Gedenktafel für Ludwig Stein: Geflüchteter Eschweger restaurierte die Brooklyn Bridge

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Eine neue Gedenktafel erinnert nun an Ludwig „Larry“ Stein: (v.li.) Berthold Diegel, York-Egbert König, Alexander Heppe, Dr. Annika Spilker und Judith Rode.

Was verbindet die Dietemann-Stadt mit New York? Die Antwort: Der Mann, der die Brooklyn Bridge in den 1980er Jahren restaurierte: Ludwig „Larry” Stein aus Eschwege. Als Jude musste er wegen Schikane aus Eschwege fliehen, nun erinnert eine Gedenktafel in Eschwege an seinen Lebensweg.

Eschwege - Auf den ersten Blick haben New York und Eschwege nicht wirklich viel gemeinsam. Doch eine Sache gibt es, die im wahrsten Sinne des Wortes eine Verbindung schafft: Die Brooklyn Bridge. Der Planer der im Jahre 1883 fertig gestellten Brücke, Johann August Röbling, kam gebürtig aus Mühlhausen, der Partnerstadt von Eschwege. Von 1983 bis 1989 wurde die Brooklyn Bridge restauriert - von Ludwig „Larry“ Stein, einem Ingenieur aus den USA.

Geboren wurde Stein jedoch in Eschwege, am 29. Juni 1924. Hier besuchter er die Eschweger Knappenbürgerschule, musste diese jedoch wegen Schikane verlassen. Von April 1937 bis Dezember 1938 besuchte er eine Privatschule in Coburg, musste aber mit seinen Eltern noch vor seinem Abitur 1939 nach Antwerpen, dann über England in die USA flüchten. Dort besuchte er die Stuyvesant Highschool, machte seinen Abschluss und ging im Februar 1942 in die Armee. Nach dem Krieg absolvierte er ein Ingenieurstudium und arbeitete als erfolgreicher Ingenieur, unter anderem 14 Jahre an der Brooklyn Bridge und auch an der Freiheitsstatue.

Seine Heimatstadt Eschwege besuchte Ludwig „Larry“ Stein zum letzten Mal im Jahr 2006. Nun erinnert eine Gedenktafel in der Friedrich-Wilhelm-Straße 6 an den Eschweger Ingenieur aus den USA. Seine Inschrift an der Brooklyn Bridge gesehen und die Idee zur Gedenktafel hatte Berthold Diegel, ehemaliger Lehrer an der Anne-Frank-Schule. Gemeinsam mit der Stadt und dem Stadtarchiv brachte er die Tafel ins Rollen. „Nach Margarete Kahn und Paul Westheim ist dies nun die dritte Personentafel hier in Eschwege“, sagte Dr. Annika Spilker vom Stadtarchiv. „Er war ein Eschweger Sohn, der einen sehr interessanten Lebensweg eingeschlagen hat“, so Spilker weiter.

Gemeinsam mit York-Egbert König, Judith Rode (Fachbereich Sport und Kultur) und Bürgermeister Alexander Heppe konnte sie das Schild an der Hauswand einweihen. Bis in die 50er Jahre war das Haus im Familienbesitz der Steins. Max Stein, Vater von Ludwig Stein, betrieb dort einen Handel mit Planen und Zelten. „Eine alte Plane haben wir gefunden. Der Betrieb hat unter anderem das Johannisfest beliefert“, informierte König. Ludwig „Larry“ Stein verstarb am 31. Juli 2009 in Chappaqua/New York.

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