Junglandwirt Tobias Christen gibt Gas: Er baut eine Biogasanlage

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Der 20-jährige Witzenhäuser Landwirt Tobias Christen hat gerade seine Gesellenprüfung abgeschlossen - und baut nun eine Biogasanlage

Witzenhausen. Für Tobias Christen ist klar: Er wird den Familienbetrieb ,Hof Stanzel’ in Witzenhausen-Freudenthal übernehmen. Um den Hof mit Rinderhaltung auch für die Zukunft fit zu machen, packt der Junglandwirt ein ehrgeiziges Projekt an: Er baut ,seine’ Biogas-Anlage und wird Energie-Wirt...

Junge Menschen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, wollen endlich durchstarten und im Berufsleben Gas geben. Das Gleiche gilt für den 20-jährigen Landwirt Tobias Christen. Nur – dass er im wörtlichen Sinne ,Gas geben’ will: Mit Biogas.

Tobias Christen möchten einmal den Familienbetrieb ,Bioland-Hof Stanzel’ in Witzenhausen-Freudenthal mit 60 Kühen und 53 Hektar Bewirtschaftungsfläche übernehmen. Also absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung. Innerhalb dieser ist es üblich, auf verschiedenen Höfen tätig zu sein – und im letzten Teil seiner Lehre lernte der 20-Jährige den benachbarten Bioland-Betrieb von Maximilian Weiland kennen.

Vom Landwirt zum Energiewirt

Besonderes Interesse entwickelte Tobias Christen für das Konzept von Weilands artgerechter Hühnerhaltung, das der Agrar-Ingenieur  vor zwei Jahren realisierte. Die Dächer der Hühnerställe sind mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet; der gewonnene Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist.Vom Landwirt zum Energiewirt – diese Idee ließ Tobias Christen nicht mehr los. Gemeinsam mit seinem Lehrherrn Max Weiland entwickelte er die Realisierung einer Biogas-Anlage, die mit dem Dung und dem Mist der Kühe gespeist werden soll. Beide zogen Klaus Anduschus hinzu – der Agrar-Ingenieur aus Witzenhausen arbeitet als Biogas-Berater beim Maschinenring Kassel und war bereits bezüglich Erneuerbarer Energien an der Umsetzung von Weilands Hühnerställen beteiligt."Natürlich kann man nicht aus Sch... Gold machen", sagt Anduschus. "Aber im Prinzip funktioniert die Biogas-Anlage, wie Tobias sie anstrebt, genau so." Da die Anlage täglich ,gefüttert’ werden muss, werden weitere Landwirte der Region sowie Pferde- und Schafhalter ,ihren Mist’ anliefern.

Sparkasse Werra-Meißner mit im Boot

Noch während der angehende Landwirt sich auf seine Gesellenprüfung vorbereitete, wurde gemeinsam abgeklärt, wie die Investition von etwa einer halben Million zu stemmen sei. "Hier hat die Sparkasse Werra-Meißner sich sehr kooperativ gezeigt", so Klaus Anduschus. "Sie ist von dem Konzept überzeugt und bewilligte die Finanzierung. Das macht Mut, derartige Zukunftsprojekte im Erneuerbare-Energien-Bereich erfolgreich umzusetzen." Für das Projekt haben Christen, Weiland und Anduschus die Gesellschaftsform GmbH&Co KG gewählt.

Tobias Christen, der seine Ausbildung inzwischen er­-folgreich abgeschlossen hat, ist künftig der Betreiber der Biogas-Anlage. Diese soll im November in Betrieb gehen.

Der jüngste Biogas-AnlagenBetreiber?

Der junge Landwirt muss als zukünftiger Biogas-Betreiber dafür sorgen, dass er täglich rund zehn Tonnen Mist mit dem Frontlader in die Einbringtechnik der Anlage ,schaufelt’.Doch das ist nicht alles – die Technik muss rund laufen, damit aus dem gewonnen Gas Strom werden kann. Besonders die Rührwerke und das Blockheizkraftwerk müssen regelmäßig überprüft und gewartet werden.Und nach dem Strom erzeugenden Prozess schließt sich der Kreislauf: Die Reststoffe aus der Anlage werden von den anliefernden Landwirten anschließend als biologisch wertvoller Dünger – weil bereits zellular aufgespalten – genutzt.Tobias Christen wird mit seinen 20 Jahren bestimmt der jüngste Biogas-Betreiber im ,Arbeitskreis Biogas’ sein, dem  Landwirte angehören, die sich wie er für diese Form der Erneuerbaren-Energie-Gewinnung entschieden haben.

Freudenthaler Biogas’

Momentan befindet sich die Anlage in der Bauphase. Die typischen runden Behälter –  der Fermenter mit 18 Metern und das Lager mit 21 Metern Durchmessern – sind bereits fertiggestellt. Mit dem Dach werden sie auf sechs Meter Höhe anwachsen.Daneben entsteht eine Mistplatte, auf die das Material angeliefert wird. Dank der im Fermenter enthaltenen Mikroorganismen wird der eingebrachte Mist ,zersetzt’ – es entsteht Gas, das über einen Motor in Strom transformiert wird. Dieser wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Neben der Stromerzeugung fällt Wärme für den Fermenter sowie Restwärme an, die den anliegenden Höfen besonders im Winter beim Heizen hilft und im Sommer für eine Trocknungsanlage verwendet werden kann.

Biogas-Berater Klaus Anduschus: "Christens Anlage ,Freuden­thaler Biogas’ ist eine nach EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)-Richtlinien geförderte ,Kleinanlage’.Gefüttert wird sie mit etwa zehn Tonnen Mist pro Tag, von Tieren, die  auf Stroh – nach Bioland-Richtlinien – gehalten werden. Bis zu 20 Prozent Mist, Futterreste oder Silage dürfen konventioneller Herkunft sein.Das BHKW (Blockheizkraftwerk) treibt den Stromgenerator an, der pro Stunde 75 Kilowatt Strom produziert.Im Jahr sind das etwa 629.000 Kilowattstunden. Eine vierköpfige Familie verbraucht im Jahr durchschnittlich 4.500 Kilowattstunden Strom, demnach reicht der Ertrag für etwa 130 Familien aus."

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