Denkmal von Fabarius bleibt in Witzenhausen, damit Verbrechen in deutschen Kolonien aufgearbeitet werden

Die Büste von Ernst Albert Fabarius steht im Innenhof des Klosters am Standort in Witzenhausen der Universität Kassel.
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Die Büste von Ernst Albert Fabarius steht im Innenhof des Klosters am Standort in Witzenhausen der Universität Kassel.

Die Studentenschaft fordert seit Jahren die Fabarius-Büste zu entfernen, doch die Uni Kassel hält daran fest, um über den Kolonialismus aufzuklären

Witzenhausen/Kassel. Denkmäler sollen an Persönlichkeiten und ihren Einsatz erinnern. In vielen Städten findet man sie in Parks und auf Plätzen. Man erinnert damit an das, wofür diese Personen einstanden, sei es ihr Engagement oder eine Idee. Sie werden aber auch immer wieder zu einem neuen Symbol, nämlich dann, wenn man die Figuren niederreißt und die damit verbundenen Werte ebenfalls stürzen möchte.

Im Rahmen der „Black-Live-Matters“-Bewegung wurden einige solcher Figuren niedergerissen. Im britischen Bristol wurde etwa die Statue von Edward Colston umgeworfen und ins Hafenbecken geschmissen, da er einst Sklavenhändler war. Doch das Phänomen ist nicht neu, auch in der Region gibt es entsprechende Figuren, die immer wieder im Fokus stehen.

Langer Diskurs statt schneller Abriss

Am Standort der Universität Kassel in Witzenhausen steht eine Büste des Kolonialschul-Gründers Ernst Albert Fabarius. Für die Gegner steht Ernst Albert Fabarius für den Kolonialismus und die damit verbundenen Verbrechen, wie Sklaverei, Mord und Ausbeutung. Die Büste selbst wird daher immer wieder beschmiert, als Zeichen des Protestes. Aus der Studentenschaft gibt es immer wieder Forderungen, die Büste zu entfernen (wir berichteten).

Doch die Universität Kassel hat diese bisher noch nicht abgebaut und wird dies wohl auch nicht veranlassen. Dazu erklärt Sebastian Mense, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Universität Kassel: „Würde die Büste entfernt, so würde zwar ein Stein des Anstoßes wegfallen, damit aber auch die Notwendigkeit, sich mit dieser Vergangenheit auseinanderzusetzen.“

Diese Form der Auseinandersetzung ist somit ein Teil des studentischen Alltags. Dazu Mense weiter: „Derzeit beschäftigt sich eine studentische Arbeitsgruppe im Fachbereich mit der Frage, wie die Vergangenheit der Gebäude kritisch vermittelt werden kann. Dabei geht es um Informationen und Denkanstöße, um Erinnerung und Bewussthalten eines dunklen Kapitels deutscher Geschichte. Auch wenn Fabarius‘ Beweggründe im Urteil seiner Zeit teilweise sozial-humanistisch gewesen sein mögen, so lehnen die Universität und der Fachbereich den kolonialistisch-imperialistischen Rahmen des damaligen Kaiserreiches, aus dem heraus die Kolonialschule gründet wurde, natürlich ab.“

Auch in der Vergangenheit gab es diverse Veranstaltungen und Seminare, die sich mit dem Thema befasst haben. So wurde bereits im vergangenen Jahr eine zusätzliche Plakette an der Büste angebracht, mit der die Ablehnung des Kolonialismus verdeutlicht wird (wir berichteten). Eine Statue von einer umstrittenen Person verhindert daher auch, dass Untaten vergessen werden, sie erinnert an unbequeme Wahrheiten und zwingt die Menschen sich damit auseinander zu setzen.

Die Büste dient somit nicht der Heroisierung, sondern der Auseinandersetzung mit einer unbequemen Thematik, um auch darüber nachzudenken – denk mal statt Denkmal.

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