Interview mit der neuen SPD-Leitung in Großalmerode

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Daniela Roth (Vorsitzende des SPD Ortsvereins in Großalmerode) und Steffen Prauß (Vorsitzender der SPD Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung von Großalmerode).

Daniela Roth und Steffen Prauß im Interview über die Zukunft der SPD in Großalmerode

Großalmerode. Einst war die Tonstadt eine „Rote Hochburg“. Die SPD hatte im Stadtparlament die absolute Mehrheit und auch der Bürgermeister wurde von ihr gestellt. Doch die Zeiten haben sich geändert. In der Stadtverordnetenversammlung ist die Wählergemeinschaft (WG) inzwischen gleichauf mit der SPD, beide verfügen über 13 Sitze. Der Bürgermeister wird inzwischen auch nicht mehr von der SPD gestellt. Seit März ist nun Daniela Roth die neue Vorsitzende des SPD-Ortsvereins. Auch die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ist seit Mitte 2018 unter neuer Führung, ihr Vorsitzender ist Steffen Prauß, seine Stellvertreterin ist Daniela Roth. Der MARKTSPIEGEL sprach mit beiden über die Zeitenwende.

MARKTSPIEGEL (MS): Die SPD hat in den vergangenen Jahren an Boden bei den Wählern verloren. Nun hat der Ortsverein eine neue Vorsitzende, ist das auch die Chance für einen Neuanfang?

Daniela Roth: Zunächst einmal muss ich sagen, dass vor allem Magnus Alt einen guten Job gemacht hat. Die Stimmverluste, die die SPD in Großalmerode bei den Kommunalwahlen hinnehmen musste, sind vor allem als eine Abrechnung für die Bundes- und Landespolitik zu sehen. Aber wir wollen auch die Chance nutzen, dass eine neue Generation die Politik gestaltet.

MS: Die WG war bei den vergangenen Kommunalwahlen gegenüber den anderen Parteien besonders online präsenter. Hat man in Großalmerode den Trend verschlafen, gerade im Internet präsenter zu sein?

Roth: Ja, wir müssen unsere Onlinepräsenz stärker ausbauen und einen viel direkteren Kontakt zu den Bürgern suchen. Social Media muss in Zukunft ein zusätzlicher stützender Balken unserer Politik sein.

MS: Haben sie seitens der SPD das Gefühl, dass die WG und CDU zusammen gegen die SPD Politik in der Stadtverordnetenversammlung machen?

Steffen Prauß: Nein! So verfahren sehe ich die Situation nicht. Die Positionen bei den Abstimmungen in der Stadtverordnetenversammlung sind stark vom Thema abhängig. Es ist immer möglich, Mehrheiten zu finden und natürlich gibt es nicht nur zwischen SPD und WG oder CDU Streitpunkte, die gibt es auch zwischen der WG und CDU. Wir wollen alle das Beste für die Stadt, egal von wem der Vorschlag kommt. So statisch sind die Verhältnisse nicht.

MS: Auch bei den Bürgermeisterwahlen hat der SPD Kandidat Michael Goßmann verloren. Welche Gründe sehen Sie dafür?

Roth: Subjektiv wahrgenommen würde ich sagen, dass man einfach einen jüngeren Bürgermeister wollte, einen Richtungswechsel.

Prauß: Auch in der SPD verfügen wir inzwischen über viel mehr jüngere Mitglieder, das merken wir auch bei den Jusos (Die Jugendorganisation der SPD, Anmerkung der Redaktion). Das ist aber auch besonders wichtig, dass die Jüngeren nachrücken.

Roth: In meinen Augen müssen wir mit den Jusos und der Jugend von Großalmerode enger zusammenarbeiten, um weiteren frischen Wind in die Politik zu bringen. Wir müssen gerade die Familien im Blick haben, nicht nur ältere Menschen, sondern alle.

MS: Wie sieht diese Politik aus?

Roth: im Augenblick sind wir abhängig von der Landesregierung, gerade bei den Konzepten zur Kinderbetreuung und den Straßenbeiträgen. Mit dem aktuellen System der Straßenbeiträge haben wir derzeit keine Rechtssicherheit, Großalmerode ist die einzige Stadt, die beide Formen der Straßenbeiträge erhebt. Das Land muss dazu noch weiter beraten. Zudem müssen wir entsprechende Kita-Konzepte hervorbringen und die Freizeitangebote in der Stadt auch für junge Menschen attraktiver gestalten. All das muss mit dem Haushalt der Stadt aufgestellt werden.

Prauß: Entscheidend ist dabei auch die Einwohnerzahl. Wir müssen die jungen Menschen und Familien hier binden, das wünscht sich jede Stadt. Ein wichtiger Faktor für oder gegen eine Stadt sind die Höhe der Grundsteuern und Lebenshaltungskosten. Besonders die Leerstände müssen wir bekämpfen und neue Baugebiete erschließen. Gerade mit dem Nahverkehr und schnellem Internet steht und fällt inzwischen viel. Die Stadt muss dabei auch helfen, alte Gebäude abzureißen, damit dort neu gebaut werden kann, zumindest dort, wo es sinnvoll ist. Schrottimmobilien müssen verschwinden.

MS: Bietet Großalmerode überhaupt genug für seine Bürger, oder ist einfach zu wenig los? 

Roth: Großalmerode hat ein reges Vereinslebens und bietet viele kulturelle Veranstaltungen. Die Ehrenamtlichen müssten für diese Leistung jedoch deutlich mehr Würdigung erfahren.

MS: Wie sieht es mit der Nahversorgung in der Stadt und auf den Dörfern aus? In Rommerode wird diese jetzt etwa durch einen mobilen Supermarkt übernommen.

Prauß: Das größte Problem ist dabei inzwischen der Onlinehandel. Kleine Läden haben inzwischen überhaupt Probleme zu eröffnen. In der Kernstadt ist die Versorgung noch gut und einfach von den Ortsteilen aus zu erreichen. Man muss jedoch versuchen, auch in den kleinen Orten wieder eine Nahversorgung zu etablieren. Der Verein Aufwind, der im Kreis mehrere solcher Geschäfte führt, wäre hierfür prädestiniert.

MS: Wir danken für das Gespräch.

Zu den Personen:

Steffen Prauß ist seit 2014 Mitglied der SPD in Großalmerode. Nach Magnus Alts Rücktritt als Fraktionsvorsitzender hat er das Amt inne. Prauß ist als Verwaltungsfachwirt beim Landeswohlfahrtsverband Hessen in Kassel tätig. Er ist nicht verheiratet, 32 Jahre alt.

Daniela Roth ist seit 2013 Mitglied der SPD in Großalmerode, da sie vor Ort etwas verändern wollte. Aus diesem Grund hat sie auch den Posten als stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie den Vorsitz des Ortsvereins übernommen. Roth ist im öffentlichen Dienst tätig, 27 Jahre, verheiratet und Mutter zweier Kinder.

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