Malerwinkel: Gefährliche Bröckelei statt schöner Fachwerk-Schnörkelei

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Verfällt immer mehr: Der Malerwinkel-Durchgang im Herzen der Innenstadt von Hessisch Lichtenau.

Am 25. August soll das vierte Gassenfest im Malerwinkel zahlreiche Besucher zwischen die Fachwerkhäuser locken. Damit sich der Durchgang von seiner schönsten Seite präsentiert, wird derzeit fleißig gewerkelt.

Hessisch Lichtenau. Wo Mülltonnen stehen entsteht bald eine Cocktailbar, Musik erfüllt liebevoll gestaltete Fachwerkhäuser - das vierte Gassenfest im Malerwinkel in Hessisch Lichtenau soll am 25. August ab 17 Uhr wieder viele Besucher in den Durchgang führen.

Das außergewöhnliche Fachwerk-Gässchen in der historischen Altstadt ist aber nicht nur ein Blickfang mit besonderen Malereien und kunstvollen Schnitzereien, bei genauerem Hinsehen werden Baufälligkeit und Verfall deutlich. „Leute, die den Durchgang nutzen, kommen in mein Geschäft und beschweren sich wie es hier aussieht und dass ich nicht kehre. Kinder spielen in der Gasse, klettern auf maroden Türen eines Kellereingangs. Ich habe immer wieder Angst, dass das alte Holz zusammenbricht und die Kinder stürzen“, erzählt Heike Wilke.

Kürzlich hat die Besitzerin des direkt angrenzenden Bioladens erst mit zwei Bekannten initiativ einen einsturzgefährdeten Schaukasten im Malerwinkel abgerissen. „Der Kasten war derart einsturzgefährdet, dass man einfach etwas tun musste. Es ist allerdings schwierig hier größeres zu erreichen weil der Winkel in privatem Besitz ist“, erklärt Wilke. Früher hat der ehemalige Besitzer und Maler Conrad Schwalm für die Instandhaltung der Gasse gesorgt. „Er hat alles schön gestaltet aber seit er vor vielen Jahren verstorben ist, wurde das nicht mehr weitergeführt und seitdem verfällt hier alles“, so Wilke weiter.

Aufgestellte Blumen und Besen entwendet

Die 58-Jährige hat in der Vergangenheit oft versucht die Gasse durch Blumen zu schmücken und stellte sogar mehrfach Besen auf, damit sich jeder daran beteiligen könnte den Winkel sauber zu halten. Erreicht hat sie hingegen das komplette Gegenteil: Die Besen wurden drei Mal geklaut und so erging es auch den Pflanzen. „Ich wollte einfach nicht mehr diese Unordnung und den ganzen Müll vor meiner Tür haben, irgendwer muss hier doch mal etwas unternehmen“, so Wilke. Aus diesem Grund hat sie vor einigen Jahren sogar die Räumlichkeiten, die eine Verlängerung des Bioladens bilden, angemietet und hat alles selbst ausgeräumt und hergerichtet.

 „In dem Raum finden oft Veranstaltungen wie 70er- und 80er-Jahre Partys oder Lesungen statt. Ein venezolanischer Abend hat so viele Leute begeistert, dass kaum noch Platz war. Wir haben hier etwas ganz uriges geschaffen“, erklärt Wilke stolz. Von den Erlösen dieser Abende oder des bevorstehenden Gassenfestes, finanziert Heike Wilke wiederum die Entsorgung des baufälligen Schutts, der beim Abriss des Schaukastens angefallen ist. Doch einige schätzen das kunstvoll gestaltete Fachwerk und nicht nur die Veranstaltungen scheinen die Bürger zu begeistern: „Es ist schön so etwas hier zu haben, man hat ja so wenig in Hessisch Lichtenau“, sagt dazu Barbara Brückmann, die gern in Wilkes Bioladen, der Kornblume, einkaufen geht. „Am 16. August soll der Malerwinkel jedoch versteigert werden. Es ist mittlerweile der dritte oder vierte Versuch, ich weiß es nicht mehr genau. Es hat sich bisher niemand gefunden, der in derart marode Fachwerk-Objekte investieren will“, sagt Wilke.

„Das Gassenfest ist nicht nur ein guter Anlass, um mal wieder alle Ecken sauber zu machen. Ich möchte den Leuten einfach zeigen, wie schön es hier ist. Es wird seit Jahren geredet, dass die Innenstadt belebt werden soll, das ist der Beitrag von mir und meiner Familie dazu“, so Wilke. Letzten Endes wünscht sich die Nachbarin aus der Kornblume, dass man miteinander kreativ werden kann und sich gemeinsam für einen schönen Malerwinkel einsetzt.

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