Kampf für Kita-Plätze - Eltern sammeln Unterschriften für zweite Waldkita-Gruppe in Witzenhausen

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Constanze Trommer, Elternvertreterin im städtischen Wald- und Naturkindergarten Waldwichtel in Witzenhausen.

Natur pur, und zwar jeden Tag, das erleben die Kinder im Waldkindergarten Waldwichtel in Witzenhausen. Sie klettern, rennen und leben den natürlichen Drang zur Erforschung der Natur aus. Doch die Betreuungsplätze in der Waldkita sind rar und der Bedarf weitaus größer als das Angebot.

Witzenhausen. In der Kindertagesstätte Waldwichtel entdecken die Kinder das ganze Jahr über die freie Natur. Der städtischen Wald- und Naturkindergarten hat sich Natur- und Umweltpädagogik sowie Kneipp-Gesundheit als Schwerpunkte auf die Fahnen geschrieben. Für viele Eltern ist dieses besondere Kitaprogramm der ausschlaggebende Grund, sich gerade für die Kita Waldwichtel zu entscheiden.

Spielen und Lernen im Naturparadies 

Umgeben von Bäumen statt von Wänden und Türen und ausgerüstet mit Matschhosen, Gummistiefeln und mehreren Schichten Kleidung: Der Waldkindergarten auf dem Witzenhäuser Warteberg bietet derzeit 18 Kindern viel Platz, um Abenteuer zu erleben und die Natur zu erkunden. „Es ist ein Paradies, die Kinder können sich frei entfalten und bekommen von klein auf Kontakt zur Natur. Bessere Voraussetzungen für späteres Umweltbewusstsein können kaum geschaffen werden“, sagt Nesrin Caglak, deren dreijährige Tochter Mirima (3) den Waldkindergarten in Witzenhausen besucht. „Das Konzept ist einzigartig.“

Auch Mirimas kleine Schwester Meleth (2) soll ab kommenden Jahr in die Waldkita, so der Wunsch von Caglak und ihrem Mann. Ob sie für Meleth aber im Sommer 2020 einen Platz in der Einrichtung bekommen, steht noch in den Sternen, denn die Betreuungsplätze in der Waldkita sind rar und begehrt. „Wir sind eine von sechs oder sieben Familien, die sich Gedanken darüber machen, ob sie im kommenden Jahr einen Platz im Waldkindergarten bekommen“, beschreibt die junge Mutter die angespannte Kita-Situation. Die Einrichtung einer zweiten Gruppe in der Wald- und Naturkindertagesstätte würde aus ihrer Sicht eine Entlastung bringen.

Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

Bislang sei der Wunsch der Eltern nach einer Erweiterung des Waldkindergartens um eine weitere Gruppe aber bei der Stadt auf taube Ohren gestoßen, berichtet Constanze Trommer. Die Witzenhäuserin ist Elternvertreterin in dem Waldkindergarten und hat somit einen guten Einblick in die derzeitige Situation. „Zu Beginn des neuen Kindergartenjahres im Sommer wird voraussichtlich nur ein Betreuungsplatz in der Wald-Kita frei, die Warteliste ist aber lang“, beschreibt sie den Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen. Dieser sei der Stadt längst bekannt, so Trommer weiter. Ende September habe eine Mutter, dessen Kind auf der Warteliste für den Waldkindergarten stehe, sich bereits schriftlich an die Stadtverwaltung gewandt und die Erweiterung der Kita um eine zweite Gruppe angeregt. Das Ergebnis: lange keine Reaktion, Anfang Februar dann die Absage: „Wir bedauern es sehr, dass nicht alle Kinder, die auf der Warteliste des Waldkindergartens geführt werden, ab Sommer 2019 einen Platz bekommen können. Die Situation ist allerdings auch nicht ungewöhnlich, da es auch in anderen Einrichtungen teilweise größere Wartelisten gibt und auch dort nicht alle Wünsche der Eltern berücksichtigt werden können.“ Für Dorothea Volland eine Entscheidung, die nicht nachvollziehbar sei. „Es ist eine Katastrophe, dass die Stadt in andere Kitas steckt, anstatt in eine weitere Gruppe im Waldkindergarten zu investieren“, sagt die Mutter zweier Kinder im Alter von vier und eineinhalb Jahren. Die Errichtung einer weiteren Waldkindergartengruppe sei nämlich kostengünstiger, als die Einrichtung einer normalen Kita-Gruppe. Die Stadt könnte gutes tun und gleichzeitig sparen, so Volland. „Der Bedarf ist weit aus größer, als der Stadtverwaltung bewusst ist.“

Unterschriften sollen Bedarf verdeutlichen

Um den Bedarf der Stadt schwarz auf weiß vor Augen zu führen, haben sich Trommer, Caglak und Volland mit weiteren Eltern, die die Befürchtung haben für dieses und kommendes Jahr keinen Betreuungsplatz in der Waldkita zu bekommen, zusammengetan und seit Februar Unterschriften gesammelt. Rund 70 Unterschriften haben die engagierten Eltern bereits gesammelt, berichtet Trommer am vergangenen Freitag, als die Frauen auf dem Witzenhäuser Markt weiter auf Stimmenfang für die Errichtung einer weiteren Waldkita-Gruppe gehen. Der Waldkindergarten gebe den Kindern die Möglichkeit, sich viel draußen zu bewegen. Dies wirke sich positiv auf die Lernfähigkeit aus, beschreibt Trommer weitere Vorteile der besonderen Kita-Form. Außerhalb der Stadt könnten sich die Kleinen in einer viel ruhigeren Umgebung entwickeln. „Diese Chance möchten wir mehr Kindern ermöglichen”, erläutern die engagierten Mütter ihre Intention.

Extra-Info: Unterschriftensammlung läuft weiter

Um der Stadtverwaltung den Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen im städtischen Wald- und Naturkindergarten aufzuzeigen, werden derzeit Unterschriften für die Errichtung einer zweiten Gruppe gesammelt. Die Unterschriftenlisten liegen aktuell in Geschäften und Arztpraxen in Witzenhausen aus. Sobald die Sammlung abgeschlossen ist, sollen die Listen nach Informationen von Elternvertreterin Constanze Trommer an die Stadtverwaltung übergeben werden. Darüber hinaus ist in Kürze eine Informationsveranstaltung mit Podiumsdiskussion geplant. Informationen rund um die Aktion (Bedarf, Unterstützung) gibt es bei Constanze Trommer unter waldkiga@posteo.de.

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