Glyphosat als Auslöser von Krebs

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Vortrag über Pflanzenschutzmittel in Witzenhausen-Gertenbach informierte über Glyphosat als Auslöser von Krebs

Witzenhausen. Die Initiative ,Kulturlandschaft erhalten’ hatte im Rahmen der bundesweiten Kampagne ,Urinale’ zu einer Info-Veranstaltung über das Unkraut-Vernichtungsmittel Glyphosat eingeladen. Hintergrund ist die Entscheidung über eine Neuzulassung des umstrittenen Breitbandherbizides in der EU-Landwirtschaft. Am vergangenen Samstag diskutierten etwa 35 interessierte Bürger im Gemeindehaus in Gertenbach über Für und Wider von Pestiziden.

Dem ausführlichen Referat über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln folgte ein Vortrag eines ortsansässigen konventionellen Landwirtes. Er erklärte die verschiedenen Varianten der Bodenbearbeitung.Seit Mitte der 1970er Jahre verwenden konventionelle Landwirte ein Herbizid mit dem Wirkstoff Glyphosat, um Unkraut – damals vor allem Quecken – in den Griff zu bekommen. Die Anwendung von Glyphosat geschehe unter ,guter fachlicher Praxis’.Allerdings gebe es eine rechtliche Grauzone insofern, dass man die Präparate im Internet kaufen kann unter der Vorgabe, man sei ,sachkundig’. Glyphosat sei von der WHO als ,möglicherweise karzinogen’ eingestuft worden – etwa auf einer Stufe mit Kaffee oder Amalgam.Dies wurde im Anschluss sehr kontrovers diskutiert: So könne sich schließlich jeder aussuchen, ob er Kaffee trinken oder Zigaretten rauchen wolle. Doch wenn Gifte im Wasser infiltriert seien, habe der Verbraucher keine Wahl mehr. Hier gelte das Verursacherprinzip. Das sei ein entscheidender Unterschied, hieß es kritisch.

Zur industriellen Landwirtschaft im Allgemeinen kamen weitere Fragen auf: Wo bleiben die überdimensionierten Nährstoffmengen, die über Soja nach Europa importiert werden?Zur Lebensmittelverschwendung: Brauchen wir überhaupt die Massen an Lebensmitteln, die unter dem massiven Einsatz von Chemikalien und Mineraldüngung hergestellt werden? Und was den Öko-Landbau angehe, so gebe es auch hier verschiedene Anbausysteme, die unterschiedliche Erträge erbringen.Die Diskussion wurde im Anschluss daran in persönlichen Gesprächen fortgesetzt, während sich die Teilnehmer an Bio-Eintopf und Salaten der ,Volksküche’ gütlich taten und Apfelsaft aus selbst gesammelten Äpfeln von Transition Town Witzenhausen tranken.

Ins Röhrchen pinkeln

Einige Teilnehmer machten auch von der Möglichkeit Gebrauch, den eigenen Urin auf Glyphosat im Labor testen zu lassen. Hierzu konnte man ein Plastik-Röhrchen mit nach Hause nehmen und es in einem eigens vorbereiteten Briefumschlag befüllt ans zuständige Labor senden.

Zum Ausklang sah ein interessierte kleine Runde die Doku ,Tote Tiere – kranke Menschen’, die Glyphosat in Futtermitteln als Ursache für Rinderbotulismus sowie für häufig auftretende Missbildungen bei Ferkeln anprangert. Ein sichtbares Gesundheitsproblem gibt es inzwischen in Argentinien: Hier führen Ärzte die zunehmenden Missbildungen bei Kindern, die in der Nähe von Sojafeldern leben, auf den flächendeckenden Einsatz von Glyphosat durch Flugzeuge zurück.Der Abend sollte dazu anregen, sich kritisch mit dem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft auseinanderzusetzen. Weitere Veranstaltungen zum Thema sind angedacht.

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