Hilfe wird im Hirschhagentunnel der A44 zu spät kommen

Im Ernstfall bleibt kaum Zeit, sich aus einem brennenden Tunnel zu retten. Die Freiwilligen Feuerwehren fordern mehr Hilfe in allen Bereichen vom Land.

Retter fordern mehr Hilfe für die Feuerwehren in den A44-Tunnel - Sie fühlen sich im Stich gelassen

Region. Wenn es zu einem Brand in einem der fünf Tunnel der A 44 kommt, dann werde es Tote geben. Besonders die Freiwilligen Feuerwehren aus Helsa und Hessisch Lichtenau fühlen sich vom Land Hessen im Stich gelassen. Der A 44-Tunnel zwischen den beiden Gemeinden ist mit seinen rund 4,2 Kilometern der zweitlängste Tunnel Deutschlands. Aber noch nicht fertig.

„Der Brandschutz ist kommunale Selbstverwaltungsangelegenheit“, erklärt Michael Schaich, Pressesprecher des Landes, auf Anfrage. Insgesamt wird es bei der Fertigstellung der A44 vierzehn Kilometer Tunnel geben. Nach einer Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes vom April 2000 spricht man davon, dass man im Brandfall nach fünf Minuten vor Ort im Tunnel sein sollte.

Rette sich, wer kann

„Wir haben Freiwillige Feuerwehren, nach fünf Minuten rücken wir mit unseren Fahrzeugen aus. Je nach Lage der Wehr brauchen wir fünf bis zehn Minuten zum Einsatz­ort“, erklärt Steffen Rödel. „Die gesetzliche Regelhilfsfrist in Hessen liegt bei zehn Minuten. Sie gilt jedoch nicht für Autobahnen, da aufgrund der Länge der Streckenabschnitte diese vielerorts nicht einhaltbar ist“, erklärt Schaich.

Bis die Feuerwehr nach der Regelfrist vor Ort ist, wären im Ernstfall alle Personen tot, die nicht rechtzeitig fliehen konnten. Die Tunnel selbst sind daher so ausgelegt, dass die Menschen sich im Ernstfall selbst retten sollen.

„Normal wird zuerst gerettet, dann geborgen und schließlich gelöscht. In einem Tunnel müssen wir eine andere Taktik anwenden und zuerst löschen. Der Rauch ist die größte Gefahr“, erklärt Tilo Küthe, Bürgermeister von Helsa und Mitglied der Feuerwehr.

Auch Küthe fordert mehr Unterstützung vom Land. „Im zukünftigen Hirschhagentunnel verläuft nicht nur eine Grenze zwischen zwei Gemeinden, sondern auch zwischen zwei Kreisen. Hier bedarf es einer Koordination seitens des Regierungspräsidiums, also des Landes Hessen“, so Küthe.

Sorge bereitet Rödel der Übungsstand. Bisher konnte man in den vergangenen Jahren nur zu den Eröffnungen der Tunnel proben. Eine Brandschutzübung im Tunnel Küchen gab es vor der Verkehrsfreigabe noch nicht einmal.

Vorbild Baden Württemberg

Zum Vergleich: In Baden Württemberg gelten vergleichbare Bedingungen, insgesamt befinden sich in dem Bundesland neun der 26 längsten Tunnel in Deutschland. Geprobt wird etwa drei- bis fünfmal pro Jahr und Tunnel. Überwiegend kommen freiwillige Wehren zum Einsatz, teilweise aber auch mit hauptamtlichem Personal.

„Die Übungen finden in der Regel dann statt, wenn der Tunnel für Tunnelreinigungs- und Wartungsarbeiten gesperrt ist, teilweise auch nachts. Zum Teil findet darüber hinaus etwa alle vier Jahre eine Großübung mit Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Tunnelbetreiber statt, wofür dann der Tunnel extra gesperrt wird“, erklärt Carsten Dehner, Pressesprecher Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg.

„Früher wurden die Tunnel der A 44 bei Lichtenau unter Vollsperrung gewartet, inzwischen werden diese aber nur noch teilweise gesperrt. Übungen wie in Baden Württemberg sind daher derzeit im Rahmen der Wartungsarbeiten nicht möglich“, so Rödel.

Und der Stadtbrandinspektor weiter: „Wir brauchen mehr Zeit und Personal, vor allem die Führungskräfte müssen besser geschult werden, damit die Kommunikation und Absprachen besser funktionieren. Derzeit gibt es einen runden Tisch der vier zuständigen Wehren für die Tunnel, wir hoffen, dass sich dieser als ein Instrument etablieren wird. Insgesamt muss aber deutlich mehr geprobt und besser koordiniert werden, um nicht nur die Feuerwehr, sondern auch die anderen Einrichtungen, etwa das DRK, besser in die Abläufe zu integrieren.“

Der einzige Lichtblick für die Wehren ist, dass der Hirschhagentunnel nicht wie geplant in 2018 fertig wurde, sondern dieser voraussichtlich erst 2021 oder später für den Verkehr freigegeben werden kann.

Retter fordern mehr Unterstützung vom Land.

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