Haftstrafe für Ex-Autoverkäufer aus Eschwege

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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Der Prozess gegen Ex- Geschäftsführer wird eingestellt, Ex-Verkäufer muss in Haft.

Eschwege. Nach einem Sitzungsmarathon von mehr als acht Stunden hat das Schöffengericht in Eschwege den ehemaligen Verkäufer eines Autohauses in Eschwege wegen Betruges, Unterschlagungen und Urkundenfälschung zu  einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt (wir berichteten). Das Verfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Autohauses, seinen Vorgesetzten, wurde gegen Auflagen eingestellt.

Mehr als 20 Zeugen

Das Gericht sah es nach drei Verhandlungstagen, an denen mehr als 20 Zeugen gehört wurden, als erwiesen an, dass der Angeklagte in sechs Fällen Bargeld, das er von Kunden erhalten hatte, nicht in die Kasse des  Autohauses eingezahlt hatte, sondern für eigene Zwecke verwendete. In der Anklageschrift war die Staatsanwaltschaft noch davon ausgegangen, dass er zusammen mit dem Ex-Geschäftsführer in 16 Fällen Gelder veruntreut hatte, dieser Vorwurf bestätigte sich nicht. „Bei der Anklageerhebung sprach einiges dafür, dass die fehlenden Gelder nur durch gemeinsames Handeln der beiden Angeklagten am Autohaus vorbei geleitet werden konnten. Dies wurde aber in der Beweisaufnahme widerlegt“, sagte der vorsitzende Richter Dr. Alexander Wachter in seiner Urteilsbegründung. Der Ex-Autoverkäufer hatte nach der Überzeugung des Gerichts in den zwei Jahren, in denen er im Autohaus arbeitete, in sechs Fällen Bargeld, das von Kunden als Anzahlung oder zu anderen Zwecken an ihn übergeben worden war, nicht ordnungsgemäß an das Autohaus weitergeleitet. Außerdem hat er, um eine dieser Handlungen zu verdecken, einen Kontoauszug gefälscht und eingesetzt.

Ex- Verkäufer einschlägig vorbestraft

Da er bereits 2013, 2015 und 2017 wegen ähnlicher Delikte zu Bewährungsstrafen verurteilt worden ist und die Taten, die in diesem Prozess behandelt wurden, in seine Bewährungszeit fallen, wurde gegen ihn eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Montan verhängt. Außerdem muss er den Schaden, der dem Autohaus entstanden ist, etwa 30.000 Euro, wiedergutmachen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert. Der Verteidiger des Ex-Verkäufers hatte auf Freispruch plädiert.

Der Ex-Geschäftsführer

Das Verfahren des 61-jährigen Ex-Geschäftsführers wurde nach §153a, Abs. 2 vorläufig eingestellt. Er war, nach Ansicht des Gerichts, an den Vermögensdelikten des Ex-Verkäufers nicht beteiligt. Ihm wurde nur zur Last gelegt, dass er, ohne das Eingeständnis der Gesellschafter des Autohauses einzuholen, Kapital aus dem Firmenvermögen dazu verwendet hat, um seinem in finanzielle Bedrängnis geratenen Verkäufer einen Kredit zu gewähren. Er wurde zur Schadenswiedergutmachung in Höhe von 30.000 Euro verpflichtet. Außerdem hat er die Auflage bekommen, 20.000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zu zahlen. Kommt er dem innerhalb eines halben Jahres nach, wird das Verfahren endgültig eingestellt. Die Einstellung des Verfahrens durch ist dann möglich, wenn die Auflagen dazu geeignet sind „das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen, und die Schwere der Schuld nicht entgegensteht“, so §153a Abs. 2 StPO. Diese Voraussetzungen sah das Gericht bei dem nicht vorbestraften und ehrenamtlich sehr engagierten Ex-Geschäftsführer als gegeben an.

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