,Eingefrorene’ Wildnis - mitten in der Altstadt

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Umstrittenes Grundstück in der Witzenhäuser Stubenstraße war Thema der gestrigen Bürgerversammlung im Rathaussaal

Witzenhausen. Bauamtsleiter Bernd Westermann zeigte sich positiv überrascht über die Vielzahl der Besucher der Bürgerversammlung am gestrigen Donnerstagabend. Etwa 30 Bürger waren in den Rathaussaal gekommen, um sich über die Zukunft der ,ewigen' Baulücke in der Stubenstraße (wir berichteten) zu informieren.

Westermann stellte gemeinsam mit Stefan Schlüter vom Kasseler Architekturbüro ,StadtbauPlus’ die Idee der Stadt Witzenhausen vor: Die ,Brache’, wie Schlüter das unbebaute Grundstück Hausnummer 14 nannte, sei seit über 30 Jahren ungenutzt und inzwischen verwildert. Es biete sich aus verkehrsplanerischer Sicht an, hier eine Verbindung zu der benachbarten Parkfläche auf dem Universitätsgelände (DITSL – Deutsches Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft) zu schaffen. Außerdem seien zusätzliche Parkplätze geplant.

Veränderungssperre verhindert konkretes Handeln

Das ,brach’ liegende Grundstück an der Stubenstraße gehört Rainer Winkelhake und ist nur durch eine Mauer vom Unigelände getrennt. Die Stadt möchte den Baugrund durch ihr Vorkaufsrecht erwerben. Doch Winkelhake und seine Lebensgefährtin Petra Ernst haben andere Ideen. Sie möchten das etwa 1.000 Quadratmeter große Grundstück als ,grüne Lunge’ erhalten und planen dort eine Gartenanlage.Allerdings sind ihnen durch die von der Stadt Witzenhausen für ein Jahr verhängte Veränderungssperre, mittels dieser die aktuelle Situation ,eingefroren’ wird, die Hände gebunden.Befürworter von Winkelhakes Idee sowie Kritiker diskutierten über die verschiedenen Aspekte, wobei besonders die Befürchtung geäußert wurde, dass der DITSL-Parkplatz und die geplante Ausfahrt als Abkürzung in Richtung Werrabrücke missbraucht werden könnte. Anwesende Studenten wiesen darauf hin, dass sich die Lernenden durch den zu erwartenden Verkehr sowie den damit verbundenen Lärm gestört fühlen könnten: "Wie soll man da lernen?"Westermann griff die Bedenken auf und stellte Maßnahmen vor, die den Durchfluss des Verkehrs verhindern würden, beispielsweise durch eine Schranke.

Baustein des Verkehrskonzeptes Altstadt

Gegen das städtische Vorhaben spräche auch der zu beobachtende Rückgang der Frequentierung von gebührenpflichtigen Parkplätzen, argumentierten einige Teilnehmer. "Wir brauchen keine weiteren Parkplätze in der Altstadt", hieß es.Auf die Frage aus dem Publikum, warum der Grundstückseigentümer nicht machen könne was er wolle, antwortete Westermann: "Weil die Stadt etwas Anderes vorhat." Das Projekt sei ein Baustein des ,Verkehrskonzept Altstadt’, das 2009 erstellt worden sei. Winkelhake betreibe eine ,nicht lagengemäße Nutzung’. Die Stadt Witzenhausen habe die Planungshoheit und würde gern weiterhin mit Ernst und Winkelhake in Dialog treten, um umsetzbare Lösungen zu erarbeiten.

Eine Bürgerversammlung sei das geeignete Forum, um öffentliche und private Belange untereinander abzuwägen, so der Bauamtsleiter. Er freue sich über die rege Beteiligung und wünsche sich, dass dies bei ähnlichen Veranstaltungen öfter der Fall sein würde.

Veränderungssperre

Als plansichernde Instrumente werden im deutschen Bauplanungsrecht die Möglichkeiten der Gemeinde bezeichnet, den Status Quo in einem bestimmten Planungsbereich quasi einfriert bzw. von der zuständigen Baugenehmigungsbehörde einfrieren lässt. Dieses dient dient der Sicherung der Planungshoheit der Gemeinde.

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