Infektion bedroht das Leben der Blaumeisen

Blaumeise
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Blaumeise

Eine bakterielle Lungenentzündung tötet derzeit besonders häufig Blaumeisen.

Eschwege. Gäbe es eine Top-Ten-Liste der bekanntesten und beliebtesten heimischen Vögel, dann wären sie sicherlich auf einem der vorderen Ränge: die Blaumeisen. Jeder kennt sie, da sie in unseren Gärten und Parks heimisch sind. Ihr buntes Gefieder und ihre stets geschäftige Art lassen die Sympathiewerte der „Federbällchen“ hochschnellen.

Meisensterben beobachtet

Umso erschreckender ist eine Beobachtung, die in vielen Teilen der Bundesrepublik schon augenfällig ist. Seit März kann man Meisen, besonders Blaumeisen, sehen, die krank aussehen, und man findet vermehrt verendete Vögel. In der vom NABU veröffentlichten Grafik ist der Schwerpunkt der Meldungen in Rheinland-Pfalz zu erkennen. Viele Fälle treten aber auch im Raum Oldenburg auf. Bis Mitte April sind im Werra-Meißner-Kreis über 30 Fälle gemeldet worden.

Blaumeisen sind apathisch und oft sind die Augen verklebt 

Die erkrankten Tiere werden meist in der Umgebung von Futterstellen in Gärten beobachtet und fallen dadurch auf, dass sie nicht mehr auf ihre Umwelt reagieren. Blaumeisen sitzen apathisch und aufgeplustert auf dem Boden, sie machen keine Fluchtversuche, wenn sich Menschen nähern. Es scheint so, als hätten die Vögel Atemprobleme, zum Teil ist das Kopfgefieder ausgefallen, die Augen wirken verklebt. Sie nehmen kein Futter mehr auf oder können anscheinend nicht mehr schlucken. Manche Meisen wirken, als hätten sie unstillbaren Durst. So beschreibt der Naturschutzbund (NABU) die Symptome, deren Merkmale nicht zu bislang bekannten Vogelkrankheiten passen.

Bakterielle Infektion verursacht Lungenentzündung 

Gleich mehrere Ämter haben die Ursache für das Blaumeisensterben bestätigt: Es handelt sich um eine bakterielle Infektion mit dem Bakterium Suttonella ornithocola, das bei den Vögeln eine Lungenentzündung hervorruft. Für Menschen und Haustiere ist der Erreger dagegen ungefährlich. Da viele verendete Blaumeisen in der Nähe von Ganzjahresfütterungen gefunden werden, raten Naturschützer dazu die Fütterung einzustellen, wenn tote oder kranke Vögel aufgetreten sind – das gilt auch bei der Winterfütterung. Ziel ist ein „social distancing“, weil die Vögel an Fütterungen engen Kontakt haben“, berichtet Dr. Brauneis.

NABU Meldeaktion

Der NABU hat eine Meldeaktion ins Leben gerufen: „Helfen Sie uns, die Ausbreitung dieser neuartigen Krankheit bei Blaumeisen nachzuvollziehen, indem Sie uns Beobachtungen über das Meldeformular auf dieser Seite zukommen lassen. Über dieses Formular sollten Sie melden, wenn Sie kranke oder vermutlich an einer Krankheit gestorbene Blaumeisen in Ihrer Umgebung feststellen. Bitte machen Sie dabei möglichst genaue Angaben zu Fundort, Funddatum und den näheren Fundumständen und zu den Symptomen der Vögel“, heißt es auf der Seite des NABU. (https://www.nabu.de/tiere-undpflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/meisensterben.html)

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