Familie Almaghout feiert syrische Weihnacht mit Tanz und Taboulé

Die elfjährige Heidi Almaghout feiert in diesem jahr ihr zweites Weihnachten in Deutschland. Foto: Renneberg

Viele deutsche und syrische Weihnachtsbräuche ähneln sich. Der größte Unterschied: Öffentliche Weihnachtsstimmung gibts in dem muslimischen Land kaum.

Werra-Meißner. Die gesamte Familie an einem Tisch, ganz viel Essen und laute Musik – so sieht eine Weihnachtsfeier in Syrien aus, berichtet Sandy Almaghout. Und ganz wichtig: Es muss getanzt werden – "in Syrien ist eine Feier nicht vorbei, bevor ausgiebig getanzt wurde", sagt sie lachend.

Die 21-Jährige feiert Weihnachten mit ihren Schwestern Heidi und Saly sowie ihren Eltern und Großeltern in diesem Jahr zum zweiten Mal in Deutschland. An das erste Weihnachten in der Fremde haben die Mädchen nicht nur gute Erinnerungen. "Es war traurig", sagt die 24-Jährige Sandy. Da waren die fremde Umgebung und die neue Sprache, und die Familie musste auf ihre Mutter verzichten. Sie ist erst dieses Jahr aus Syrien nachgekommen. Vater, Kinder und Großeltern leben bereits seit 14 Monaten in Deutschland – über Düsseldorf, Neustadt und Netra sind sie vor zehn Monaten nach Albungen gekommen.

In Deutschland herrscht mehr Weihnachtsstimmung

In Deutschland fallen den Mädchen vor allem die weihnachtlich geschmückten Straßen und Gebäude, die vielen prächtigen Weihnachtsbäume und die Weihnachtsmärkte ins Auge. In Syrien gibt es all das nicht. "Dort ist Weihnachten ein sehr privates Fest", berichtet Saly. In dem muslimisch geprägten Land sind nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung Christen.

Auch die Muslime wüssten allerdings, dass Weihnachten ein besonderer Tag sei, sagt Saly. Manche würden sogar mit ihren christlichen Nachbarn oder Freunden feiern – das sei aber die Ausnahme.

Auch der für viele Deutsche obligatorische Kirchgang zu Heiligabend sei in Syrien nicht weit verbreitet: "Oft ist die nächste Kirche zwei Stunden entfernt", erklärt Saly. Überhaupt habe der Heiligabend in Syrien keine so große Bedeutung. "Die Feiern beginnen erst gegen 23 Uhr", sagt die 24-Jährige. Die große Feier im Familienkreis steige am ersten Weihnachtstag. Dann biegen sich die Tische voller Taboulé, gefüllter Weinblätter, Lammfleisch und Süßigkeiten. Im vergangenen Jahr musste die Familie auf die heimischen Spezialitäten verzichten – mittlerweile haben sie aber einen Händler aufgetan, der arabische Produkte im Angebot hat.

Heidi hofft auf weiße Weihnachten

Auch in Syrien dürfen Geschenke nicht fehlen. Dieses Jahr hat die Familie ausgelost, wer wen beschenkt. Das Ergebnis ist ein Geheimnis – aber die elfjährige Heidi hat es gelüftet. Sie wünscht sich Spielzeug oder ein Haustier.

Ihre erste Erinnerung an Weihnachten ist, wie der Weihnachtsmann in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtstag ein Geschenk unter das Kissen der vermeintlich schlafenden Dreijährigen geschoben hat.

Und da gibt es noch etwas, auf das sich Heidi besonders freut: Schnee. "Der ist einfach wunderbar", sagt sie. "In Syrien haben wir uns mit den Nachbarskindern gestritten, wer mit dem wenigen Schnee einen Schneemann bauen darf", erzählt Heidi. Nun hofft sie auf weiße Weihnachten in Albungen, damit sie viele Schneemänner bauen kann.

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