10 Jahre Bürgergruppe: Wanfried trotzt dem demografischen Wandel

(V.li.) Die Bürgergruppen-Mitglieder Harald Wagner, Peter Geerk, Wilhelm Gebhard, Horst Sieland, Dieter Franke, Jürgen Rödiger, Peter von Roeder, Erich Böck und Diana Wetzestein im Fachwerk-Musterhaus. Es fehlt Dieter Böttcher. Foto: Renneberg
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(V.li.) Die Bürgergruppen-Mitglieder Harald Wagner, Peter Geerk, Wilhelm Gebhard, Horst Sieland, Dieter Franke, Jürgen Rödiger, Peter von Roeder, Erich Böck und Diana Wetzestein im Fachwerk-Musterhaus. Es fehlt Dieter Böttcher. Foto: Renneberg

Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 hat die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser 54 Immobilien vermittelt und zahlreiche Neubürger angelockt.

Wanfried. Die Bevölkerung schrumpft um mehr als 100 Personen pro Jahr, 21 leerstehende Häuser trüben das Gesicht der Altstadt und der Altersdurchschnitt steigt rapide – so sah die Lage in Wanfried vor zehn Jahren aus. Damals gründete sich die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser. Sie hat seitdem 54 Immobilien in der Kernstadt und den Stadtteilen vermittelt – und so zahlreiche Neubürger in die Stadt gelockt.

2006 habe sich Wanfried als eine der ersten Kommunen offen den Herausforderungen des demografischen Wandels gestellt, blickt Bürgermeister Wilhelm Gebhard zurück. Er ist eins von zehn ehrenamtlichen Mitgliedern der Gruppe.

"Die Nachfrage wächst"

"Viele haben uns damals gefragt, wer denn die ganzen alten Häuser kaufen soll", erinnert sich Gebhard. Die Antwort war schnell gefunden: Zunächst lernten die Holländer Wanfried als günstigen und zentralgelegenen Wohnort schätzen, mittlerweile kommen viele Neubürger aus den deutschen Ballungsgebieten. "Und dieses Potenzial wächst", ist Gebhard überzeugt.

In Wanfried können sie auf umfassende Hilfe zählen – völlig kostenlos: Die Mitglieder der Bürgergruppe  schätzen den Wert eines Hauses, klopfen es auf seine Sanierungsfähigkeit ab, helfen bei Behördengängen und stehen auch nach dem Kauf als Ansprechpartner zur Verfügung. Im Fachwerkmusterhaus finden Interessierte zudem Anregungen, wie sie alte Häuser auf moderne Art ökologisch und energetisch sanieren können.

"Wir haben in den zehn Jahren gelernt, dass es für jedes Haus den richtigen Käufer gibt", sagt Diana Wetzestein und verweist darauf, dass von den ursprünglich 21 Leerständen nur noch einer übrig ist. Und auch der Bevölkerungsrückgang hat sich auf jährlich 10 bis 20 Personen reduziert. In diesem Jahr könnte Wanfried sogar einen Zuwachs verzeichnen – erstmals seit 1995. "Die aktuellen Zahlen deuten darauf hin ", sagt Gebhard.

Die Arbeit der Bürgergruppe hat jedoch nicht nur für frischen Wind gesorgt, sondern auch die Konjunktur angekurbelt: Mit mehr als 3 Millionen Euro beziffert Harald Wagner das Auftragsvolumen für heimische Handwerker und Dienstleister, das die Vermittlungen der Bürgergruppe ausgelöst haben. Außerdem hat sie  die Stadt bundesweit bekannt gemacht. "Keine andere Initiative hat Wanfried so sehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt", betont Gebhard.

Ihr Konzept hat die Bürgergruppe mittlerweile in gut 40 Kommunen vorgestellt, vielerorts haben sich Nachahmer gefunden. Eines allerdings habe Wanfried den meisten Initiativen voraus: den Schulterschluss zwischen Stadtverwaltung und Ehrenamtlichen. Den macht der Sprecher der Bürgergruppe, Jürgen Rödiger, als Erfolgsrezept aus.

Pläne für die Zukunft

Auch für die kommenden Jahre hat die Bürgergruppe schon Pläne geschmiedet. So könnte ein junger Architekt ein- bis eineinhalb Jahre lang vom Musterhaus aus ein Fachwerk-Projekt umsetzen – begleitet von der Bürgergruppe. Das Projekt könnte gemeinsam mit der Gemeinde Weißenborn umgesetzt und durch das Modellvorhaben Land(Auf)Schwung gefördert werden, blickt Wetzestein voraus.

Und sonst? "Wir wollen erfolgreich weitermachen", sagt Jürgen Rödiger. Dabei gibt es nur ein Problem: "Wir haben gar nicht mehr so viele Häuser im Angebot."

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