Hier weht bald ein anderer Wind

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Adelsfamilie verpachtet Land für Windräder – und bringt Bürger gegen sich auf

Witzenhausen. Wo einst Felder wogten, werden möglicherweise noch in diesem Jahr Windräder ,sprießen’. Die alteingesessene Adelsfamilie Von Berlepsch plant mit dieser Maßnahme das Jahrhunderte alte Schloss zu retten – Windkraftgegner dagegen wollen die Natur retten...

Schloss Berlepsch, idyllisch im nördlichen Werra-Meißner-Kreis, nahe der Kirschenstadt Witzenhausen gelegen, ist fraglos eines der schönsten Schlösser Nordhessens. Um es zu erhalten, setzt die Familie Berlepsch auf Erneuerbare-Energie-Projekte.Damit könnten sie nun Erfolg haben: Ein Teil der Ländereien eignet sich für einen Windpark. Hier, zwischen Schloss und Autobahn A7, nahe dem Hofgut Ellerode, kann möglicherweise bald Energie ,geerntet’ werden.

Die erforderlichen Unterlagen nach BImSchG (BundesImmissionsSchutzGesetz, das den Schutz von Menschen, Tieren, Pflanzen, Böden, Wasser, Atmosphäre und Kulturgüter regelt) seien geprüft und zum Abschluss gebracht worden. Dies teilte Fabian von Berlepsch am Freitagabend während einer Info-Veranstaltung über 80 interessierten Bürgern und Politikern in der Mehrzweckhalle Gertenbach mit. Die schriftliche Genehmigung werde gegenwärtig vom RP (Regierungspräsidium) formuliert und in Kürze offiziell übergeben.

"Ich halte nun mein Versprechen, die weitere Vorgehensweise transparent zu machen", sagte  Fabian von Berlepsch als Vertreter der Erneuerbare Energien GmbH & Co KG, die im Mai 2012 gegründet wurde.Zur Veranstaltung hatte er Vertreter vom Windkraftanlagen-Hersteller Enercon, der EAM sowie einen Infraschall-Sachverständigen geladen.Geplant ist, dass Enercon fünf Anlagen auf den der Familie Berlepsch gehörenden Feldern errichtet. Die Familie das Land zu diesem Zweck an Enercon verpachtet. Die Anlagen vom Typ 101 mit einer Nabenhöhe von 149 Metern werden sich innerhalb eines Radius von etwa 1.000 Metern zwischen Schloss Berlepsch und der Autobahn befinden. In der Nähe liegen die Ortschaften Hübental, Gertenbach und das Vorwerk Ellerode.

27.000 Megawatt Strom werden geerntet

"Der Windpark wird etwa 27.000 Megawatt Strom pro Jahr produzieren", erläuterte Von Berlepsch. Dieser Ertrag könne ein Drittel des Energiebedarfes der Stadt Witzenhausen decken.Für die Problembereiche Schatten- und Eiswurf seien Lösungen gefunden worden. Auch arbeite Enercon an einer automatische Schaltung der nächtlichen ,Befeuerung’ – der Blinklichter. Diese würden demnach nur bei Näherung eines Flugzeuges aktiviert werden.Dass die Realisation näher rückt, wird besonders das Vorwerk Ellerode zu spüren bekommen, das dem Windpark am Nächsten liegt: Durch den Bauverkehr.Neben dem zusätzlichen Ausbau des Wegenetzes werde eine temporäre Abfahrt von der Autobahn angelegt, um die Bauteile für die Windräder anzuliefern, informierte Von Berlepsch. Der Baubeginn sei noch in diesem Sommer geplant. "Wenn die Fundamente im Herbst gesetzt sind, werden sich voraussichtlich im nächsten Sommer die Räder drehen."

Sturm der Entrüstung

Als der Gertenbacher Musiker Guntram Pauli  ,Bye bye Kirschenland’ sang, brachte er die Gefühle auf den Punkt: Die Mehrzahl der etwa 60 Bürger, die sich auf dem Dorfplatz des Witzenhäuser Ortsteils eingefunden hatten, fühlen sich vom Windpark, der vor ihrer Haustür entstehen soll, persönlich betroffen. "Hilflos und traurig", wie Christian Sahar Neckel von der Bürgerinitiative unterstrich. Er sei nicht aus der Großstadt in das idyllische Werratal gezogen, um die Industrialisierung und Verspargelung der Landschaft mitzuerleben.

"Wir einfache Bürger haben keine Lobby", meint auch Ortsvorsteher Heinz Köhler. Er rief dazu auf, weiterhin Einwendungen gegen Windräder an das RP zu formulieren. Heidi Rettberg, als Politikerin (Linke) und direkte Anwohnerin fasste ihre Sorge in zynische Gedichte zusammen. Ihre Anspielung auf den von Windrädern ,zerschredderten Sittich’, dem Wappenvogel derer Von Berlepsch, erntete viel Beifall.

Stargast war Nicolai Ziegler von der bundesweiten Inititive ,Vernunftkraft’, der eigens zu diesem Ereignis aus dem Bundeswirtschaftsministerium Berlin in seine ,alte Heimat’ anreiste. Es sei längst eine Tatsache, dass Windkraft nicht rentabel sei, sich nicht speichern ließe und die Stromkosten in die Höhe treibe, sagte er.Währenddessen suchte Fabian von Berlepsch das Gespräch mit den Bürgern, die sich zum Teil friedlich an Tischen niedergelassen hatten, um Bratwürste und Getränke zu sich zu nehmen.

Der Einladung, an der Info-Veranstaltung im benachbarten Bürgerhaus teilzunehmen, folgten nur Wenige der Demonstranten.Das Video finden Sie hier: https://m.

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