Kommt der Heilwald oder kommt er nicht?

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Unterstützen das Vorhaben mit konkreten Angeboten (v.l.) Michael Abert, Klinikum Hoher Meißner, Dr. Sabine Budde, Geo-Naturpark, Irene Rogeé, Wald- und Naturpädagogin im St. Crucis Kindergarten, Angela Leser, Waldcoach, Susanne Mark, Grundschullehrerin „Am Brunnen vor dem Tore“, Stefan Schwidder, Coach für Veränderungsprozesse.

Wandern auf wilden Wegen gilt als fester Bestandteil der Alltagskultur hierzulande, quer durch alle Bevölkerungsschichten. Nun wird auch die Heilkraft des Waldes zunehmend entdeckt. Nun soll auch rund um Bad-Sooden-Allendorf ein Heilwald entstehen.

Bad Sooden-Allendorf. Auf Usedom eröffnete 2016 der erste nationale Heilwald, der seither gut besucht wird. Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix hat derweil gemeinsam mit dem Hessischen Heilbäderverband ebenfalls den Weg der Zertifizierung für ein 50 Hektar großes, landschaftlich abwechslungsreiches Teilstück der ausgedehnten Wälder rund um die Badestadt angetreten. Kostenpunkt für die Stadt: 29.000 Euro. Der Bewilligungsbescheid vom Land Hessen, die andere Hälfte der Kosten zu übernehmen, liegt bereits vor. Der Heilwald hinter Bad Sooden wäre der Erste Hessens und der Zweite bundesweit (EXTRA-TIP berichtete).

Vorhaben polarisiert

„Die meisten der für das Zertifikat geforderten Voraussetzungen sind bereits vorhanden, etwa barrierefreie Zugänge und Wege oder sanitäre Anlagen an den Bruchteichen. Zudem ist der Heilwald fußläufig vom Stadtkern erreichbar. Wir könnten so mit einem geringen finanziellen Einsatz sofort starten“, meint der Bürgermeister mit Visionsgeist.

Dennoch polarisiert das Vorhaben. Im Finanzausschuss der Stadt, der letzte Woche getagt hat, überwiegen derzeit die Zweifler, die diese Investition der Schutzschirmkommune nicht zumuten wollen, denen ein schlüssiges Konzept und eine betriebswirtschaftliche Aufstellung fehlt.

Gleichzeitig hat das Vorhaben zahlreiche Unterstützer zusammengebracht, die vorrechnen, dass diese Summe sich nur binnen einen Jahres über die Kurtaxe von 10.000 Übernachtungsgästen komplett amortisieren würde. Michael Abert, Verwaltungsleiter der Klinik Hoher Meißner, rechnet mit hohem Zulauf: „Die Menschen suchen verstärkt Angebote, die mit Natur zu tun haben. Der Wald kann therapeutisch für alle Erkrankungen genutzt werden, vor allem bei Beschwerden mit Herz-Kreislauf und der Atemwege, aber auch in der Psychosomatik. Eine Aufwertung des örtlichen Angebotes mithilfe des Waldes ist da dringend notwendig.“ Die Klinik Hoher Meißner würde im Heilwald Kurse mit eigenen Therapeuten auch für Gäste anbieten.

„Das ist Regionalentwicklung in einer ganz besonderen Form“, schließt sich Dr. Sabine Budde als Vertreterin des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land an. „Die bereits vorhandenen Marketingkanäle und die Infrastruktur des Geo-Naturparks können für das neue Projekt genutzt werden.“ Die angestrebte Zertifizierung würde ein Vielfaches an Marketingpotenzial erschließen und für die Region ein Alleinstellungsmerkmal schaffen, das bundesweit Aufmerksamkeit fände – und eine Steigerung von Gästezahlen sowie die Förderung des Handels und der Gastronomie mit sich brächte.

Laut Almut Boller, Geschäftsführerin des Hessischen Heilbädervebands, lässt jeder Tagesgast rund 30 Euro in der Stadt. Damit das Konzept mit Leben gefüllt wird, stehen bereits jetzt zahlreiche Anbieter aus Stadt und Region bereit, die im Bereich Therapie, Coaching und Stressmanagment jahrelange Berufserfahrung aufweisen können und eigens für den Heilwald gemeinsam mit den anderen Akteuren neue Angebote konzipieren würden. Auch der Bildungsbereich soll noch stärker eingebunden und vernetzt werden. Schon seit 2010 Jahren gibt es im Bereich des geplanten Heilwaldes den Schulwald mit eigenem Bauwagen, die Kinder vom St. Crucis Kindergarten erleben dort jede Woche den Wandel der Jahreszeiten.

Hix setzt nun alles auf die Stadtverordnetenversammlung am 26. Oktober, um bis dahin die Zweifler, die quer durch die Fraktionen gehen, noch umstimmen zu können. Denn eine Beschlussempfehlung gab es aus dem Finanzausschuss nicht. Er bekräftigt noch einmal: „Wir haben die Unterstützung vom Hessischen Heilbäderverband, der Landesregierung, von Hessenforst, dem Geo-Naturpark und von zahlreichen Kliniken und Bürgern. Ich setze mich bis zuletzt für dieses Vorhaben ein, welches ein sehr geringes unternehmerisches Risiko, aber gleichzeitig sehr viele Vorteile für unsere Gemeinde und die ganze Region bietet.“

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