Vor 74 Jahren fielen Bomben auf Eschwege

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Im Hoyweg wurden mehrere Häuser bei dem Bombenangriff komplett zerstört.

Bei dem ersten schweren Luftangriff auf Eschwege am 19. April 1944 starben siebzehn Menschen.

Eschwege. Es waren nicht die ersten Bomber, die über Eschwege flogen, aber am 19. April 1944 um 10.35 Uhr war alles anders. Über Niederhone warfen die britischen und amerikanischen Flugzeuge ihre tödliche Fracht ab und töteten siebzehn Menschen. Mehrere Häuser im Hoyweg wurden zerstört oder beschädigt. Es war der schwerste Angriff, der die Kreisstadt bis dahin getroffen hatte. „Ich war in der Schule, als die Sirene ging. Wir haben dann alle unsere Beine in die Hand genommen und sind nach Hause gelaufen“, erinnert sich Margot Heukeroth, eine der letzten Zeitzeuginnen.

Zeitzeugin berichtet

Zuhause im Hoyweg hatten sich schon ihre Mutter und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Helmut in den Keller geflüchtet. Der Großvater war zufällig auch zuhause. Eigentlich war er dabei, auf dem Feld der Familie Kartoffeln zu stecken, es war ihm aber die Steckkartoffeln ausgegangen, deshalb kam er früher zurück. Ihr Großvater blieb am Kellerabgang stehen und sie erinnert sich noch, dass er sagte: „Lass die mal brummen“, ohne in den Keller zu kommen. So sah er die Bomber kommen.

Bomben fielen auf Wohngebiet

Es waren mehr als sonst, sie flogen wesentlich tiefer und als er sah, wie die ersten Bomben fielen, rief er nur „jetzt geht’s los“ und stürzte zu ihnen in den Keller. Das Haus wurde bei dem Angriff von einer Bombe getroffen und völlig zerstört. Selbst die Mittelwand, die Margaretes Elternhaus vom Nachbarhaus trennte, hatte sich über die Ruine geneigt und drohte auf die Trümmer zu stürzen. Als der Angriff vorbei war konnten sich Margot Heukeroth und ihr Großvater selber aus den Trümmern befreien. Das Mädchen wurde von ihrer Großtante weggebracht, denn Mutter und Bruder waren unter den Trümmern verschüttet.

Der Fliegerhorst war das Ziel des Angriffs

Erst Stunden später konnten die Beiden geborgen werden. Der kleine Junge hatte auf dem Schoß seiner Mutter gesessen, und nur Prellungen und leichte Verletzungen erlitten. Elise Braun konnte nur tot geborgen werden, sie wurde nur 35 Jahre alt. Sie ist eines der siebzehn Opfer des Angriffs vom 19. April. Die Bomben galten nicht dem Wohngebiet, eigentlich sollten sie den nahen Fliegerhorst  treffen (heute das Industriegebiet Thüringer Straße). Auch dort gab es Einschläge und Todesopfer. Für die kleine Margot änderte sich das Leben einschneidend. Ihr Vater war zu dieser Zeit im Kriegsdienst an der Ostfront und wurde per Telegramm vom Tod seiner Frau informiert. Er kam umgehend zurück, musste danach aber wieder an die Front.

"Wir haben nie viel darüber geredet"

Die beiden Kinder blieben bis zu seiner Rückkehr bei ihren Großeltern, die zu Verwandten in Niederhone zogen. Ihr Haus blieb eine Ruine und unbewohnbar. Verwandte bauten das Haus wieder auf und bewohnten es viele Jahre. Margot Heukeroths Vater heiratete zum zweiten Mal und baute in der Nähe des alten Hauses ein neues Haus für die Familie. „Wir haben nie viel darüber geredet. Man wurde ja auch nicht betreut wie heute“, erinnert sich die 84- jährige. Nach dem Angriff zogen sich die Bewohner von Niederhone bei Fliegeralarm nicht mehr in ihre eigenen Keller zurück, sondern benutzten den Bunker am Ortsrand.

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