Der Gardeniser: Witzenhausen und Europa entwickeln ein neues Berufsbild

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Dr. Thomas Van Elsen, Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Soziale Landwirtschaft und einer der Hauptintiatoren des neuen Berufsbildes.

Das neue Berufsbild, das unter anderem an der Uni Witzenhausen entwickelt wird, soll dem urbanen Gärtnern Struktur und Professionalität geben.

Von IMMANUEL DOBROWOLSKI

Witzenhausen - Gärten gehören im Werra-Meißner-Kreis dazu. Wer nicht selbst einen Garten besitzt, wird sicherlich jemanden kennen, ob nun Familie oder Freunde, der sich dem Gärtnern hingibt. Urbanes Gärtnern indes, dürfte nicht vielen Einwohnern in unserem Kreis ein Begriff sein, wie auch, ist unsere größte Stadt mit knapp 19.000 Einwohnern Eschwege. Das wirklich urbane, das städtische, haben wir hier nicht, sagt Dr. Thomas van Elsen, Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Witzenhausen.

„Urbanes Gärtnern ist nicht auf Großstädte beschränkt“, sagt Dr. van Elsen. „Aber eben auf Städte, daher auch das Urbane.“ Und urbanes Gärtnern beschränkt sich wiederum nicht nur auf den Anbau von Pflanzen, sondern „hat die Aufgabe, ökologisch sowie politisch Interessierte Bewohner eines Stadtteils und Menschen zusammen zu bringen, die sozial nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen“, sagt Dr. Van Elsen. Urban Gardening-Projekte gibt es schon länger. Dass, was Dr. van Elsen, sein Team und vier andere Teams aus Europa neu machen, ist dem Urban Gardening eine Struktur und Professionalität zu geben. „Das Berufswort Gardeniser setzt sich aus Gardener und Organiser zusammen“, erklärt Dr. van Elsen. „Bei städtischen Gemeinschaftsgärten leisten oft Freiwillige die Arbeit und erkennen dann, dass es doch eine Riesenaufgabe sein kann, verschiedene Bevölkerungsgruppen in einem Garten zusammen zu bringen.“

Denn der Gardeniser kümmert sich nicht nur um die Gärten, vielmehr ist es – wie auch einer der Träger des Projekts, die Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft verrät – eine soziale Aufgabe. „In den Stadtgärten arbeiten alle zusammen“, sagt der studierte Biologe van Elsen. „Neben ganz normalen Menschen, die Spaß am gemeinschaftlichen Gärtnern haben, ziehen solche Projekte auch sozial Benachteiligte, mit dem Gesetz in Konflikt gekommene Jugendliche, Menschen mit Suchtproblematik oder Migranten an; der urbane Garten ist ein Platz für alle.“

Und das mit gutem Erfolg, wie der Doktor erklärt. „Seien es Drogenabhängige, die wieder ein Gemeinwohl erkennen oder Flüchtlingsfamilien, die aus den Unterkünften heraus einen Tag im Freien und mit der Familie erleben.“ Um eben diese Vorteile für mehr Menschen zugänglich zu machen, entwickeln Dr. van Elsen in seiner Position als Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft und seine deutschen Kollegen mit Partnern aus vier anderen europäischen Ländern – England, Griechenland, Italien und Frankreich – das neue Berufsbild des Gardenisers.

EXTRA INFO: Tagung am Donnerstag an der Uni

„Soziale Landwirtschschaft in der Stadt? Die Professionalisierung von Urban-Gardening durch den Beruf des Gardenisers“, ist eine Tagung am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaft der Uni Kassel in Witzenhausen am 30. Januar. Der Veranstaltungsort ist der „Zeichensaal“ der Universität. Dort, wo die Mensa ist.

Um 13 Uhr werden Dr. Thomas van Elsen und sein Mitarbeiter Gregor Menzel einen Einblick in den Beruf des Gardenisers geben. Um 14 Uhr folgt eine Podiumsdiskussion mit Experten aus der deutschen Urban-Gardening-Szene, unter ihnen Dr. Christa Müller, Dr. Falko Feldmann, Ines Reinisch aus Witzenhausen und Sebastian Pomm (AnnaLinde Leipzig). Jeder, der sich für urbane und soziale Landwirtschaft interessiert, ist herzlich eingeladen. „Mit den Gästen, die wir gewinnen konnten, wird es eine sehr interessante Veranstaltung werden“, sagt Dr. van Elsen. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Für Studierende ist die Veranstaltung kostenfrei.

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