Flüchtlinge auf Witzenhäuser Erntefest attackiert

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Auf dem Witzenhäuser Erntefest wurden 20 Flüchtlinge und ihr Sozialbetreuer mutmaßlich mit ausländerfeindlichen Sprüchen und Schlägen attackiert

Witzenhausen. Die Party im Anschluss der ,Witzenhäuser Nacht’ endete dramatisch. Gegen drei Uhr nachts wurde die Polizei gerufen. Flüchtlinge der Gemeinschaftsunterkunft Witzenhausen, die an einem Tisch im Festzelt saßen, sollen nach Aussagen von Besuchern (Namen sind der Red. bekannt) mit ,ausländerfeindlichen Sprüchen’ bedroht und tätlich angegriffen worden sein. "Die eingesetzten Beamten trennten die Parteien und sprachen gegen verschiedene Gruppen Platzverweise aus. Insgesamt nahmen sie drei Anzeigen auf’, heißt es in der Polizeimeldung. Weiterhin werde geprüft, ob es einen fremdenfeindlichen Hintergrund gäbe, so Polizeisprecher Jörg Künstler.

Betreuer als Verräter seines Volkes beschimpft

"Das war eindeutig eine ausländerfeindliche Attacke!" äußert sich Torben Linde, Sozialbetreuer in der Gesamtunterkunft Witzenhausen, gegenüber unserer Zeitung. Er schildert den Vorfall so: "Etwa 20 meiner Flüchtlinge und ich waren am Samstag im Rahmen des hiesigen Erntedankfestes im Festzelt. Gegen 2.30 Uhr sind drei Personen an unseren Tisch getreten und haben mit Ausrufen ,White Power!’ versucht, unsere Gruppe zu provozieren." Linde und die anwesenden Asylbewerber hätten sich jedoch nicht provozieren lassen und seien aufgestanden, um das Zelt zu verlassen, so Linde weiter. "Aber die Männer folgten uns. Ich selbst wurde als ,Verräter meines Volkes’ beschimpft. Wir haben weiter versucht, das Gelände zu verlassen, wurden aber geschubst und aggressiv angegangen."

Er selbst, Torben Linde, habe versucht, im Zelt Hilfe zu finden – vergeblich. "Die Männer folgten mir. Einer schlug mir ins Gesicht, während einer meiner Flüchtlinge – wie dieser mir später berichtete – vermutlich zeitgleich vor dem Zelt ebenfalls attackiert und in die Rippen geschlagen wurde. Ein blauer Fleck war später erkennbar."Während des Interviews sieht man, dass Torben Lindes linkes Gesichtshälfte leicht angeschwollen ist.

"Die Polizei ist dann zum Glück vor Ort eingetroffen und konnte die Täter erkennungsdienstlich erfassen", berichtet der Betreuer weiter. "Wir haben nach den Zeugenaussagen gemeinschaftlich das Fest verlassen und sind in die Gemeinschaftsunterkunft gegangen. Weder die Flüchtlinge noch ich haben uns zur Wehr gesetzt. Es gab keine Gewalt von unserer Seite."

"Zivilcourage ist mehr gefragt denn je"

"Wir sind sehr erschrocken über das, was Samstagnacht im Festzelt vorgefallen ist", äußert sich Erntefestpräsident Axel Behnke. "Mir fällt es schwer, Worte für diese Gewalttaten zu finden. Es wäre sehr schade, wenn dieser Vorfall ein schlechtes Licht auf Witzenhausen werfen würde – wie es aktuell in anderen Orten der Fall ist."

Manfred Liebl, Sprecher des AK (Arbeitskreis) Asyl fand drastischere Worte für den Vorfall: " Im Festzelt befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch etwa 100 Personen sowie Security-Leute." Er fordert: "Zivilcourage und sich Einmischen gegen rechte Hetze ist angesichts steigender Flüchtlingszahlen gefragter denn je!" So weit er Kenntnis habe, würden die mutmaßlichen Täter nicht aus Witzenhausen stammen.

Auch Jörg Klinge, Öffentlichkeitsreferent des Werra-Meißner-Kreises betont, dass von dem eingeschlagenen Weg des Kreises und der Kommunen bezüglich der Flüchtlingspolitik und der Willkommenskultur "keinen Deut zurück gewichen werde".Polizeisprecher Jörg Künstler weist darauf hin, dass der Vorfall keine ,Schlägerei’ gewesen sei, sondern ein ,tätlicher Angriff’, der geahndet würde.

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