Eschweger Ehepaar wird mit Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet

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Das Ehepaar Hildegard und Ingo Möller (Mitte) mit  Polizeipräsident Konrad Stelzenbach und Sandra Häusler aus Eschwege, die ebenfalls ausgezeichnet wurde.

Für ihre Mithilfe bei der Aufklärung eines Betruges hat ein Ehepaar aus Eschwege die Kasseler Polizeimedaille bekommen.

Eschwege. Mit der Kasseler Polizeimedaille wurde in der letzten Woche auch Hildegard und Ingo Möller aus Eschwege ausgezeichnet. Sie haben im letzten Jahr durch ihre Kooperation mit der Polizei maßgeblich zur Verhaftung eines Botens beigetragen, der zu einer Betrügerbande gehörte, die sich der Masche „falscher Polizist“ bediente (wir berichteten über die Verhandlung). Die Feierstunde genoss das Ehepaar, dort berichtete es über seinen ganz persönlichen Krimi und unterhielt mit seiner Geschichte das Publikum.

„Wir haben uns die ganze Zeit gut betreut gefühlt und wurden in keiner Weise genötigt mit zu machen. Auch im Nachhinein hat man sich hervorragend um uns gekümmert“, betonen die beiden pensionierten Pädagogen. „Wir haben etwas wirklich Spannendes erlebt und unser Geld war zu keiner Zeit in Gefahr“, fasst es Hildegard Möller zusammen.

Falscher Kommissar

Die Bande um den falschen Haupt-Oberkommissar hatte Glück, oder vielleicht doch nicht, denn als sie das Ehepaar Möller anriefen, hatte die beiden in den Tagen vorher zwei eigenartige Zufälle erlebt. Zwei unbekannte Personen hatten ihr Grundstück betreten und waren dann weggerannt und ein Bekannter des Ehepaares hatte ihnen von Unregelmäßigkeiten bei seiner Bank erzählt. Als dann eines Morgens der „Haupt-Oberkommissar Schulz“ von der Sonderkommission anrief und sie vor verbrecherischen Machenschaften bei ihrer Bank warnte, hörte Hildegard Möller dem vermeintlichen Polizisten zu und gab ihm auch Auskünfte, die sie ohne die Zwischenfälle vorher sicher nicht gemacht hätte, wie sie später bilanzierte. Nachdem der falsche Kommissar von Hildegard Möller erfahren hatte, dass sie Gelder bei der Sparkasse angelegt hatten, warnte er, ein Betrügerring sei in Eschwege und Umgebung aktiv und habe die Sparkasse infiltriert. Sie sollten ihr Geld so schnell wie möglich abheben, ihm übergeben und so sichern. Er würde sich am nächsten Tag wieder melden.

Schauspielerische Leistung

Nach kurzem Nachdenken und einer Portion Nachtschlaf war den Möllers klar, das war kein echter Anruf von der Polizei. Als dann am nächsten Morgen erneut der „Ober-Hauptkommissar“ am Telefon war, spielten sie mit, fuhren aber dann zur Eschweger Polizei und ihr Krimi begann. „Ab 7.30 Uhr trudelten einzeln oder zu zweit, mit Privatwagen und mit zwei Fahrrädern, fünf Polizisten bei uns ein, dabei auch zwei Polizisten vom mobilen Einsatzkommando, die zum Glück vorher in Kassel einen Einsatz hatten und nicht aus Frankfurt angefordert werden mussten. So richtig mit schusssicherer Weste und Pistole“, erzählt sie.

Belohnung versprochen

Telefonate wurden von der Polizei überwacht, Hildegard Möller zeigte Talent zu schauspielerischen Improvisationen und eine Geldübergabe am Gebäude der Sparkasse am nächsten Tag wurde verabredet. Inzwischen wurden den Möllers schon ein Empfang beim Bürgermeister und eine Belohnung von 20.000 Euro von „Haupt-Oberkommissar Schulz“ für ihre gute Mitarbeit versprochen. Die ganze Zeit über setzte das Ehepaar ihr Smartphone ein und schnitt die Gespräche mit den Betrügern mit. „Die Polizisten merkten, dass ich Vergnügen an der Sache hatte, und haben mich sogar gewarnt es nicht zu übertreiben“, berichtet sie. Die Übergabe misslang den Betrügern gründlich, weil die Polizei sie unter Zeitdruck setzte und auch hier bewies das Ehepaar Nervenstärke.

Demenz als Waffe

„Ich bin in der Lage zum bewussten Einsatz von Demenz“, sagt Hildegard Möller. Immer wenn die Betrüger sie durch Nachfragen unter Druck setzen oder kontrollieren wollten, wurde sie vergesslich oder hatte sogar einen Schwächeanfall. So konnte der Bote geschnappt und später verurteilt werden, an die Hintermänner ist die Polizei bisher nicht heran gekommen. Sollten die Betrüger öfter mit solch cleveren Senioren zu tun haben, werden sie wohl auf Dauer gezwungen sein ihr „Geschäftsmodell“ zu überdenken.

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