„Homologie" im Unterricht: Malte Anders war mit seinem Programm zur Homosexualität in Eschwege

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(V.li.) Gudrun Lang (Stellv. Vorsitzende Bürgerstiftung), Ursula Baumgärtel-Blaschke (Vorsitende Bügerstiftung), Claudia Küster (BKK), Timo Becker alias Malte Anders, Tina Pfeiffer, Thomas Hoffmann (Schulsozialarbeiter) und Belkisa von Ehr (Schülervertretung).

Unterricht einmal anders, den gab es am Dienstag in der Brüder-Grimm-Schule. Denn hier war Theaterpädagoge und Kabarettist Malte Anders zu Gast und präsentierte sein Programm „Homologie".

Eschwege. Wir sind alle gleich und doch auch anders. Das ist einer der Gedanken, die Malte Anders den Schülern der Klassen 8 bis 10 an der Brüder-Grimm-Schule am vergangenen Dienstag mit auf den Weg gab. Denn der Theaterpädagoge, Diplom Sozialpädagoge und Kabarettist, der mit bürgerlichem Namen Timo Becker heißt, hat ein Ziel: Schüler im Unterricht mit dem Thema Homosexualität zu konfrontieren. Bei Tina Pfeiffer, verantwortliche Lehrkraft für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”, und Schülerin Belkisa von Ehr von der Schülervertretung stieß er dabei auf offene Ohren. Beide hatten ihn beim Landestreffen des Projektes im September 2017 kennengelernt. „Uns war klar, ihn müssen wir an unsere Schule bringen”, so Pfeiffer.

Dank der Unterstützung von der Bürgerstiftung Werra-Meißner e.V. sowie der BKK Werra-Meißner war es dann am Dienstag soweit. Es war Zeit für die etwas andere Unterrichtsstunde. Quer durch alle Unterrichtsfächer behandelte Anders das Thema „Homologie”. Und zwar immer informativ und gleichzeitig humorvoll. Für die Schüler ging es durch die Fächer Deutsch, Geschichte, Biologie, Englisch, Mathematik, Politik, Sport und Erdkunde – spannend und mit persönlichen Informationen des Kabarettisten zum Leben erweckt. Ob Coming Out, Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern oder die Begegnung mit Anderen, Malte Anders machte deutlich: Es ist kein Platz für Diskriminierung. Toleranz und die sexuelle Identitätsbildung von Jugendlichen stünden im Vordergrund. „Vorurteile haben wir alle. Die Frage ist, wie wir damit umgehen”, sagt Anders, der von sich selbst sagt, bereits in der Grundschule gewusst zu haben, dass er homosexuell ist.

Gemeinschaft durch Respekt

„Die Coquille-Indianer machen es vor (der Indianerstamm hat als erster Stamm die Ehe für Schwulen und Lesben geöffnet, Anm. der Red.). Nur durch Respekt werden wir eine starke Gemeinschaft”, sagt Anders. Er wirbt dafür, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und anderen öfter zuzuhören. „Hätte es zu meiner Schulzeit schon Malte Anders gegeben, wäre vermutlich vieles anders gelaufen”, sagt Michael Roth, der seine Begrüßung über eine Videobotschaft übermittelte. Er freue sich, dass die Schule sich öffne und ein Thema behandelt und diskutiert, das einigen noch schwer fallen würde.

Auch die BKK Werra-Meißner unterstützt das Projekt gerne. „Wenn man anders ist, geht das oft mit Diskriminierung einher. Und das in einigen Fällen auch mit psychischen Folgen”, erklärt Claudia Küster. „Wenn der Vortrag etwas in Gang setzt, können wir uns nur freuen”, sagen Gudrun Lang und Ursula Baumgärtel-Blaschke von der Bürgerstiftung.

Die Schule jedenfalls will das Projekt gerne wiederholen. „Den Betroffenen, und das sind statistisch gesehen ein bis zwei Schüler pro Klasse, wollen wir zeigen, dass alles im grünen Bereich ist. Und allen anderen, dass Diskriminierung und Beschimpfungen kein geeigneter Umgang sind”, sagt Pfeiffer. Malte Anders stand allen frei und offen Rede und Antwort. Jeder Schüler konnte am Ende der Vorführung eine anonyme Frage abgeben. Eine aktive Unterrichtsstunde also.

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