würker: Nein, keineswegs. Open Air soll mehr und mehr zu einer Attraktion während des Sommers werden und unser wöchentliches Kinoprogramm ergänzen. In diesem Jahr hat uns das Kino, das gerade umgebaut wird und vorübergehend geschlossen ist, sehr gefehlt. Es bildet das Zentrum, das Herzstück unserer Aktivitäten. Der Pulsschlag des täglichen Programms hat uns gefehlt. In den kommenden Jahren werden alle anderen Veranstaltungen, auch das Scheunenkino in Ellershausen und das Mohnkino im Germerode, von dieser wiedergewonnenen Kontinuität profitieren. Wir wollen das Netzwerk, zu dem augenblicklich noch die Kirche Hundelshausen gehört, weiter ausbauen, um noch mehr Filme und Gäste zu präsentieren.

Teilweise treten die Kinos bereits in Konkurrenz mit Streaming-Diensten wie Disney. Dort war zum Beispiel der Marvel-Teil „Black Widow“ überraschend früh zu sehen. Welche Vorteile hat das klassische Filmtheater Ihrer Meinung nach gegenüber dem Heim-Kino?

Würker: Leider hat sich die Konkurrenz durch die Streaming-Dienste innerhalb des letzten Jahres weiter verschärft. Nicht nur Disney, auch andere große Verleiher haben attraktive Filme gar nicht erst ins Kino gebracht, sondern gleich andere Kanäle bedient. Ich finde, es ist eine sehr kritische Situation. Ohne die Unterstützung durch Bund und Länder müssten einige Lichtspieltheater für immer aufgeben. Andererseits hat das Kino bislang alle Krisen gemeistert. Mit anderen zusammen im dunklen Raum sitzen, lachen und weinen, sich in der Gemeinschaft aufgehoben fühlen und gemeinsam vor der großen Leinwand etwas erleben – das kann kein technisch noch so aufgerüstetes Wohnzimmer bieten.

Derzeit wird das Witzenhäuser Capitol Kino umgebaut. Wie viel dürfen oder wollen Sie darüber verraten?

Würker: Wir waren, zumal in Zeiten der Pandemie, nicht mehr zufrieden mit dem engen und unkomfortablen Eingangsbereich. Es soll bald ein neues, größeres Foyer geben mit einer ansprechenden Theke und weiteren Annehmlichkeiten. Das Kino soll noch mehr als bisher Treffpunkt werden, zum Verweilen vor und nach dem Film einladen. Inzwischen ist die tragende Wand, vor der man bisher im Eingangsbereich stand, entfernt worden und man sieht das Licht von draußen in den größeren Raum fallen. Großartig! Das Kino wird einen neuen „Auftritt“ erhalten und seine Besucher anders als bisher, allein dank der veränderten Innenarchitektur, willkommen heißen.

Auf was dürfen sich Kino-Besucher in Zukunft freuen?

Würker: Bis der Umbau abgeschlossen ist, können sich die Besucher auf die ganze Programmbreite unseres Hauses an anderen Orten freuen. Am Freitag, dem 3. September, begrüßen wir in die Freilichtarena am Johannisberg die beiden fliegenden Nomaden Doreen Kröber und Andreas Zmuda und zeigen deren Film „Vogelfrei“. Es könnte ein großes Spektakel für die gesamte Familie werden. Die Akteure schweben auf einem „fliegenden Motorrad“ über den Wolken, durchqueren Nord- und Südamerika und die Karibik. Am Samstag, 4. September, folgt „Kaiserschmarrndrama“, heitere bayerische Urgewalt um den Kult-Kommissar Eberhofer.

Ein Film von ganz anderem Zuschnitt läuft heute Abend im Alten Kloster: die aktuelle Kästnerverfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ mit Tom Schilling. Ein „sommerleichtes Meisterwerk“ schrieb darüber die Süddeutsche Zeitung. Und last not least haben wir am kommenden Donnerstag, 2. September, den Cellisten Frank Wolff ins Alte Kloster eingeladen. Wolff hat hier zuletzt bei der Beerdigung von Ralf Schuhmacher gespielt. Ich habe über diesen außergewöhnlichen Musiker und Menschen einen sechzig Minuten langen Dokumentarfilm gedreht, den wir nun, im Anschluss an einen Soloauftritt, nochmals zeigen. Titel: „Mein blaues Cello“. Es könnte für dieses Jahr unser Abschied vom Alten Kloster werden.

Das Kino-Programm

Im Alten Kloster, Steinstraße 19, werden in den kommenden Tagen folgende Filme gezeigt: Am Samstag, 28. August, 20.30 Uhr; Einlass ab 20 Uhr, Hauptfilm 21 Uhr:„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“. Am Donnerstag, 2. September, Einlass ab 19 Uhr, Beginn 20 Uhr: Soloauftritt Frank Wolff und der preisgekrönte Dokumentarfilm „Mein blaues Cello“.

Für die Freilichtbühne Johannisberg, Am Johannisberg 1 gibt es folgende Termine: Am Freitag, 3. September, Einlass ab 19.30 Uhr, Beginn 20.30 Uhr: „Vogelfrei – Ein Leben als fliegende Nomaden“. Am Samstag, 4. September, Einlass ab 19.30 Uhr, Beginn 20.30 Uhr: „Kaiserschmarrndrama“.

Bei den Vorstellungen müssen die bekannten Hygienevorschriften beachtet werden. Weitere Informationen dazu erteilt das Capitol Kino unter Tel. 05542-71864.

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