Impulse: Sind Flüchtlinge und Zuwanderung als Gewinn zu sehen?

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Im Tagungszentrum Ekkos in Bad Sooden-Allendorf gaben Autohaus Stöber und VR Bank Impulse zum Thema Flüchtlinge und Zuwanderung als Gewinn

Bad Sooden-Allendorf. "Zeit für Impulse" gab es gestern Abend im EKKO’s Hotel in Bad Sooden-Allendorf. Denn bereits zum sechsten Mal in Folge luden das Autohaus Stöber und die VR-Bank Werra-Meißner zur tradionsreichen Veranstaltung "Moment mal..." ein.

Dabei steckten die Organisatoren um Andrea Stöber und Uwe Linnenkohl im Vorfeld die Köpfe zusammen und kamen schnell auf einen Nenner: "Wir wollten das Thema ,Zuwanderung’ aus der Ecke rausholen und herausarbeiten, welche Chancen sich daraus für unsere Region, aber auch für alle beteiligten Menschen ergibt", erläuterte die Autohaus-Chefin, die zusammen mit VR-Bank-Chef Linnenkohl 300 Gäste im Publikum begrüßen konnten.Als Moderator hatte man wieder einmal FAZ-Redakteur Claus-Peter Müller von der Grün gewinnen können, der den Staatsminister für Europa Michael Roth, den Mitbegründer und Visionär des Familienunternehmens Technoform Karl-Hans Caprano sowie das Witzenhäuser Ehepaar Davut und Anja Tatli im Podium zum Thema "Zuwanderung als Gewinn?!" begrüßen konnte.

Roth betonte, dass Deutschland jährlich 400.000 Zuwanderer netto bräuchten, damit dem Land ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. "In diesem Jahr könnten es bis zu 500.000 werden. Doch es sind nicht die Arbeitskräfte, die zu uns kommen – es sind Menschen. Wir müssen daher viel dafür tun, dass die Leute hier schnell ihren Platz finden ", machte der Bundestagsabgeordnete deutlich.

Ihren Platz gefunden hat Familie Tatli. Die Goldschmiedin und Galeristin Anja Tatli und der selbstständige Metallbauer und Gastronom Davut Tatli sind im Witzenhäuser Ortsteil Ermschwerd – in der Region – angekommen. Der türkische Landsmann lebt seit dem zweiten Lebensjahr in Deutschland. "Ich hatte nie das Gefühl, dass Deutschland ein fremdes Land für mich ist", sagt Tatli, der sich bei der Einschulung zwar wunderte, warum die Kinder alle ,so einen komischen Trichter’ – die Zuckertüte – auf dem Tisch hatten und auch Weihnachten als solches nicht kannte, dennoch aber stets die kulturellen Geflogenheiten des Landes akzeptiert und gelebt hat. Einige Grenzen mussten sich jedoch aufgebrochen werden. So nahm sich seine Frau die türkische Flexibilität an, die den Deutschen eher weniger in die Wiege gelegt wird. "Meine Freunde wussten immer: Bei den Tatlis gibt es immer Essen – ganz egal, wieviele Leute kommen", lacht der Geschäftsmann, der neben seiner eigenen Firma auch eine Mädchen-Fußmallmannschaft trainiert. Das Ehepaar selbst hatte es anfangs jedoch nicht so leicht – beide Elternpaare reagierten zunächst mit großer Ablehnung. "Die Zeit heilt jedoch alle Wunden. Die Eltern respektieren uns jetzt", freut sich Anja Tatli.

Respekt erfährt mittlerweile auch Karl-Hans Caprano, dessen Vorfahren vor über 500 Jahren vom Comer See aus Italien nach Deutschland einwanderten. Als Kind wurde der Unternehmer noch beschimpft, heute zieht er in seiner Firma deutlich die Handbremse. "Ich dulde keinerlei Ressentiments – es wird radikal sanktioniert", verdeutlicht Caprano.Roth ist sich sicher: "Es verändert sich gerade viel in den Köpfen. Die Stammtischparolen, die es früher einmal gab, erlebe ich jetzt nicht mehr. Wir müssen die positive Grundstimmung in der Bevölkerung unterstützen."Unterstützung fordert er auch vom Bund. "Die Kosten sollen komplett vom Bund übernommen werden. Das kann nicht Aufgabe der Landkreise sein", mahnt der Staatsminister.

Apropos Kosten: Für das Flüchtlingsprojekt "Küche, Kegeln, Kennenlernen" der Initiativen ,Sozialkreis Bad Sooden-Allendorf und dem Seniorentreff, in dem die Aktionen stattfinden, reichten die Veranstalter blaue Sparschweine herum die von den Gästen mit Spenden gefüllt werden konnten.

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