Dicke Luft? Schadstoffmessung in Witzenhausen

+

Wegen Brückenneubau-Projekt wird erhöhtes Verkehrsaufkommen befürchtet: Parlamentarier wollen Schadstoffmessung in Witzenhausen

Witzenhausen. Dicke Luft in der Kirschenstadt – das befürchtet nicht nur die Initiative ,Wiz wach(t) auf’, wenn die neue Werrabrücke ,möglicherweise den Schwerlastverkehr in die Stadt holt’, wie BI-Sprecher Ludger Beesten es kürzlich formulierte.

Auch die FWG griff dieses Thema in der vergangenen Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses auf und forderte eine Analyse der Witzenhäuser Luft. Hierzu reichte die stellvertretende FWG-Vorsitzende Beate Oetzel einen Antrag ein, in dem der Magistrat beauftragt wird, "eine Luftmessung für eine aussagekräftige Zeitdauer im Bereich der Innenstadt und den Straßen Schützenstraße und hinter den Teichhöfen sowie ggf. weiterer Straßen bei einem Umweltinstitut in Auftrag zu geben und auswerten zu lassen".

Oetzels Antrag und ihre mündliche Begründung sorgte unter den Ausschussmitgliedern für eine kontroverse Diskussion. Insbesondere SPD-Fraktions-Chef Markus Keil kritisierte den FWG-Antrag. Dieser sei zu oberflächlich formuliert. SPD und Grüne stellten daher daher einen Änderungsantrag.In diesem werde der Magistrat beauftragt, folgenden Fragen nachzugehen: Welche Messungen verschiedener Schadstoffbelastungen sind für eine sachgerechte Bewertung für Witzenhausen erforderlich? An welchen Straßen/ Plätzen? Welche Zeitdauer? Wie hoch sind die Kosten für ein Luftmessungsgutachen?Die Stadtverordnetenversammlung könnte dann im Februar einen Prüfauftrag erteilen.

Schlagabtausch der Meinungen

Hans-Walther Hebel (CDU) erkundigte sich bei Bauamtsleiter Bernd Westermann, ob die Luftbelastung vor dem Ersatzneubau der Werrabrückegrundsätzlich geprüft werde. Eine Prüfung der Lärmbelas­tung werde vorgenommen, die Luft sei aber noch kein Thema gewesen, so Westermann hierzu.Bürgermeisterin Angela Fischer (CDU) wies darauf hin, dass so etwas im Rahmen eines Prüfauftrages erledigt werde.

Doch dies stellte einige Parlamentarier nicht zufrieden. Heidi Rettberg (Linke) merkte an, dass durch die Baustellen der Verkehr in Witzenhausen in diesem Jahr ,ganz enorm’ gewesen sei. Es habe ein riesiges Aufkommen gegeben, das sich – teilweise immer noch – mühsam durch die Stadt quäle. Das alles habe bereits Spuren hinterlassen.

Als Heinz Köhler (SPD) Oetzel die Frage stellte, warum sie so kurz vor den Kommunalwahlen mit diesem Thema komme, stellte diese klar, dass die Luftbelastung in Witzenhausen seit über zehn Jahren ihr persönliches Anliegen sei und auch lange genug Thema der FWG. Sie habe sich während dieser Zeit hinreichend sachkundig gemacht. Es sei wissenschaftlich belegt, dass Feinstäube und Stickoxide krank machen würden. Sie sei nicht grundsätzlich gegen eine neue Werrabrücke; die Verkehrskonzeption müsse jedoch für die Bürger verträglich gestaltet werden.

,Abgase sind sauberer geworden'

Jörg Losemann (CDU) mahnte an, vorsichtig zu sein, den Verkehr zu verteufeln. Abgase seien in den vergangenen Jahren sauberer geworden.

Jürgen Vogelei (FDP) beschwichtigte die Parlamentarier; die aufkommenden Fragen würden mit dem  Prüfauftrag beantwortet.Er plädierte zudem für einen gemeinsamen Partei übergreifenden Antrag. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht aufgegriffen; die Ausschussmitglieder stimmten mehrheitlich dem Änderungsantrag von SPD/Grünen zu.

Während der Stadtverordnetensitzung am Dienstagabend änderte sich am Meinungsbild der Parlamentarier nicht mehr viel, obwohl die FWG einen Ergänzungsantrag gestellt hatte. Hierin beauftragt die FWG den Magistrat, über das Hessische Umweltministerium einen Auftrag an die HLUG ( Landesanstalt für Umwelt & Geologie) zu vergeben, eine verkehrsbezogene Messung (...) durchzuführen. Dabei sollen Stickoxide und Feinstäube ermittelt werden. Zeitraum: Ein Jahr.

Obwohl Oetzel bezüglich des brisanten Themas Luftmessung von allen Parteien Zustimmung erhielt, wurde sie dennoch wegen ihres ,Alleinganges' kritisiert. Aus diesem Grunde lehnte die Stadtverordnetenversammlung ihren Ergänzungsantrag mehrheitlich ab und stimmte dem Änderungsantrag der SPD/Grünen zu. Demnach soll dem Magistrat in der kommenden Sitzung im Februar der Prüfantrag erteilt werden.

,Schadstoffmessung so schnell wie möglich!

Lokalo24 gegenüber äußerten die FWG-Politikerinnen Beate Oetzel und Sandra Heinzl anschlie­ßend ihren Unmut über das Vorgehen der SPD/Grünen."Wir verstehen nicht, warum unser Antrag nicht ernst genommen wird", so Heinzl.Beate Oetzel: "All diese Fragen, die im Prüfauftrag stehen, habe ich in der Ausschuss-Sitzung bereits beantwortet. Jetzt wird das Problem wieder vor uns hergeschoben", ergänzt Beate Oetzel. "Ich möchte weiterhin erreichen, dass so schnell und unbürokratisch wie möglich ein Luftmessgerät durch ein unabhängiges Institut aufgestellt wird und die Luft ein Jahr lang, durch alle Vegetationsperioden hindurch, gemessen und analysiert wird."

Den Prüfantrag halte die FWG für überflüssig und zeitraubend, so Oetzel."Es braucht nur eine Anfrage, seitens der Stadt an das Umwelt-Ministerium gestellt werden, welches dann den Auftrag an die HLUG Landesanstalt für Umwelt & Geologie vergibt", hat sich Oetzel bereits im Vorfeld erkundigt."Die sehr gute Neuigkeit dabei ist, dass wenn der Messcontainer vom Land Hessen aufgestellt wird, auf die Stadt keine Kosten zukommen. In dem Messverfahren sollten die wichtigsten Messkompomente wie C02, NO2 und Feinstaub ermitteln werden. Die gesammelten Daten können als Basis für die anstehenden Verkehrsplanungen verwendet werden, zum Beispiel auch für das Klimaschutz- Teilkonzept, welches aktuell in Arbeit ist.

Wir finden dass Gesundheit dass Wichtigste ist, was wir haben und wir als politisch Verantwortliche verpflichtet sind, unseren Kindern und Enkelkindern eine gesunde Umwelt zu schaffen und zu erhalten", so Oetzel abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Abkochgebot für Trinkwasser in Niederdünzebach ist aufgehoben

Wie die Stadtwerke Eschwege mitteilt, ist das Abkochgebot für Trinkwasser in Niederdünzebach aufgehoben.
Abkochgebot für Trinkwasser in Niederdünzebach ist aufgehoben

Actionpark Hirschhagen bietet neue Escape Rooms

Bildergalerie: Indiana Jones-Feeling im Actionpark Hirschhagen
Actionpark Hirschhagen bietet neue Escape Rooms

Busfahrer leicht verletzt- Linienbus kommt bei Herleshausen von der Straße ab

Am Dienstagmorgen kam aus ungeklärter Ursache ein Linienbaus bei Herleshausen von der Straße ab und landet in Zaun.
Busfahrer leicht verletzt- Linienbus kommt bei Herleshausen von der Straße ab

Die Grünen des Werra-Meißner Kreises luden zum Neujahrsempfang

Bildergalerie: Neujahrsempfang der Grünen im Werra-Meißner-Kreis
Die Grünen des Werra-Meißner Kreises luden zum Neujahrsempfang

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.