Kahle Fichten: Borkenkäfer ist in Nordhessen vermehrt aktiv

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Der Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, Matthias Dumm zeigt an einer Fichte die Spuren des Käferbefalls.

Die warmen Temperaturen sorgten für eine enorme Vermehrung der Borkenkäfer. Vor allem die Fichten sind betroffen.

Eschwege - Kahle Baumkronen, unzählige grüne Fichtennadel auf dem Waldboden und ungewöhnlich viele gefällte Stämme. Wer derzeit im Landkreis durch den Wald geht, sieht schnell, hier stimmt etwas nicht. Der Borkenkäfer ist aktiv und das in einer Masse, die ungewöhnlich ist.

„In diesem Jahr hat der Borkenkäfer durch die warmen Temperaturen ideale Bedingungen und drei bis vier Generationen erzeugt. In einem normalen Jahr sind es höchstens zwei. Sein Zyklus dauert normalerweise 40 Tage, durch die hohen Temperaturen wird der Stoffwechsel beschleunigt und die Zyklusdauer verringert sich auf etwa 20 Tage“, berichtet der Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, Matthias Dumm. „Normalerweise können sich die Nadelbäume durch vermehrte Produktion von Harz gegen die Schädlinge wehren. Sie schließen die Käfer im Harz ein und töten sie dadurch ab. In einem Jahr mit geringen Niederschlagsmengen sind die Bäume nicht in der Lage, genügend Harz zu produzieren. Ist die Populationsdichte der Insekten dann auch noch so hoch wie in diesem Jahr, dann sterben die Bäume vermehrt ab“, erläutert er.

Befallene Bäume müssen gefällt werden

Betroffen sind nach seinen Angaben vor allem Fichten, die im Werra-Meißner-Kreis etwa 35 Prozent des Baumbestandes ausmachen. Die befallenen Bäume müssen so schnell wie möglich gefällt werden, damit sich der Käfer nicht weiter verbreitet. Problematisch ist aber, dass durch den Sturm Friederike im Januar schon viele Fichten umgestürzt sind. „Wir sind jetzt zu 95 Prozent damit fertig, den Windbruch vom Januar aufzuarbeiten.

Kahle Kronen bei den Fichten. Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet.

Hessenweit sind zwei Millionen Tonnen Fichtenholz geerntet worden, aber gleichzeitig müssen die vom Borkenkäfer befallenen Bäume gefällt werden“, erläutert der Forstamtsleiter. Es gibt keine Kapazitäten mehr bei den Mitarbeitern, bei Erntemaschinen und auch für den Abtransport des Holzes. Durch das große Angebot von Fichtenholz, das in erster Linie als Bauholz verwendet wird, sind die Preise schon jetzt um ein Drittel gesunken. „Wir gehen davon aus, dass im Forstamt Hessisch Lichtenau etwa 50.000 Kubikmeter Fichtenholz durch den Borkenkäferbefall dazu kommen“, berichtet Matthias Dumm.

Auch für das nächste Jahr sind seine Prognosen düster, denn wenn Winter und Frühjahr nicht niederschlagsreich werden, werden sich die Käfer, die überwintert haben, weiter vermehren und noch mehr Fichten befallen. Wirtschaftlich düstere Aussichten für Hessenforst und auch für private Waldinhaber, denn dann sinken die Preise noch weiter.

Extra Info: Der Borkenkäfer

Die Borkenkäfer sind eine Unterfamilie der Rüsselkäfer. Zur Eiablage bohren sie sich durch die Rinde ihrer Wirtsbäume in die saftführende Schicht (Kambium). Dort bilden sie Gangsysteme aus, in die sie ihre Eier legen. Die Larven wachsen dort heran und fressen weitere Gänge. Man unterscheidet den Buchdrucker (der die unteren Bereiche der Stämme befällt) und den Kupferstecher, der in dünnerem Holz zu finden ist. Durch den Befall wird die Nährstoffversorgung des Baumes oberhalb des betroffenen Bereichs von der Versorgung abgeschnitten und stirbt ab. Sind zu viele Schadstellen vorhanden, stirbt der Baum. Das kann innerhalb weniger Wochen passieren.

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