Mann brachte Ex-Freundin zum Sprung aus dem Fenster: 24-Jähriger erhält Bewährungsstrafe

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Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung musste sich vergangene Woche ein 24-Jähriger aus Beverungen vor dem Amtsgericht verantworten.

Eschwege/Neu-Eichenberg. Zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und 300 Sozialstunden, wurde ein 24-Jähriger, der in Beverungen lebt und aus Eritrea stammt, verurteilt. Mit dem Urteil blieb die Kammer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die die Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten forderte, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass er seine ehemalige Freundin dermaßen bedrohte, dass sie vor Angst aus dem zweiten Stock ihres Wohnhauses in die Tiefe sprang und sich dabei schwer verletzte. Es verurteilte ihn wegen versuchter, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung. Die Entscheidung für eine Bewährungsstrafe ist den Richtern nicht leicht gefallen. Dr. Alexander Wachter formulierte in seiner Urteilsbegründung, dass die Aussetzung der Strafe auf Bewährung „noch vertretbar, aber nicht ganz ohne Bedenken“ erfolge. Bei der Urteilsfindung stützte sich das Gericht maßgeblich auf die Schilderungen des Opfers.

Im September des vergangenen Jahres hatte sich die Frau aus Eritrea, die in einer Unterkunft für Asylbewerberinnen mit Kindern in Neu Eichenberg lebt, von dem Vater ihrer drei Monate alten Tochter getrennt. Als das Kind am Morgen des 15. September besonders lange schrie und sich nicht beruhigen ließ, rief sie ihn an, um um Rat zu fragen. Am Nachmittag erhielt sie während des Spaziergangs mit einer Freundin von ihm einen Anruf, er sei an ihrer Wohnung in Neu Eichenberg und wolle sie sehen. Das überraschte die Frau sehr, da ihr Ex-Freund seine Besuche bisher immer angekündigt hatte. An der Unterkunft angekommen, ließ sie den Beschuldigten in die Wohnung und wurde sofort von ihm in den Flur gedrängt und mit Schlägen ins Gesicht in die Wohnung getrieben. 

Der Angeklagte schloss die Wohnungstür ab, griff ihr an den Hals und drückte sie an die Flurwand, obwohl sie das gemeinsame Kind auf dem Rücken trug. Er forderte sie auf, das Kind abzulegen. Er machte auf die Frau einen ungewohnt aggressiven und angetrunkenen Eindruck, und Sätze wie: „Du hast mein Leben ruiniert und jetzt ruiniere ich deines und heute lasse ich dich nicht gehen“, versetzten sie in Todesangst. Die Frau fürchtete um ihr Leben, als der Beschuldigte in der Küche ein Obstmesser aus einer Schublade nahm. Der Weg aus der Wohnung war ihr versperrt, da die Küche näher an der Wohnungstür liegt. Den Sprung aus dem Fenster sah sie als einzige Chance, um die Situation zu überleben und weiterhin als Mutter für ihre beiden Kinder da sein zu können, sagte sie unter Tränen aus. Sie kalkulierte dabei erhebliche Verletzungen ein, dies erschien ihr als das kleinere Übel. Bei dem Sturz zog sie sich offenen Brüche zu, die bis heute noch nicht komplett ausgeheilt sind und die mehrere Operationen und eine Reha nach sich zogen.

Das Gericht hielt dem Angeklagte zu gute, dass er bisher noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist und als lernwillig und bisher vorbildlich beschrieben wurde. Während der Verhandlung wirkte er „ehrlich emotional betroffen“, wie es Dr. Wachter in seiner Urteilsbegründung formulierte, und entschuldigte sich bei seiner Ex-Freundin.

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