Denkmal soll jüdischen Opfern ein Stück Würde wiedergeben

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Denkmal , Hirschhagen , Enthüllung , Ungarische Jüdinnen , Gedenktafel , Namenstafel , Namenstafel , Opfer , Auschwitz , 3. Reich , Munitionsfabrik , Hirschhagen // Foto: Horn Histogram Analysis: 50% (Above 60 is Limit) Is Below 100 25% (Under 10 is Limit) Is Above 150 29% (Above 70 is Limit) Is Above 140 24% (Under 5 is Limit) Is Below 60 Histogram Analysis: 50% (Above 73 is Limit) Is Below 100 25% (Under 8 is Limit) Is Above 150 25% (Above 70 is Limit) Is Above 150 50% (Under 5 is Limit) Is Below 100 Histogram Analysis: 2% (Above 60 is Limit) Is Below 100 75% (Under 10 is Limit) Is Above 150 68% (Above 75 is Limit) Is Above 160 13% (Under 5 is Limit) Is Below 130 Histogram Analysis: 2% (Above 20 is Limit) Is Below 100 75% (Under 10 is Limit) Is Above 150 80% (Above 70 is Limit) Is Above 140 0% (Under 5 is Limit) Is Below 60

In Hirschhagen wurde ein Denkmal für 206 jüdische Arbeiterinnen enthüllt, damit ihre Namen nicht in Vergessenheit geraten.

Hirschhagen. In der Holzskulptur befinden sich genau 206 Steine. Gut sichtbar, hinter Glas aufgetürmt. Darunter befindet sich ein Schild mit Namen. 206 Namen sind es. Es sind die Namen von Frauen, jüdischen Frauen und sie alle starben 1944 in Auschwitz. Ermordet.

Die Skulptur erinnert an diese 206 Opfer, die einst in Hirschhagen als Zwangsarbeiterinnen Munition, Bomben und Sprengstoff für das Dritte Reich herstellen mussten. Als sie nicht mehr in der Lage waren, ihre Sklavenarbeit zu verrichten, wurden sie getötet, genauer gesagt, man versuchte, sie zu vernichten.

Die 206 Steine wurden von Sylvia von Canstein und Reimund Lill gesammelt und für das Denkmal zur Verfügung gestellt. Solche Steine werden von den Angehörigen normalerweise auf das Grab eines Menschen gelegt, wenn man dieses besucht. Aus diesem Grund wurden diese 206 Steine in das Denkmal integiert.

Namen statt Nummern

"Die Namenstafel soll für jede der damals menschlich Entwürdigten und mit Häftlingsnummer Gezählten einen persönlichen Ort des Erinnerns und Gedächtnisses bieten", erklärte Jürgen Jessen. Bürgermeister Herwig sagte bei der Enthüllung des Denkmals: "Man gibt den Frauen ein Gesicht." Sie seien keine anonymen Häftlingsnummern mehr, sondern sie haben ihre Namen zurück. (Hier finden Sie alle Namen im PDF-Dokument: 206 Namen der Opfer )Auf den Zetteln, die bei der Enthüllung verteilt wurden, sind zwei dieser Gesichter zu sehen: Marget Weisz und ihre Tochter Jutka Weisz. Zwei der Frauen, die in Auschwitz den Tod fanden.

Keine anonymen Opfer, man blickt in die Gesichter zweier Menschen. Menschen mit Familie, Hoffnungen und Träumen, doch sie wurden ihnen verwährt und genommen. Stattdessen gab es für sie Sklavenarbeit in einem Land, das sich als "zivilisiert" ansah, doch bei den Gräueltaten lieber wegschaute.Man könne die Gräueltaten nicht ungeschehen machen, und verdrängen dürfe man diese erst recht nicht. An die Opfer erinnern sei Pflicht und verpflichte dazu, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, wie es Hirschhagens Ortsvorsteher , Karl-Heinrich Schlegel, sinngemäß ausdrückte."Hier in Hessisch Lichtenau hat man die Vergangenheit aufgearbeitet und nicht verdrängt", erklärt Herwig, der sich vor allem bei Jürgen Jessen und für dessen Aufarbeitung der Geschichte von Hirschhagen und Hessisch Lichtenau bedankte sowie all den anderen Helfern.

Zusammen mit diesen konnte Jessen zwei Treffen mit den ehemaligen Zwangsarbeiterinnen von Hirschhagen organisieren."1987 nahmen die Lichtenauer Einwohner die Gäste aus Ungarn in ihren Familien auf. Zum Dank wurden wir 1988 offiziell nach Budapest eingeladen. Unser Wirken und das Engagement der Stadt wurde dort gewürdigt. Als Vertreter des heutigen Deutschland hieß es, die Lichtenauer hätten einen wichtigen Beitrag zum Vertauen zwischen Deutschland und Ungarn geschaffen", erklärte Jessen. Insgesamt wurden in Hirschhagen 1.006 jüdische Frauen zur Arbeit gezwungen.

Und Jessen weiter: "Dankbar dürfen wir auch über den Eintrag einer ehemaligen jüdischen Ärztin des hiesigen KZ-Außenlagers im Goldenen Buch unserer Stadt zur kenntnis nehmen: ,Hessisch Lichtenau, früher ein Ort des Schreckens, ist heute ein kleiner ländlicher Ort in grüner Umgebung, voll von Freunden.’ "

+++Zwischenruf von Christian Horn+++

Ich, der potentielle Täter

"Jetzt schwingt diese ,Systempresse’ wieder die Nazi-Keule!" Oder: "Oh man, nicht schon wieder so ein ,Diese armen Opfer-Artikel’, den sie hier bringen!"Es geht hier und bei der Enthüllung des Denkmals nicht darum anzuklagen. Es geht nicht darum zu sagen: "Nur diese bösen Deutschen, diese Nazis können einen Völkermord begehen."

Nein.

Selbst zu sagen, dass jede Nation, jeder politische, religiöse etc. Extremismus zu Völkermord führen kann, trifft es noch nicht. Nein. Sondern jeder einzelne Mensch, ganz gleich welches Geschlecht, Nationalität oder Religion er besitzt, ist in der Lage, einen Genozid mitzutragen. "Führer" geben Anweisungen, aber Familienväter, Mütter, Nachbarn, Menschen wie Sie und ich stopfen Menschen in Gaskammern und betätigen die Hebel zum Mord.

Es geht nicht darum anzuklagen oder zu belehren, sondern zu mahnen.Zu warnen, wie leicht man sich von populistischen Parolen, die sich als Antworten tarnen, verführen lässt: "Die Anderen sind schuld!"Völkermord war und ist ein ewiger Begleiter der Menschen. Wir sind heute nicht besser oder schlechter als die Menschen von früher. In der jüngeren Vergangenheit gab es solche Verbrechen in Jugoslawien sowie Ruanda.

Blicke ich in die Augen auf den Bildern von Marget und Jutka Weisz, sehe ich nicht irgendwelche anonyme Opfer, ich sehe zwei Menschen, die ihres Lebens beraubt wurden. Nicht beraubt von irgendwelchen Deutschen oder Nazis, sondern beraubt von Menschen wie Sie und ich.

Ich weiß nicht, ob ich im Dritten Reich in der ersten Reihe irgendwelche Parolen mitgeschriehen hätte oder nicht. Vielleicht wäre ich ein Vorzeige-Nazi gewesen.Mit Sicherheit weiß ich nur, dass ich 2016 nicht auf irgendwelche Populisten reinfallen werde, denn Menschen wie Jürgen Jessen und Karl-Heinrich Schlegel zeigen uns mit ihrer Aufarbeitung, wozu blinder Gehorsam und der Glaube an "die Schuld der Anderen" führen.Daher ist die größte Niederlage der Nazis nicht der verlorene Krieg, sondern dass man noch heute die Erinnerung an die Opfer bewahrt.

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