„Ein Bürgermeister darf kein Weichei sein“

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Am Donnerstag hat Jürgen Herwig seinen letzten Tag als Bürgermeister von Hessisch Lichtenau. Wir sprachen mit ihm über die vergangenen 16 Jahre

Hessisch Lichtenau. Insgesamt 16 Jahre war Jürgen Herwig Bürgermeister der Stadt Hessisch Lichtenau. Dreimal wurde er gewählt. Am Donnerstag legt er nun sein Amt nieder. Dann beginnt für ihn die Zeit als "Bürger". Wir sprachen mit ihm.

Marktspiegel (MS): Herr Herwig, sind sie froh in den Ruhestand zu gehen?Herwig: "In jeder Hinsicht. Aber missverstehen Sie das nicht, dies hat nichts mit dem Amt zu tun. Ich habe in den vergangenen Jahren zwei Krebserkrankungen überstanden. Jetzt bin ich gesund und kann nun glücklich in den Ruhestand gehen.Für mich wird ein völlig neues Leben beginnen und darauf freue ich mich."

MS: Gibt es ein klein wenig Wehmut bei Ihnen wenn Sie gehen?Herwig: "Kein bisschen. Ich hatte die große Freude, dreimal das Vertrauen der Wähler zu genießen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich hatte die Möglichkeit viel zu bewegen und eine erfüllte Amtszeit, deswegen schwingt da jetzt keine Trauer mit wenn ich gehe. Es beginnt einfach ein neuer Lebensabschnitt für mich, wie so oft in meiner Biografie."

MS: Wie das?

Herwig: "Ich bin gelernter Maschinenschlosser. Über den zweiten Bildungsweg habe ich das Abitur erworben, dann Lehramt für den Gymnasialzweig studiert und mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen. Im Anschluss daran habe ich als Jugendbildungsreferent und in der Kreisverwaltung gearbeitet. Danach leitete ich zehn Jahre die VHS in Witzenhausen, bevor ich in Hessisch Lichtenau Bürgermeister wurde. Veränderungen gehören zu meinem Leben dazu und ich geheHerausforderungen gern an."

MS: Hat Sie das Amt persönlich verändert?Herwig: "Das können nur andere beurteilen. Aus meiner Sicht bin ich geblieben wie ich war. Schön war es immer, wenn mich Bürger bei Veranstaltungen ansprachen und sagten: "Sie sind ja einer von uns und gar nicht hochnäsig", demnach habe ich mich also nicht verändert und bin normal geblieben. Natürlich wirkt sich das Amt auf das Privatleben aus, allerdings eher terminlich, da es eine sehr hohe Präsenz in der Freizeit hat. Jetzt freue ich mich, zukünftig als ganz normaler Bürger an Veranstaltungen teil zu nehmen. Ich legte immer viel Wert darauf, Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen, das erdet. Denn wer nur für das Amt lebt, fällt meistens in ein tiefes Loch wenn er nicht wiedergewählt wird."

MS: Werden Sie zukünftig noch politisch aktiv sein?Herwig: "Das Bürgermeisteramt war in den vergangenen 16 Jahren ein großer Teil meines Lebens. Jetzt schließe ich damit ab und werde mich aus der Politik zurückziehen. Mit Interesse werde ich sie als Bürger weiter verfolgen. Nun möchte ich mein Leben genießen und viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen."

MS: Welche besonderen positive und negative Momente nehmen Sie aus dieser Zeit mit?Herwig: "Einer dieser positiven Momente war, als wir am 24.05.2001 den Hessentag bekommen haben. Meine erste Reaktion war: "Jetzt können wir endlich bauen!" Zu Beginn meiner Amtszeit war die Infrastruktur, vor allem die Straßen, in einem extrem schlechtem Zustand. Ich glaube nicht, dass es viele Orte im Kreis gab, wo alles noch schlechter war. Einige Politiker und Kollegen haben mich gewarnt, dass ich durch die Anliegergebühren bei den Straßenerneuerungen nicht gerade viele Freunde oder Wähler gewinnen würde. Einem Bürgermeister sollte das egal sein, denn er muss die Nachhaltigkeit der Stadt im Auge behalten und nicht um Wählerstimmen buhlen.In der Kernstadt, wo die Anwohner die meisten Anliegergebühren bezahlten, habe ich bei der 2. Wahl sogar mehr Stimmen bekommen als bei der 1. Wahl.Natürlich darf die A44 nicht fehlen. Ich bin mit vielen Bürgern nach Leipzig zu den Verhandlungen gefahren. Als nach mehreren Verhandlungen das Urteil verkündet wurde, rief mich der damalige Regierungspräsident an und teilte mir mit: "Herr Herwig, WIR HABEN GEWONNEN, die A44 kann weiter gebaut werden"! Das war ein besonderer Moment."

MS: Und was war negativ?Herwig: "Sehr hart waren für mich die vier Anzeigen, als die Staatsanwaltschaft gegen mich ermitteln musste, wo es aber am Ende nichts zu ermitteln gab. Als ich meiner Lebensgefährtin davon erzählte und dass eventuell eine Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft durchgeführt werden könnte, sagte sie nur drei Worte:"Staatsanwalt? Hausdurchsuchung? Saubermachen"!Nun, ein Bürgermeister muss das aushalten, darf kein "Weichei" sein und sollte seinen Humor nicht verlieren. Aber solche Situationen zeigten mir auch, wie viel Rückhalt ich durch meine Familie und meine Freunde hatte."

MS: Was hat sich in Hessisch Lichtenau verändert?Herwig: "Ganz klar, die Infrastruktur. Wenn ich heute durch die neuen Straßen gehe, fällt mir immer wieder auf, wie viel wir bewirkt haben. Hier gilt mein Dank den Bürgern, die das durch Anliegerbeiträge erst möglich gemacht haben. Auch unter dem Schutzschirm gab es Veränderungen, doch über Parteigrenzen hinweg wurde hier zusammen viel erreicht. Vor allem der Haushalt hat sich deutlich verbessert."

MS: Werden Sie etwas vermissen?Herwig: "Ich werde nichts vermissen, ich bin dankbar für das Vertrauen, dass man mir dreimal geschenkt hat. Wie gesagt, es beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt mit meiner Familie und ich bin froh, dass ich den nach meinen Erkrankungen gesund antreten kann. Vorgenommen habe ich mir aber: Viel Spazieren zu gehen, entweder hier in Heli oder an der Nordsee und mir viele Groß-Städte ansehen."

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