Demografischer Wandel: Grabpflege und Liegezeiten auf den Friedhöfen leiden unter Abwanderung der Angehörigen

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Volker Dörrig (li., Stadtverwaltung) und Jürgen Schwarz (Friedhofsgärtner) arbeiten Hand in Hand auf dem Friedhof am Frauenmarkt in Witzenhausen.

Immer mehr geht die Tendenz zu pflegeleichteren und kostengünstigeren Urnengräbern

Witzenhausen. „Auf den Dörfern gibt es immer weniger junge Leute, die sich im Alter oder im Sterbefall um die Angehörigen kümmern können“, sagt Gertenbachs Pfarrerin Heike Horstmeyer-Fehling. Das hat zur Folge, dass die Grabpflege kaum noch gewährleistet werden kann. „Wenn man bedenkt, dass die Mindestruhezeit auf einem Friedhof bis zu 30 Jahre betragen kann, ist es doch eine sehr lange und umständliche Prozedur für abgewanderte Angehörige, sich diese lange Zeit von außerhalb darum zu sorgen“, merkt sie an. Floristen oder auch einige Friedhofsverwaltungen bieten zwar den Dienst der Pflege eines Grabes an. Das ist aber ein kostenintensiver Posten. Deshalb entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, Gräber vor Ablauf der Ruhefrist einzuebnen.

Die Ruhefristen auf den Friedhöfen rund um Witzenhausen sind unterschiedlich. Diese sind abhängig von der Friedhofsverwaltung. Je nachdem, ob der Friedhof städtisch oder kirchlich verwaltet wird, und ob es sich um ein Erd- oder Urnengrab handelt. „In der Regel muss die Nutzungsdauer die Ruhefrist überdauern oder zumindest einschließen. Auf dem paritätisch verwalteten Friedhof in Gertenbach und Ziegenhagen zum Beispiel beträgt die Ruhefrist für Erdgräber an einigen Stellen 30 bis 40 Jahre, da die Bodenbeschaffenheit eine kürzere Zeit nicht zulässt“, so Pfarrerin Heike Horstmeyer-Fehling. Lehmhaltige Böden zum Beispiel verlangsamen den Verwesungsprozess.

Auch auf den vier städtischen Friedhöfen, zu denen der Friedhof am Frauenmarkt, Witzenhausen/Bischhausen, in Werleshausen und Neuseesen zählen, ist die Bodenbeschaffenheit ein Thema. Allerdings habe hier die Stadt die für Erdgräber ungeeignete Flächen kürzlich zu Urnenflächen geändert. Volker Dörrig von der Hauptverwaltung der Stadt Witzenhausen berichtet als Zuständiger für die städtischen Friedhöfe ebenfalls, dass viele Gräber frühzeitig eingeebnet werden sollen, unter anderem damit die Grabpflege nicht weiter leidet. „Das Problem haben wir jetzt oft. Die Leute denken nicht drüber nach, wenn ein Todesfall in der Familie eintritt, dass die Pflege eines großen zeitlichen Aufwands bedarf“, so Dörrig. Eine Mindestliegedauer gäbe es daher nicht. Die Ruhefrist von 30 Jahren sei dennoch gesetzt, ergänzt der Stadtverwalter. Die Wahl falle aufgrund des Preises, der geringeren Pflege und der kürzeren Ruhefrist von nur 20 Jahren daher mittlerweile eher auf das Urnengrab. Hier ist ein Anstieg auf mittlerweile 75 Prozent zu verzeichnen.

Es bestehe sowohl auf städtischen als auch auf kirchlichen Friedhöfen die Möglichkeit Gräber früher einebnen zu lassen, als die Ruhefrist es festsetzt, allerdings würden kirchliche Friedhofsordnungen dies mit Extra-Kosten regeln.

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