500 Jahre Reinheitsgebot: Brauereichef Ernst Andreas im Interview

Brauerei-Chef Ernst Andreas stand im Interview Rede und Antwort zum Deutschen Reinheitsgebot. Foto: Archiv
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Brauerei-Chef Ernst Andreas stand im Interview Rede und Antwort zum Deutschen Reinheitsgebot. Foto: Archiv

Das Deutsche Reinheitsgebot feiert dieses Jahr seinen 500. Geburtstag. Wir haben mit AKE-Chef Ernst Andreas über das Lebensmittelgesetz gesprochen.

Eschwege. Am 23. April 1516 wurde in Ingolstadt das älteste Lebensmittelgesetz – das Deutsche Reinheitsgebot für Bier – erlassen. "Das ist nun 500 Jahre her. Demnach wird Bier in Deutschland und natürlich auch die Biere unserer Brauerei nur aus den Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut", erzählt AKE-Chef Ernst Andreas, der zu diesem großen Jubiläum Rede und Antwort rund zum Reinheitsgebot stand.

MARKTSPIEGEL (MS): Was ist das Reinheitsgebot von 1516? Wann und wo genau wurde es erlassen?Ernst Andreas (EA): Am 23. April 1516 in Ingolstadt. An diesem Tag erließen die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. eines der wenigen Gesetze, das über Jahrhunderte seine Bedeutung erhalten hat. Das Reinheitsgebot für Bier wirkt sich bis heute auf die deutsche Braukunst aus.

MS: Welche rechtlichen Gründe führten zu diesem Gesetz?EA: Ein größeres Land brauchte einheitliche Gesetze. Der Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 bis 1505 – auch "Bayerische Fehde" genannt – brachte die Wiedervereinigung der bayerischen Teilherzogtümer mit sich. Somit wurde eine Harmonisierung der bayerischen Landrechte notwendig. Eine neue Landesverordnung entstand, die in ganz Bayern galt.

MS: Worum geht es in diesem Gesetz?EA: Preise und Rohstoffe, zudem sollten die Bürger vor minderwertigen oder gar giftigen Zusätzen geschützt werden. Das "Bayerische Reinheitsgebot von 1516" war ein Teil dieser neuen Landesverordnung. Es schrieb Bierpreise vor – eine durchaus vergängliche Regelung. Weitaus stabiler,  nämlich bis in die heutige Zeit wirksam, zeigte sich jener Teil des Reinheitsgebotes, der die ausschließliche Verwendung von Gerste, Hopfen und Wasser zum Brauen von Bier festlegte.

MS: Was stand ursprünglich im Reinheitsgebot?EA: Der Originaltext ist ziemlich kompliziert und – natürlich – in alter Sprache abgefasst: Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Der Begriff "Reinheitsgebot" wurde erst später eingeführt.

MS: Wurde das Reinheitsgebot im Laufe der Jahre verändert?EA:Immer wieder. In den vergangenen fünf Jahrhunderten wurde dieser Text mehrfach verändert. Aus Gerste wurde Gerstenmalz, weil man feststellte, dass Malz wesentlich geeigneter zum Bierbrauen ist. Unter Malz versteht man Getreide, das gekeimt hat und bei hohen Temperaturen gedarrt worden ist. Die Beschränkung auf Gerste wurde zugunsten weiterer Getreidesorten aufgegeben.

MS: Warum ursprünglich nur Gerste?EA: Um den Hunger zu bekämpfen. Dieser Teil des alten Gesetzes sollte helfen, die Nahrungsmittelknappheit zu besiegen. Das Gesetz sollte dafür sorgen, dass der Weizen zur Herstellung von Brot reserviert wurde. Natürlich spielten auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Die bayerischen Herrscher hatten über eine lange Phase das Monopol zur Bierherstellung mit Weizen und das war eine gute Einnahmequelle.

MS: Wurde eine derartige Vorschrift 1516 das erste Mal erlassen?EA: Nein, es gab ältere ähnliche Regelungen, allerdings nur lokal gültig: Augsburg 1156, Nürnberg 1293, Weimar 1348, München 1363 oder Weißensee 1434.

MS: Warum wurde die Hefe zunächst nicht im Reinheitsgebot erwähnt?EA: Man kannte die Hefe nicht. Man kann Hefe ohne wesentliche Vergrößerung nicht sehen. Eine Hefezelle misst nur 6 bis 12 Mikrometer. In einem Milliliter dickbreiiger Hefe leben etwa zehn Millionen Einzeller. Die Hefe ist eine Vielzahl einzelliger Pilze. Entdeckt wurde sie nach der Erfindung des Mikroskops.

MS: Wann wurde die Hefe in das Reinheitsgebot aufgenommen?EA: Im 19. Jahrhundert. Louis Pasteur hat beschrieben, dass die Hefe aus Mikroorganismen besteht und dass ihre Anwesenheit von wesentlicher Bedeutung für den Gärungsprozess ist. So wurde die Hefe als vierter Rohstoff ins Reinheitsgebot aufgenommen, am Prozess beteiligt war sie immer.

MS: Welche Rohstoffe stehen heute im Reinheitsgebot?EA: Zum Brauen von Bier dürfen verwendet werden: Malz, Hopfen, Hefe und Wasser.

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