Eschweger Messerstecher muss in Psychiatrie bleiben

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Geschlossene Einrichtung: Die psychiatrische Ambulanz in Haina (Waldeck-Frankenberg) bleibt bis auf Weiteres der Aufenthaltsort des Messerstechers.

Der psychisch kranke Angeklagte im Eschweger Messerstecher-Prozess muss nach der Urteilsverkündung bis auf Weiteres in der geschlossenen Einrichtung in Haina verbleiben.

Eschwege. Im Prozess gegen einen 57-jährigen Eschweger, der einen Geschäftsmann aus der Kreisstadt im vergangenen Jahr mit zwölf Messerstichen lebensgefährlich verletzt hatte, fiel am Mittwoch in Kassel das Urteil: Richter Volker Mütze verurteilte den Mann dazu, dass er wegen versuchten Totschlag und gefährlicher Körperverletzung weiter in der geschlossenen Psychiartie bleiben muss – je nach Verlauf und Entwicklung bis ans Ende seines Lebens. Mit Urteil und Begründung folgte der Richter sowohl den Anträgen von Staatsanwältin Julia Beinroth als auch dem psychiatrischen Gutachten des Göttiner Sachverständigen Dr. Georg Stolpmann, das verstörende Details zu Tage brachte.

Besagtes Gutachten hatte am vorletzten Verhandlungstag ergeben, dass der Mann unter einer wahnhaften psychischen Störung leidet, die sich in rasender Eifersucht äußert. Diese hatte laut Gutachten und Zeugenaussagen dazu geführt, dass der Betreiber einer Änderungsschneiderei sich ab Sommer 2016 in seiner Fantasiewelt einbildete, seine Ehefrau habe ein Verhältnis mit dem Opfer. Der Eschweger hatte als Inhaber eines Modegeschäftes über viele Jahre eine intakte Geschäftsbeziehung zum Verurteilten und traf dessen Ehefrau auch häufiger in der Schneiderei, um Änderungs-Termine für Stücke aus seinem Sortiment abzusprechen. Irgendwann im Laufe des Jahres 2016 – und bis heute aus Gründen, die nur in der Psychose des Angeklagten zu suchen seien – fing der gebürtige Aserbaidschaner dann an, seine ganz eigene Interpretation der Aufeinandertreffen seiner Ehefrau mit dem späteren Opfer aufzubauen.

Es folgten erste Anschuldigungen, verbale Beleidigungen und Bedrohungen, polizeiliche Ermittlungen und in deren Zuge ein Kontaktverbot für den Angeklagten. Dies hielt den Mann jedoch nicht davon ab, dem Geschäftsmann und auch dessen Ehefrau immer wieder aufzulauern und zu bedrohen, unter anderem mit einem Ziegelstein. Als sich die wahnhafte Eifersucht des 57-jährigen Mannes immer weitere steigerte, seine Ehefrau bereits ins Frauenhaus geflüchtet war, schaltete sich sogar die Tochter ein und warnte des Eschweger und seine Familie davor, dass etwas "schlimmes passieren" könne. Was kurze Zeit später auch geschah, als der Eschweger Geschäftsmann durch den Angeklagten angegriffen wurde.

Bei der brutalen Attacke rammte der Angeklagte mit seinem Auto das Fahrzeug des Eschwegers und blockierte den Fluchtweg. Dann griff er erst zu Hammer und Brecheisen, zerschlug Fahrer- und Frontscheibe des Autos, stach dann mit einem Messer auf den sich verzweifelt wehrenden Eschweger ein und verletzte ihn beinahe tödlich.

Wie Angehörige die psychische Störung des Mannes wahrnahmen, zeigt die Aussage seiner Tochter: „Mein Vater ist ein Monster! Wenn er wieder frei kommt, wird es Tote geben.“ In welch verdrehter "Täter-Opfer-Welt" der gebürtige Aserbaidschaner lebt, zeigen wiederum seine letzten Worte im Gerichtssaal , die er in Richtung des Opfers richtete. Der Geschäftsmann habe "meine Familie und mein Leben zerstört. Er ist mein Feind. Ich hasse ihn."  

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