Handwerker lockten auf die Burg Ludwigstein

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600 Jahre Burg Ludwigstein: Offizieller Festakt und Markt zogen die Besucher an.

Witzenhausen. Viel zu sehen, zu hören, zu kosten und natürlich auch zu erwerben gab es am vergangenen Sonntag während des zweiten Handwerkermarktes auf der Jugendburg Ludwigstein. Funkenflug und Sägespäne lockten Gäste von nah und fern zum Marktplatz rund um den Enno-Narten-Bau. Hier gab es neben einem Schmied und Buchbinder auch einen Drechsler zu sehen. Freunde des filigraneren Handwerks konnten sich zeigen lassen, wie geklöppelt wird und wie Flöten aus Holz entstehen. Zudem warteten Stoffarbeiten, sowohl aus  Seide oder als Up-Cycling alter Kleidung, Goldschmiede und Messerarbeiten auf die Besucher. Für die Kinder wurde Schminken sowie Glitzertattoos angeboten und am Stand der Jugendbildungsstätte konnten sie sich an mittelalterlichem Handwerk versuchen.Zudem gab es für die jungen Besucher einen großen Koffer-Flohmarkt. Sie durften alles, was in einen Koffer passt, mitbringen und während des Marktes tauschen oder verkaufen.Für die musikalische Umrahmung sorgten "Viaveritsa" mit GypsyJazz und BalkanBlues sowie "Oleg & the Popovs" mit fetziger Straßenmusik von Folk, Polka, Pop bis hin zum Walzer.

Das ganze Jahr wurde zur Feier der Burg

Eingebettet war der diesjährige Handwerkermarkt in eine besondere Feierlichkeit: Die Burg Ludwigstein wird dieses Jahr stolze 600 Jahre alt. " Da wir uns nicht einigen konnten, wie wir so ein Jubiläum gebührend feiern können, kamen wir schließlich überein, dass wir das ganze Jahr zu einer Feier machen würden", erzählte Juliane Palm, die mit ihrem Kollegen Alexander Liebig, beide Vorstandsmitglieder der Stiftung Jugendburg Ludwigstwein und Archiv der deutschen Jugendbewegung, durch das Programm des Jubilläumsfestaktes führte.  So gab es nach einer internen Mitarbeiterfeier zu Jahresbeginn im Sommer das Fest der Bünde, den "Dreieckenkreis" und nun schließlich den offiziellen Festakt selbst. Zu ihm gratulierten der  hessische Staatssekretär für Soziales und Integration, Dr. Wolfgang Dippel, Landrat Stefan Reuß, der Leiter des Hessischen Landesarchivs, Dr. Andreas Hedwig und die Vorsitzende der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein, Tatjana Wander.Sie alle bezogen sich auf die bewegte Geschichte der Burg, die zunächst 400 Jahre als Symbol von Macht und Herrschaft, aber auch Willkür und Unterdrückung im Werratal galt, bevor sie für über 100 Jahre in einer Art Dornröschenschlaf verfiel. Um die vorletzte Jahrhundertwende schließlich wurden immer mehr junge Leute auf der Suche nach Erholung, Naturverbundenheit und Gemeinschaft auf sie aufmerksam, bis sie schließlich von den Wandervögeln übernommen und schrittweise renoviert wurde. In den letzten Jahrzehnten war die Burg zu einem wichtigen Symbol für die Trennung von Ost und West geworden, sowie auch für die Einheit selbst.Die Arbeit des Archivs der deutschen Jugendbewegung für die Aufarbeitung der Vergangenheit, der einen Blick nach vorne öffnet, wurde ebenso als lobenswert herausgestellt, wie die Arbeit die Jugendbildungsstätte, die mir ihren Seminaren und als offener Begegnungsort für die Bünde dazu beiträgt, "weiterhin für die Demokratie zu streiten", so Dr. Dippel.Landrat Reuß bezog sich in seiner Rede  positiv auf den Wirtschaftsfaktor, den die Burg im touristischen Segment der Region darstellt.

Stephan Sommerfeld, Leiter der Jugendbildungsstätte, bezog sich mit seinem Beitrag zur "dampfenden Geschichte, die neue positive Ansätze in der Erzählung zur Marke Ludwigstein hinzufügen kann", auf die Vorfälle im Jahr 2013, als nach dem Vorwurf, völkisch-nationalistischen Bünden einen Raum zu bieten, eine intensive Auseinandersetzung mit dem Demokratiebegriff und Extremismus auf der Burg begann. In dieser Zeit waren die Bünde für ein Jahr ausgeschlossen. Den Aufarbeitungsprozess bezeichnet er als aufreibend, aber am Ende stehe ein wichtiger Erkenntnisgewinn, der in die neuerliche Arbeit mit den Bünden, die nun wieder willkommene Gäste seien, stetig einfließe.Die Besucher konnten nach dem Festakt in Führungen durch die Burg und das Archiv selbst einen Einblick in die wechselvolle und interessante Geschichte der Burg Ludwigstein gewinnen.

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